Wird Obing "Schule zweiter Klasse"?

Obing - Heftige Kritik an "schulbürokratischen Verwaltungsgewohnheiten" des Kultusministeriums übt der Obinger CSU-Fraktionssprecher Michael Lache jetzt in einer Stellungnahme.

Nach dem Ausscheiden von Ludwig Bürger als Schulleiter fürchtet er, dass Obing "Hauptschule zweiter Klassse" wird.

Dass Bürger aufhört, wisse der Obinger Gemeinderat zwar schon länger. Dass die Stelle erst zum 1. Januar wieder ausgeschrieben wird, wie es derzeit im Schulbereich üblich sei, das aber sei vielen in seiner "Tragweite nicht bewusst, fürchtet der Gemeinderat: "Es kann nicht angehen, dass die Obinger Schule in einer bildungspolitisch schwierigen Zeit wegen schulbürokratischer Verwaltungsgewohnheiten über ein Jahr ohne Rektor bleiben soll und die Gemeinde finanziell geschädigt wird."

Letzteres bezieht sich darauf, dass Obing im Moment mehrere Millionen in die Sanierung der Hauptschule mit Wärmeschutz, in behindertengerechte Zugänge, Mittagsbetreuung und anders investiert. Da brauche es einen Rektor, der sich innerhalb der Schulbehörden und politischen Instanzen und auch bei den Nachbargemeinden massiv für die Schule einsetze, alles andere sei "unakzeptabel".

Ein wichtiges Thema ist dabei die Mittelschule, die Michael Lache angesichts zu geringer Schülerzahlen schon verloren sieht. "Welche Zukunft hat eine Schule, die ... defacto abgewertet wurde?" fragt er. Seine Forderung an das von seiner Partei geführte Kultusministerium ist daher: "Wir brauchen sofort einen Schulrektor, und zwar einen, der auch als solcher offiziell eingesetzt wird." Denn wie viele Eltern würden sonst künftig noch ihre Kinder "auf eine Hauptschule zweiter Klasse schicken?"

"Bewährtes Modell"

Etwas erstaunt reagiert Bürgermeister Hans Thurner auf diese Aussagen. Die Obinger Schule habe doch auch im nächsten Schuljahr eine Schulleitung: "Der bisherige Konrektor Thomas Schmitz wird, unterstützt von der zweiten Konrektorin Simone Dörfler, diese Aufgabe übernehmen." Das sei ein Modell, das nach dem Weggang von Rektor Michael Herzig im Jahre 2006 bereits sehr gut funktioniert habe.

Zu den Formalien ist zu erfahren, dass Ludwig Bürger den Rektorenposten neben seinem Personalratsvorsitz mit nur vier Wochenstunden betreut hat. Daher müsse nun erst eine neue Planstelle geschaffen werden, damit in Obing die Rektorenstelle voll neu besetzt werden kann. Das Vorgehen des Kultusministeriums sei die übliche Haushaltspraxis, heißt es.

Was das Thema Mittelschule angeht, habe die Gemeinde als Sachaufwandsträger den entsprechenden Antrag gestellt. "Über diesen Antrag ist bisher weder positiv noch negativ entschieden worden", so Thurner. Bisher stünden im Schulamtsbezirk Traunstein nur die drei großen Schulen beziehungsweise Schulverbünde Traunreut, Traunstein und Trostberg als Mittelschulen fest.

Eine Entscheidung über weitere Mittelschulstandorte ist nach Auskunft von Thomas Schmitz frühestens für das Schuljahr 2011/2012 zu erwarten. Der amtierende Schulleiter weist darauf hin, dass die Kultusbehörden auch deshalb so genau abwägten, weil sie nach Anerkennung als Mittelschule der Schule 50 Lehrerstunden mehr zur Verfügung stellen müssten, also quasi zwei Lehrerstellen.

koe/igr/Wasserburger Zeitung

Quelle: rosenheim24.de

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