"Wollte Gott als Arbeitgeber"

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Thaddäus Josef Jakubowski mit seinem Vogel, den er immer dabei hat.

Wasserburg - Den Psalm "Unsere Seele ist wie ein Vogel dem Netz des Jägers entkommen, das Netz ist zerrissen und wir sind frei" hatte sich Thaddäus Josef Jakubowski als Primizspruch ausgesucht.

Die fand heute vor 25 Jahren in Odelzhausen statt. Seit zwölf Jahren ist der gebürtige Danziger Krankenhausseelsorger in Gabersee.

Das Jubiläum der Priesterweihe in Freising vor 25 Jahren wollte der Pfarrer eigentlich gar nicht feiern, "es ist eine Zahl, alles ist vergänglich, Priester gehen, Christus bleibt", sagt er. Dass Mutter, Schwester und Schwager extra aus Polen angereist waren und Mesnerin Irmengard Kasenbacher alles organisierte für eine Feier nach der Messe in St.Raphael gemeinsam mit den Gläubigen, freute ihn dann doch sehr. Und auch für diese Messe hatte er sich dann für sein bekanntes "Predigttheater" etwas ausgedacht: 25 Jahre stand auf der Kuchenform, der Kuchen ist längst weg, geblieben sind Brösel für die Vögel des Himmels und eine Rosine, die Jesus Christus bedeutet.

1952 kam Thaddäus Josef Jakubowski in Danzing zur Welt. Dort, wo die deutsche Fußballmannschaft während der EM ihr Hauptquartier hatte, sammelte er als Kind Schwammerl, "ich hab mir die Gegend jetzt im Fernesehen angeschaut".

Nach dem Gymnasium ging Jakubowski nach Warschau, schloss an einer Katholischen Fakultät sein Psychologie-Studium ab und wusste, er musste weg, "es gab keine Chance auf eine Stelle in der Stadt, wir waren vom System geduldet, aber nicht geliebt". Er ging in die Schweiz, fand Anschluss in der Diözese von Chur, arbeitete alles Mögliche und schloss schließlich das Theologiestudium in Fribourg ab und ging nach Deutschland.

Es folgten das Pastoraljahr in Odelzhausen, die Primiz dort und dann war der Priester, Jahre ehe er Jahre später ganz nach Wasserburg kam, einmal hier. Die Kaplanstelle war ausgeschrieben und deshalb fuhr er nach Wasserburg. Genau an dem Tag aber war der damalige Pfarrer Bauer nicht da und er wurde Kaplan in München in Hasenbergl, "hat mir sehr gut gefallen dort". Als er gebeten wurde, im Norden von München den Pfarrer zu vertreten tat er das und blieb sieben Jahre. Es war wohl nicht der richtige Platz, nicht alle hätten seine Art zu predigen wohl verstanden und da für das Inn-Salzachklinikum, damals noch Bezirkskrankenhaus, ein Pfarrer gesucht wurde, bewarb er sich und bekam die Stelle und ist nun "Rektor der Krankenhauskuratie."

Taufen, Hochzeiten, Firmung oder Beerdigungen hat der katholische Krankenhausseelsorger nicht oder nicht viele. Eine Sekretärin hat er auch nicht, "die Kirchenkollekte überweise ich selber". Seelsorge mit den psychisch kranken Menschen bedeutet für ihn einfach zuhören, ohne zu werten. Es stimmt nicht, dass man ihnen nicht helfen können, es genüge machmal, sie sie ernst zu nehmen und einfach zu mögen, auch wenn sie die verrücktesten Sachen erzählen. Viele fühlten sich reduziert auf ihre Diganose, eingeschlossen darin. Diese Form aufbrechen, "und manchmal fallen die Patienten kurz aus ihrer Depression und sehen sich neu".

Die Menschen mit ihren vielen verschiedenen Krankheitsbilder machen ihm keine Angst, "ich habe mich schon immer angezogen gefühlt von Menschen, die ein bisschen aus der Art fallen", sagt Jakubowski, der auch gerne Schauspieler geworden wäre, aber doch Priester wurde, weil "die Kirche das größte Theater der Welt ist, weil ich schon immer Gott zum Arbeitgeber haben wollte, er würde mich nie auf die Straße setzen, er ist für die Menschen da, nicht für den Amtsschimmel", schreibt er in einem der sieben Bücher, in denen seine Predigten in St. Raphael zu lesen sind. Bei seinen Predigten dabei sind der Esel und das blaue Schwein, mal ein alter Koffer, mal eine Mülltonne, "ich brauche ein Requisit, ohne geht es nicht". Mit seinem "Predigttheater" sollen Sehen, Hören, Riechen, die Sinne miteinbezogen werden, der Inhalt der Predigt versinnbildlicht werden.

Es ist auch ein bisschen Ausbrechen und Aufbrechen, entdecken, dass es viel zu entdecken gibt, es viele Sichtweisen gibt. "Ich versuche, die Institution Kirche zu vertreten, aber auch mit der Pappnase". Dieses Requisit hat er fast immer dabei, denn man muss lachen können. "Alles ist auch irgendwie eine Komödie", lacht er, deshalb auch die roten Schuhe und der Vogel auf der Schulter.

Wasserburger Zeitung

Quelle: rosenheim24.de

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