Werden bald Buslinien gestrichen?

Landkreis - Sinkende Fahrgastzahlen sorgen bei immer mehr Busunternehmen für Kopfzerbrechen. Unrentable Linien könnten daher bald stillgelegt werden.

Besonders auf dem Land bekommt der Begriff "Leerfahrt" mittlerweile eine ganz neue Bedeutung. Die Ursachen sind vielschichtig, die Folgen nicht absehbar. Auf jeden Fall ist damit zu rechnen, dass über kurz oder lang unrentable Linien stillgelegt werden.

Auch beim Stadtverkehr Rosenheim kommt es immer wieder vor, dass Busse fast leer von Haltestelle zu Haltestelle fahren. Allerdings hält sich das Übel in der Stadt Rosenheim in Grenzen, wie Ingmar Töppel vom Busunternehmen Kroiss mitteilt: "Wir beobachten ständig jede Veränderung und passen uns danach immer wieder aufs Neue den Bedürfnissen der Kunden an. Wie unsere Zahlen zeigen, funktioniert das bis jetzt auch ganz gut."

Schwerer haben es dagegen die Busunternehmen, die die vielen Landkreisgemeinden abdecken. Das machte auch Hans Zagler, Geschäftsführer der Rosenheimer Verkehrsgesellschaft (RoVG), bei seinem jährlichen Sachstandsbericht in der jüngsten Sitzung des Kreistags deutlich: "Übereinstimmend beklagen alle Busunternehmer im ländlichen Raum sinkende Fahrgastzahlen." Franz Polland, Geschäftsführer des Regionalverkehr Oberbayern (RVO), bestätigt diese Entwicklung mit aktuellen Zahlen aus seinem Unternehmen: "Je nach Linie verzeichnen wir seit dem Jahr 2008 einen Fahrgast-Rückgang von fünf bis zehn Prozent."

Über die Gründe für diese Entwicklung können Polland und Zagler nur spekulieren. Polland sieht einen Auslöser für den Trend in der Wirtschaftskrise: "In dieser Situation haben viele das Fahrgeld gespart. Ein Teil ist nach der Krise zwar wieder auf den Bus umgestiegen. Aber eben bei Weitem nicht alle."

Zagler vermutet hingegen, dass in immer mehr Seniorenhaushalten ein Auto vorhanden ist und zudem auch ältere Frauen ganz selbstverständlich einen Führerschein besitzen und diesen auch nutzen. Franz Polland macht auch die geänderte Arbeitssituation für das Wegbleiben der Fahrgäste verantwortlich: "Früher gab es für die meisten Berufstätigen eine Kernzeit von 8 bis 17 Uhr. Darauf konnte man sich mit dem Busverkehr einstellen. Aber heute gibt es fast nur noch Gleitzeiten." In Großstädten könnten sich die Busunternehmen auf diese Entwicklung mit dichten Takten gut einstellen. Auf dem Land und damit in der Fläche sei dies aus Gründen der Wirtschaftlichkeit nicht machbar.

Auch beim Busunternehmen Siflinger bemerkt man seit einiger Zeit einen Rückgang der Fahrgastzahlen. "Wenn das so weitergeht, wird man irgendwann darüber nachdenken müssen, das Angebot einzuschränken", so Josef Siflinger. Die Grundlinien würden sicherlich auch in den kommenden Jahren Bestand haben, jedoch: "Es kann dann schon passieren, dass zum Beispiel wenig genutzte Kurse in der Nacht wegfallen oder spezielle Serviceangebote."

Schwer behaupten können sich derzeit nicht nur die Linienbusse. Gerhard Reiter vom gleichnamigen Busunternehmen stellt zugleich einen deutlichen Rückgang bei Urlaubsreisen und Ausflügen statt. "Bei der Fahrt ins Blaue gab es in der Vergangenheit sogar regelmäßig eine Warteliste. Jetzt bringen wird dafür meistens nicht einmal mehr 30 Personen zusammen." Natürlich lässt auch er sich, wie alle anderen Busunternehmen in Stadt und Land, einiges einfallen, um die Beförderung mittels Omnibus noch attraktiver zu gestalten. Der Erfolg dieser Bemühungen ist bislang nicht groß, wofür nicht nur Reiter zum Teil auch die Städte verantwortlich macht. "Es ist doch klar, dass ich lieber zu Fuß gehe oder mit dem Radl fahre, wenn ich sonst nur ewig im Stau stehe", ärgert sich der Unternehmer und fordert: "Freie Fahrt für die Busse!" Ingmar Töppel ist sogar der Meinung, dass das Autofahren speziell in der Stadt Rosenheim viel zu "sympathisch" ist: "Solange die Autofahrer noch so leicht kostenlose Parkplätze finden, werden sie bestimmt nicht auf den Bus umsteigen. Da muss sich noch einiges tun!"

Franz Polland wünscht sich, dass die Busunternehmen in Zukunft von Städten und Gemeinden besser als bisher in Planungen einbezogen werden. Etwa, wenn es darum geht, neue Gewerbegebiete zu bauen - damit die Aufschrift "Leerfahrt" auch wirklich nur die "Heimfahrt" eines Busses signalisiert.

wu/Oberbayerisches Volksblatt

Quelle: rosenheim24.de

Rubriklistenbild: © dpa

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