Wenn die Welt in den Familien nicht "heil" ist

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Wasserburg - Auf den ersten Blick gibt es in vielen Familien keine Probleme, doch hinter der Fassade ist es oft anders. Die vom Jugendamt geleitete Initiative "Startklar" hilft in solchen Fällen.

Normalerweise spielt sie sich im Stillen ab, die Hilfe für gefährdete Jugendliche und Familien, die von "Startklar" geleistet wird. Zum zehnjährigen Bestehen in Wasserburg gab es nun wieder einmal eine öffentliche Präsentation.

Otto Zwiefelhofer brachte es als Vertreter der Stadt auf den Punkt: Auf den ersten Blick scheine in Wasserburg ja die "heile Welt" vorzuherrschen. Doch wer genauer hinschaue, entdecke auch hier die sozialen Probleme unserer Zeit: Familien, die ihren Erziehungsauftrag nur unzureichend erfüllen, Jugendliche mit massiven Gefährdungen.

Vor zehn Jahren, als "Startklar Schätzel" nach Wasserburg kam, galt die Stadt sogar als ein gewisser sozialer Brennpunkt im Landkreis. Das Jugendamt hatte darauf reagiert und eine Außenstelle hier aufgemacht.

Im Unterschied zu früher arbeitet das Jugendamt heute mit privaten sozialen Trägern zusammen, wenn es um die Jugend- und Familienhilfe geht. Sie werden mit der pädagogischen Arbeit beauftragt, das Jugendamt führt die Aufsicht und trifft Entscheidungen -"ein bewährtes Prinzip", so Firmengründer Heinz Schätzel. Der hatte 2001 auf die Regionalisierung der Jugendhilfe mit der Gründung einer Außenstelle in Wasserburg reagiert.

Derzeit arbeiten acht Fachleute, überwiegend Sozialpädagogen, bei Startklar in Wasserburg. Gabriele Gruner, die Stellenleiterin, betonte die Bedeutung der regional verankerten Arbeit. Es sei wichtig, die vorhandenen sozialen Strukturen in Wasserburg zu nutzen.

Elf Familien aus Wasserburg und Umgebung werden derzeit betreut, dazu kommt ein Erziehungsbeistand für einen Jugendlichen. Das ist eine deutliche Verschiebung gegenüber den Anfangsjahren, als noch mehr der einzelne Betroffene gesehen wurde und weniger das "System" Familie.

Doch neben der Verschiebung des Blickwinkels hin zur systemischen Arbeit hat Gabriele Gruner eine weitere Erklärung für die Reduzierung der Erziehungsbeistandschaften: Die Ganztagsklassen würden viel Betreuungsarbeit übernehmen.

Für die Familien wird von Startklar inzwischen auch ein Therapieangebot gemacht. Außerdem gibt es nun ein Haushaltstraining für die ganz praktischen Probleme.

In der Arbeit werde stark auf die Festlegung konkreter und realistischer Halbjahresziele Wert gelegt, so Gabriele Gruner. Die müssten aber gemeinsam mit den Klienten erarbeitet werden: "Das funktioniert nur dann gut, wenn der Klient es auch will." Außerdem könne man auf diese Weise Schwächen und Fortschritte gut dokumentieren. "Wir wollen ja auf die Ressourcen der Familien aufbauen."

Cordula Holzmann-Carl schilderte einige geglückte Beispiele aus ihrer Arbeit mit Mädchen, die in einer von ihr betreuten Gruppe wohnten. Es gebe durchaus Chancen für eine erfolgreiche und positive Entwicklung trotz schlechter Startbedingungen, so die Botschaft. Und: Frühzeitige Unterstützung lohnt sich.

Grundsätzlich, so die Erfahrung der Fachleute von Startklar, biete Wasserburg ja auch eine gute Struktur für Familien mit vielen Möglichkeiten und Angeboten. Auf der anderen Seite gebe es hier sehr viele Alleinerziehende. "Und die haben es schon immer noch besonders schwer."

koe/Wasserburger Zeitung

Quelle: rosenheim24.de

Rubriklistenbild: © dpa

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