"Wie der Mensch von Gott gedacht ist"

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Ignaz Günthers Werk und die Interpretation von Elke Härter. Fotos Diözesanmuseum

Wasserburg-Attel - Seit dem Wochenende ist die Pfarrkirche St. Michael zu Attel wieder vollständig, denn sie hat "ihre" Madonna zurück:

Allerdings nicht das Original, das der Bildhauer Ignaz Günther um 1760 eigens für die barocke Klosterkirche geschaffen hat, sondern eine zeitgenössische Interpretation.

Die Skulptur ist nicht nur erneuter Mittelpunkt des Aufsatzes des bekannten Rosenkranzaltars. Sie war auch Anlass für eine Marienandacht am Samstag und einen Festgottesdienst am Sonntagvormittag mit Ordinariatsdirektor Monsignore Thomas Schlichting und zahlreichen Besuchern.

Dauerhaft in Freising

"Es war immer unser Bestreben, die 'Atteler Madonna' zurückzuholen, einfach, weil sie hierher gehört", sagt Pater Karl Wagner. Doch das Kulturreferat der Erzdiözese München-Freising sprach sich 2003 für einen endgültigen Verbleib des Kunstschatzes im Diözesanmuseum aus, wo er aus konservatorischen wie sicherheitstechnischen Gründen schon seit 1984 aufbewahrt wird.

Aus dieser zunächst enttäuschenden Entscheidung heraus sei dann "doch noch etwas ganz Tolles passiert", so Wagner. Denn auf Anregung des Kuratoriums des Diözesanmuseums habe man sich für eine Neuanfertigung ausgesprochen. Den Auftrag für eine zeitgenössische Interpretation führte auf Empfehlung die Münchener Künstlerin Elke Härtel aus, die mit den Werken Ignaz Günthers vertraut ist.

Mit dem Ergebnis zeigt sich Wagner überaus zufrieden. "Die Stimmung hier ist euphorisch, und auch von der ästhetischen Seite ist das Werk toll gelungen, denn es fügt sich vom Material und der Ausarbeitung sehr gut in den vorhandenen Schrein", so der Atteler Pfarrer.

Die Künstlerin habe es auch sehr gut verstanden, in der Frauengestalt das Konzept des theologischen Begriffs "Immaculata" umzusetzen und den Symbolcharakter der "jungfräulichen Empfängnis" zu deuten: ,Jungfrau' steht für Neuanfang, und das Konzept der Immaculata steht für das ,Konzept eines unversehrten Menschen'. Es hält uns vor Augen, wie der Mensch von Gott gedacht ist", führt Wagner aus. Durch die Figur "haben wir heute die Chance, uns neu damit auseinanderzusetzen".

Künstlerin: "Große Aufgeschlossenheit"

Anders als die ursprüngliche Figur ist die neue Madonna sitzend dargestellt und misst deswegen knapp 50 Zentimeter. Elemente, welche die Jungfräulichkeit ursprünglich symbolisierten, sind verändert: Anstelle des Lilienzepters hält die weiße Frauenfigur eine Blume in der linken Hand, anstelle der Schlange zu ihren Füßen sucht eine unbekanntes Wesen, halb Mensch, halb Tier, die Nähe zu der in sich ruhenden Gestalt. Der frühere Sternenkranz fehlt gänzlich.

Über die künstlerische Aufgeschlossenheit der Auftraggeber zeigte sich die Künstlerin angenehm überrascht. Ein halbes Jahr arbeitete die Bildhauerin an dem Kunstwerk. "Ich finde es sensationell, dass sich Attel auf dieses Wagnis eingelassen und die Arbeit auch angenommen hat", so die 34-Jährige.

Mit der Weihe am Sonntag hat das Kunstwerk die Aufgabe übernommen, die Menschen zur Andacht zu führen, sagt Pater Wagner. Interessierte können sich davon jederzeit überzeugen.

fal/Wasserburger Zeitung

Quelle: rosenheim24.de

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