Meggle-Forum ist gestartet

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Gastgeber Toni Meggle.

Wasserburg - Mit dem ersten Meggle-Forum startete am Samstag das Wasserburger Familienunternehmen eine Reihe von Festen in diesem Jahr.

Die Feste finden anlässlich des 125-jährigen Bestehens des Molkereibetriebs statt, das derzeit 2500 Mitarbeiter beschäftigt, 860 am Stamm- und Heimatsitz in Reitmehring. Toni Meggle freute sich im vollbesetzten Rathaussaal über die Gäste aus Politik, Wirtschaft, Schulen, Krankenhäusern und anderen Einrichtungen.

Auf dem Podium diskutierten nach der Gastrede von Abtprimas Dr.Notker Wolf der "Kirchenmann", wie ihn Moderator Sigmund Gottlieb, Chefredakteur des Bayerischen Fernsehens, in der Runde begrüßte, der Bayerische Staatsminister für Wissenschaft, Forschung und Kunst Dr. Wolfgang Heubisch, Landrat Josef Neiderhell, die Rosenheimer Oberbürgermeisterin Gabriele Bauer und Wasserburgs Bürgermeister Michael Kölbl.

In Sorge um die gesellschaftliche Entwicklung wolle man mit diesem Forum in einen Gedankenaustausch treten, so Toni Meggle. Die Idee habe klein angefangen, erst mit dem Buch des Abtprimas "Worauf warten wir? - Ketzerische Gedanken zu Deutschland", dann mit dem zweiten Buch, "Zivilcourage kann man lernen" von Sigmund Gottlieb.

Gastredner Abtprimas Dr.Notker Wolf, im Publikum in der ersten Reihe Marina Meggle, Sigmund Gottlieb mit Frau, Staatsminister Dr.Wolfgang Heubisch und Landrat Josef Neiderhell mit Frau (von rechts).

Seit 2000 ist Dr. Notker Wolf Abtprimas der Benediktischen Konföderation mit Sitz in Rom, er ist unter anderem auch im Unternehmensbeirat der Gothaer Versicherung, Vorsitzender der China-Kommission des Ordens, Mitglied der Europäischen Akademie der Wissenschaften. In Wasserburg erhielt er großen Beifall, auch spontanen, von einem herzhaft lachendem Publikum. Wenn er zum Beispiel spöttelte über die vielen Empfehlungen für eine Auszeit, "die habe ich in meiner Gemeinschaft, um dort was zu gestalten". Oder, dass er Mozart längst heilig gesprochen hätte, wegen der Leichtigkeit seiner Musik. Das Streichquartett Mozarteum Salzburg begleitete die Veranstaltung musikalisch.

Von Gott redete er nicht viel, mehr von der Energie, die jeder habe, die Freude am Gestalten, am Schöpferischen, über Philosophie, derem Beginn die Neugier sei. Und nochmals zitierte der Abtprimas Sokrates: "Was ist soziales Verhalten? Wenn nur Geld ausgegeben wird ist das unter der Würde der Empfänger". Leicht rutsche man von einer Ideologie in die andere, "absolut gibt es aber nicht, es ist alles relativ". Zum Schluss dann doch Gott: "Wir sind getragen von einem Gott, dem Gott der Liebe, der immer auch ein Auge zudrücken kann".

80. Geburtstag von Toni Meggle

Toni Meggle feiert Geburtstag

Toni Meggle in Reitmehring

Es sei, so Gottlieb, zu Beginn der Podiumsdiskussion, eine gute Idee, dass sich Politik, Wirtschaft und Kirchenmann austauschten über "die Werte, die der Kitt der Gesellschaft sind." Gottlieb begann mit dem Thema Freiheit, dem Thema des neuen Bundespräsidenten Joachim Gauck, der am Samstag noch nicht gewählt war. Es sei, so der FDP-Minister Heubisch, kein politisches Kalkül gewesen, als seine Partei Gauck vorschlug, sondern die Aufgabe alle Anstrengungen zu machen, dieses höchste Amt würdig zu besetzten. In Wasserburg, so Michael Kölbl, habe er das Gefühl, dass Gauck ohne viel darüber zu reden von einer breiten Masse getragen werde.

Warum es vielen nicht passe, das Gauck die Freiheit so ins Zentrum stelle? Freiheit, so Heubisch, müsse man fast neu erfinden, so viele Aufgaben würden an den Staat abgegeben. "Freiheit bedeutet aber auch Verantwortung, dazu braucht es Vertrauen". Und dass nun zwei Protestanten aus dem Osten die höchsten Ämter haben. Er glaube, sagte der Abtprimas, der Papst sei damit gar nicht so unzufrieden, die beiden würden menschliche Werte vertreten, "noch ein bisschen Leichtigkeit der Musik Mozarts zum Norddeutschen, dann stimmt die Mischung".

Familienunternehmen mit sozialer Verantwortung und marktwirtschaftliche Dax-Unternehmen, eine künstliche Trennung? Gabriele Bauer, meinte, sie erlebe Unternehmen, die Verantwortung für ihre Mitarbeiter tragen, die sich mit der Region identifizierten. Der Wasserburger Bürgermeister wies hier auf die Schließung von Wacker Siltronic vor einigen Jahren hin, "ein Mangemententschluss", ohne die Familienbetriebe "könnten wir dicht machen".

Wann Politik eingreifen müsse, denn Freiheit sei nicht grenzenlos? Politiker, so der Abtprimas, müssten eingreifen bei entarteten Finanzdienstleistern, bei Umweltverschmutzung, und wenn es so ist, dass man nicht mehr mit der Hände Arbeit leben kann, "allerdings nicht als Füllhorn, dann muss eine gemeinsame Lösung gefunden werden".

Hat Kommunalpolitik einen Vertrauensvorschuss bei den Leuten. "Immer weniger haben Vertrauen in die große Politik?", fragte der Moderator und Landrat Josef Neiderhell bejaht das. "Wir haben schnelles Feedback, man wird angesprochen das tut gut und ist ständiges Regulativ". Ganz klar habe Kommunalpolitik einen Standortvorteil, so die Rosenheimer Bürgermeisterin. Wir müssen Entscheidungen treffen, sonst werden die Leute unzufrieden. Man müsse diskutieren, beraten und dann beschließen, zum Wohl der Menschen, man brauche Konsenz. Dass man es nicht allen recht machen könne, sei das Risiko.

Zum Abschluss der Veranstaltung gab Toni anlässlich des Jubiläums die Stiftung eines Gründerpreises bekannt. Erstmals im September soll der Preis vergeben werden, an junge Unternehmer in der Region, die sich mindestens drei, höchsten sieben Jahre erfolgreich und unabhängig im Markt durchgesetzt haben. "Ich denke, es wird im nächsten Jahr ein zweites Meggle-Forum geben", so Toni Meggle ganz zum Schluss.

vo/Wasserburger-Zeitung

Quelle: rosenheim24.de

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