Wermutstropfen für die Kunst

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Im Ganserhaus zu sehen: "Christine" von Gerhard Prokop.

Wasserburg - "Nach Jahren des immer Gleichen von den immer Selben ein gelungener Neuanfang" schrieb ein Besucher der "Großen Kunstausstellung" in das Besucherbuch im Rathaussaal.

Gab es letztes Jahr Kritik vor allem wegen manch leerer Wand, wo Platz für mehr Kunst gewesen wäre, zeigt der AK68 dieses Jahr wieder mehr Kunst. "Ich glaube, den Leuten hat die Ausstellung gut gefallen", sagt Ilona Höberth, die seit Jahren im Rathaus an der Kasse sitzt.

Noch vier Tage, bis kommenden Sonntag, dauert die Große Kunstausstellung des Wasserburger Kunstvereins AK68 in der Galerie im Ganserhaus und im großen Rathaussaaal, die am Ende wohl nicht ganz so viele Besucher gesehen haben wie die letztjährige. Das Sommerwetter - gut fürs Kino am Stoa am Abend, weniger gut für Ausstellungsbesuche tagsüber.

Für den Kunstvereins-Vorsitzenden Dr.Markus Brezina wird die Ausstellung mit dem veränderten Konzept, doch wieder mehr Werke zu zeigen, "überraschend gut angenommen". 120 Werke hat die Jury dieses Jahre ausgewählt. Für den Preis "Junge Kunst" entschied sie sich für Florian Lechner, der seine Installation "Raumzeichnung" zwischen Rathaus und Kirche zeigt. Kunst im Freien, bislang immer vor dem Rathaus, gehört zur großen Ausstellung des Kunstvereins, wie auch immer kritische Stimmen zu diesen dort gezeigten Kunstwerken zu hören waren. Dieses Jahr bleiben diese aus und Markus Brezina weiß nicht so genau, ob diese Installation an diesem ungewohnten Platz einfach untergegangen ist, gar nicht gesehen oder als Kunst nicht wahrgenommen wird.

Im letzten Jahr sei, so Kurator Stefan Scherer, die Jury sehr streng gewesen, 30 Künstler weniger als sonst zeigten ihre Werke. Das habe zu vielen Diskussionen geführt, auch zur immerwährenden Frage, ob der Verein für seine Mitglieder zuständig sei oder moderne Kunst nach Wasserburg bringen solle. Er ist überzeugt "die Qualität stimmt" und eines freut ihn ganz besonders: Im Vergleich zu den Kunstverein-Ausstellungen in Rosenheim, Prien oder Ebersberg zeige Wasserburg auch Werke sehr junger Künstler.

Der Wermutstropfen heuer: Die Kommission der Bayerischen Gemäldesammlung kommt dieses Jahr nicht. Sie machte bisher jedes Jahr Station in Wasserburg und brachte dem Verein Einnahmen im Schnitt zwischen 5000 und 6000 Euro, "ein Teil unseres Einkommens", sagt Scherer, der nach der Absage wegen Personalmangels mit dem Katalog der Großen Kunstausstellung nach München fuhr. Es nutzte nichts, nach Katalog gibt es keine Einkäufe, aber immerhin das Versprechen, im nächsten Jahr wieder zu kommen. Von Privat fanden bis gestern zwei Bilder Käufer und Bürgermeister Michael Kölbl wusste gestern zwar noch nicht genau, welches Werk, aber dass die Stadt Kunst erwerben wird.

Ob es wirklich die Hitze ist, die manchen von einem Ausstellungsbesuch abhält? Dass es auf dem Gerüst oben unter der Rathaussaaldecke ziemlich schweißtreibend warm ist, erfährt Restaurator Jürgen Linge derzeit jeden Tag. Auch während der Ausstellung restauriert er die Wandmalereien von Maximilian von Mann und schimpft ein bisschen über die Halogenleuchten, die die Bilder ins rechte Licht rücken sollen, denn sie geben zusätzliche Wärme ab. "Außerdem haben sie einen Gelbanteil und verfälschen die Farben der Bilder", sagt er. "Klar wäre uns LED lieber als die alten Lampen, aber LED ist sehr teuer und das kann sich der Verein jetzt gerade einfach nicht leisten", so Markus Brezina. Klar sei beim Licht ein kleiner Gelbanteil dabei, aber das habe bisher noch niemanden gestört.

Auch für Stefan Scherer ist klar, "eine Museumsbeleuchtung haben wir nicht". Es sei aber auch so, dass kein Museum garantieren könne, dass alle Farben unverfälscht gesehen werden. "Was wir tun können, ist, dass wir mit der Beleuchtung für alle Werke das gleiche Licht haben". Auch er verweist auf die fehlenden Mittel für eine neue Beleuchtung, "wir brauchen jetzt eine neue Heizung im Ganserhaus". Beim Thema Kosten betonen Kurator und Vorsitzender unisono: "Wir sind froh und rechnen es der Stadt hoch an, dass sie uns den Rathaussaal Jahr für Jahr komplett mietfrei überlässt."

vo/Wasserburger Zeitung

Quelle: rosenheim24.de

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