Für Wildsau ist Tschernobyl nicht vorbei

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Am Samstag wird demonstriert, schon jetzt hängt ein Plakat in der Innleite, das fordert: "Einfach mal alles abschalten".

Wasserburg - 25 Jahre nach Tschernobyl ist die atomare Verstrahlung durch das Unglück in Fukushima wieder aktuell. In Wasserburg findet nun eine große Anti-Atom-Demonstration statt.

Die Organisatoren der Protestveranstaltung von der ÖDP hätten das Unglück in Japan nicht gebraucht, um ihre Position zu den Atomkraftwerken zu finden. Vor 25 Jahren galt das für einen großen Teil der Bevölkerung: Entgegen den anfänglichen Beteuerungen gerade auch der bayerischen Staatsregierung hinterließ der GAU in Tschernobyl massive Spuren auch im Wasserburger Raum.

Bundesweite Aufmerksamkeit fand dabei die verstrahlte Molke in Forsting. Dort stand zehn Jahre lang ein verplombter Güterzug der Firma Meggle mit Molke, die mit etwa 1200 Bequerel pro Kilogramm strahlte - zu wenig für eine Dekontamination, aber auch deutlich zu viel für den Verzehr. Denn dafür wurde später europaweit die Grenze auf 600 Bequerel festgesetzt.

Nachdem das Milchpulver auch zehn Jahren später vor allem auch aus psychologischen Gründen nicht verwertet werden konnte, wurde es schließlich verbrannt. Die Strahlenbelastung wäre zu diesem Zeitpunkt angeblich kein Problem mehr gewesen.

Das ist bei den Wildschweinen aus dem Ebersberger Forst anders. Bei ihnen werden auch jetzt, nach 25 Jahren, regelmäßig zu hohe Werte gemessen. "Rund zwei Drittel sind nicht verwertbar", so Joachim Kessler, stellvertretender Leiter des Forstbetriebes Wasserburg, zu dem der Ebersberger Forst gehört.

Im Unterschied zum Rehwild, das praktisch nicht belastet ist, haben die Wildschweine einfach ungesunde Ernährungsgewohnheiten: Sie wühlen im verstrahlten Erdreich und fressen gerne Pilze, die das Cäsium besonders stark speichern.

Aus diesem Grund wird beim Forstbetrieb auch jedes erlegte Wildschwein extra gemessen. Werden die 600 Bequerel überschritten, kommt das Schwarzwild nicht in den Verkauf in Wasserburg. Dabei werden starke Schwankungen der Strahlenbelastung verzeichnet. "Ganz kann man das nicht erklären. Es hängt wohl von dem aktuellen Nahrungsangebot ab", so Kessler. Eine massive Eichelmast sei eben weniger belastend als eine ausgeprägte Pilzsaison.

"25 Jahre sind für Cäsium offensichtlich keine Zeit", stellt Joachim Kessler fest - ein Argument, das die Kernkraftgegner bei der Demonstration am Samstag sicher ebenfalls ins Feld führen werden: So schnell wird die Menschheit die Folgen von Tschernobyl nicht los.

Karl Königbauer (Wasserburger Zeitung)

Quelle: rosenheim24.de

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