WS-Kennzeichen: "Wasserburger sind stolz"

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Leicht fiel es am 11. Mai den Studentinnen Nina Hesel (rechts) und Julia Kuhnigk, die Passanten in Wasserburg für die Umfrage der Hochschule Heilbronn zu motivieren - auch ein Indikator dafür, wie sehr die Bevölkerung das Thema interessiert.

Wasserburg - 76,2 Prozent der Wasserburger haben sich für die Wiedereinführung des WS-Autoschildes ausgesprochen. Das bestätigt, dass Kfz-Kennzeichen Identifikation stiften.

76,2 Prozent der Wasserburger, die an einer Umfrage der Hochschule Heilbronn zur Kfz-Kennzeichen-Liberalisierung teilgenommen hatten, haben sich nach Angaben von Professor Dr. Ralf Bochert für die Wiedereinführung des WS-Autoschildes ausgesprochen. Damit bestätigt sich, was der geistige Vater der Heilbronner Initiative auch bundesweit feststellt: "Kfz-Kennzeichen besitzen eine hohe identifikationstiftende Wirkung."

Lediglich 8,6 Prozent der befragten Stadteinwohner lehnen nach Informationen der Universität Heilbronn die Renaissance des alten Kennzeichens ab. Nur 15,2 Prozent der Wasserburger gaben bei der Umfrage an, keine Meinung zu den Liberalisierungsplänen zu haben - nach Einschätzung von Bochert auch ein Zeichen dafür, dass das Thema die breite Mehrheit der Bevölkerung anspricht und interessiert.

Auffällig ist auch in Wasserburg: Die junge Generation, die sich nicht mehr an die Gebietsreform im Jahr 1972 erinnert und die die seitdem langsam verschwundenen Kfz-Kennzeichen nur von Erzählungen der Eltern kennt, macht sich auffallend intensiv für die Wiederbelebung stark. Unter den 16- bis 30-Jährigen, die in Wasserburg um ihre Meinung gebeten wurden, stimmten sogar 87 Prozent für die Möglichkeit, das RO- gegen ein WS-Kennzeichen austauschen zu können. "Dieser Trend ist auch bundes- und bayernweit zu spüren", erläutert Bochert, "die junge Generation steht am intensivsten hinter der Wiedereinführung."

Ein Erklärungsansatz sei das zunehmende Bedürfnis der Jugend, die in einer globalisierten Welt aufwachse, nach regionaler Verankerung und Verortung - trotz internationaler Aufgeschlossenheit.

Die Verwurzelung ist in Wasserburg besonders ausgeprägt, stellt Bochert fest. 25.000 Bürger sind bundesweit befragt worden: 73 Prozent haben sich nach seinen Informationen für die Liberalisierung der Kfz-Kennzeichen entschieden. Wasserburg lag bei den Umfrageergebnissen ohne die sogenannte Altersglättung, die die statistisch erfassten Anteile der Altersgruppe in Deutschland berücksichtigt, sogar mit 77,3 Prozent Zustimmung der Stadtbewohner und 77,9 Prozent der befragten Einwohner aus dem Altlandkreis noch darüber.

"Im gesamten Umfeld des Projektes lässt sich in Wasserburg eine auffallende Sympathie für die Marketing-idee ausmachen, die auch in die Region wirkt. Offensichtlich ist die Stadt etwas Besonderes", stellt Bochert fest - eine Einschätzung, die er persönlich vor Ort miterlebt hat und auch die beiden Interviewerinnen, Studentinnen der internationalen Betriebswirtschaft, nach seinen Angaben teilen. Ihnen sei es außergewöhnlich leicht gefallen, die Passanten - 165 aus der Stadt, 86 aus dem Altlandkreis - für die anonyme Umfrage zu interessieren. Die Bereitschaft, an einer Befragung teilzunehmen, ist nach Erfahrungen von Bochert ein bedeutender Indikator für den Stellenwert eines Themas in der Bevölkerung.

"Die Wasserburger sind ein stolzes Volk", lautet der persönliche Eindruck von Bochert. Diese hohe Identifikation für die Heimatstadt gehe jedoch nicht, so auch eine bundesweite Erkenntnis der Umfragen, mit einer Ablehnung der Gebietsreformen und im Fall Wasserburg des Landkreissitzes Rosenheim einher. Lobend erwähnt Bochert deshalb auch die "moderate, aufgeschlossene Reaktion" des Landkreises auf die Tatsache, dass sich Wasserburg und auch Bad Aibling für eine Wiedereinführung der alten Kfz-Kennzeichen stark machen.

Über 100 Kommunen in Deutschland haben ihren Wunsch nach Wiederbelebung bereits dokumentiert, berichtet Bochert. "Es wäre eine kleine, nette politische Geste, wenn die Politik diesen Liberalisierungswünschen, die auf einem klaren Bürgerwillen basieren, nachkommen würde", findet er. Derzeit bereitet nach seinen Informationen eine Arbeitsgruppe im Auftrag des Bundesverkehrsministeriums einen Vorschlag für eine Änderung vor.

Ziel sei es, die Liberalisierung zur Ländersache zu erklären. Dann könnte jedes Bundesland entscheiden, ob sie diese zulassen wolle oder nicht. Bis es soweit sei, werde jedoch wohl noch mindestens ein Jahr vergehen. Als Modell komme das Konzept des Wunschkennzeichens in Frage: Jeder Halter eines Autos in Wasserburg könnte bei der Zulassung individuell entscheiden, ob er statt mit RO mit WS fahren möchte.

Bochert sieht in der Wiedereinführung nicht nur die Möglichkeit, das Wir-Gefühl in einer Kommune wie Wasserburg weiter zu stärken, sondern auch ein "effektives, kostenloses Marketinginstrument für die Stadt", dem auch eine wichtige Bedeutung im Tourismus zukomme. Das Auto sei bekanntlich ein bedeutendes Kulturobjekt und eigne sich sehr gut als symbolträchtiges Trägermedium. Denn: "Das Kfz-Schild nimmt jeder wahr."

duc/Wasserburger Zeitung

Quelle: rosenheim24.de

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