Wildschweine werden zur Gefahr

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Auf dem Vormarsch: die Wildschweine.

Landkreis - Jahrzehntelang waren Wildschweine in heimischen Wäldern so gut wie nicht mehr anzutreffen. Doch nun wird Schwarzwild auch in der Region um Rosenheim zur Gefahr.

Die Wildsau: Die meisten Kinder im Landkreis Rosenheim kennen sie nur aus Asterix-Heften – als vierbeinige Leibspeise von Obelix. Das ist kein Wunder, schließlich waren die anpassungsfähigen Allesfresser in heimischen Wäldern jahrzehntelang so gut wie nicht mehr anzutreffen. Doch nun wird Schwarzwild auch in der Region um Rosenheim zur Gefahr – und dies nicht nur für die Landwirte. So hat ein 100 Kilo schwerer Keiler an Neujahr bei Riedering einen schweren Unfall verursacht.

Schreckte die Jäger und Almbauern Anfang 2011 ein weiterer Wolfsriss bei Bayrischzell  auf, so ist es diesmal ein Wildschweinunfall, der die Alarmglocken schrillen lässt. Es war 12.30 Uhr, als das Tier in einem Waldstück zwischen Niedermoosen und Holzen die Straßenseite wechselte und dabei gleich von zwei Autos erfasst wurde.

Der Keiler wurde erst von einem Richtung Rosenheim fahrenden Mercedes angefahren und durch die Wucht des Aufpralls auf die andere Straßenseite geschleudert, wo er von einem Audi frontal getroffen wurde. Der Schaden ist enorm: Beide Autos haben nur noch Schrottwert und mussten abgeschleppt werden. Trotz des doppelten Totalschadens blieben die unfallbeteiligten Auto-Insassen zum Glück unverletzt. Der Eber schleppte sich noch einige Meter in den Wald, wo er schwer verletzt liegen blieb. Eintreffende Beamte mussten das Tier am Unfallort erschießen, weil verwundete Wildschweine ein erhebliches Gefährdungspotenzial darstellen. Der verständigte Jagdpächter staunte angesichts der Größe des Tieres nicht schlecht.

Schon vor Monaten hatte es auf der A8 auf Höhe der Ausfahrt Achenmühle einen schweren Schwarzwild-Unfall gegeben. Damals überquerten gegen Mitternacht gleich mehrere Tiere die Autobahn – zwei Wildsäue wurden von Autos erfasst und waren sofort tot.

Werner Zwingmann, Vorsitzender der Jägervereinigung Rosenheim, überrascht es nicht, dass sich der Wildschweinunfall auf der Kreisstraße zwischen Niedermoosen und Holzen ereignet hat. Südwestlich davon gibt es ein großes Waldgebiet, das sich bis zur Autobahn erstreckt – ein ideales Rückzugsgebiet für die nachtaktiven Tiere, die schwer zu bejagen sind.

Noch hat man es im Raum Rosenheim nur mit vereinzelten „Zuwanderern“ zu tun. Szenarien wie in Baden- Württemberg (dort durchpflügte eine Rotte vor kurzem ein halbes Fußballfeld) oder in Unterfranken, wo sich ein Mountainbiker nach einer Begegnung mit einer Wildschweinrotte in letzter Minute auf einen Jägerhochsitz retten konnte, sind für den Raum Rosenheim kaum vorstellbar. Jäger und Landwirte seien aber „äußerst wachsam“, betont Zwingmann im Gespräch mit dem OVB. Bei Stephanskirchen habe man vor kurzem Wildschweine „gespürt“ – und mit dem Begriff „spüren“ bezieht sich der Jäger-Vorsitzende auf wildschweintypische Schäden im Wald und auf den Wiesen.

Vor Jahren sei es bei Eiselfing gelungen, die dauerhafte Ansiedlung einer Rotte zu verhindern, als sich mehrere Tiere südöstlich von Wasserburg herumtrieben. Im Jagdjahr 2010/11 wurde im Raum Rosenheim „nur“ ein halbes Dutzend Wildschweine erlegt. Dagegen ist der Schwarzwildbestand in Bayern in den vergangenen 30 Jahren förmlich „explodiert“, was an den Jagdstrecken deutlich wird. Waren es 1983/84 noch 8200 Schwarzkittel, so stieg die Zahl der erlegten Tiere 2008/2009 auf über 62.000. Die „Invasion der Wildschweine“ hätte zu vielen Schäden in den Feldern, im Grünland und im Wald geführt, klagen Bayerns Landwirte seit Jahren. Zudem bestehe die Gefahr der Übertragung der Schweinepest auf Hausschweine. Hinzu kommt die steigende Zahl der Verkehrsunfälle. Weil damit auch im Raum Rosenheim zu rechnen ist, appelliert Zwingmann an die Autofahrer, den Hinweisschildern auf Wildwechsel Beachtung zu schenken.

Oberbayerisches Volksblatt

Quelle: rosenheim24.de

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