WS21, der Kampf um den Biergarten

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Die Ratschkathl (Fini Paul), Bürgermeisterin des Rotlichtbezirks Hofstatt, nahm beim Politischen Aschermittwoch in Reitmehring kein Blatt vor den Mund.

Wasserburg - Kommunalpolitiker, Feuerwehr, ja sogar die Stiftung Attl bekamen beim Politischen Aschermittwoch im Reitmehringer Schützenheim ihr Fett weg, die Ratschkathl teilte in alle Richtungen aus.

Die erste Breitseite kassierten die Münchner, die immer alles nachmachten: "Die haben jetzt eine "Barnabine" - aber I bin scheener!", verkündete die Ratschkathl, auch bekannt als Fini Paul, selbstbewusst.

Nicht einverstanden war die Ratschkathl mit der Gestaltung des Fellner-Kreisels. Der Kreiselkunstbeauftragte Werner Gartner und sein Nachbar Hans Köck beantragen in einer großen Koalition einen Brunnen. "Und was is worn? Umgfallne Hopfastanga."

Aber vielleicht sollte ja allein die SPD für Kultur zuständig werden? Auffällig fand die Ratschkathl jedenfalls, dass alle vier deutschen Inn-Salzach-Städte, die sich um den Welterbetitel bewerben, SPD-Bürgermeister haben. "Hom's de andern ned gfrogt oder kenna nur die Roadn den grünen Inn bändigen?"

Was Stuttgart kann, kann Wasserburg schon lange, nur heißt es dann hier "WS21" und der zähe Kampf geht um den Fletzinger-Biergarten. Die Ratschkathl suchte Verbündete, wurde bei Baumschützer Stenger fündig. "Bäda, mogst Di ned an' Baam kettn?" Der antwortete mit Kopfnicken.

Was ihn nicht vor dem Spott der Fastenrednerin schützte. In 21 Jahren im Stadtrat habe Stenger sich nie diskriminiert gefühlt, wusste die Ratschkathl, aber jetzt sei es so weit. Der papierlose Stadtrat hat Einzug gehalten, das "RIIIIS" erledigt alles elektronisch. Selbst die Fischer Elisabeth habe sich daraufhin zum Kauf eines Computers überreden lassen, gleich auch noch den CSU-Fraktionsvorsitz übernommen. Nur der sparsame Stenger Peter bekomme die Einladung noch per Post. Dafür weniger Sitzungsgeld als die anderen 23 Stadträte, denn "koa Internet, koane Mäuse ned".

Einen schon in der Kindheit verwurzelten Hang zum Gesundheitswesen bescheinigte die Ratschkathl "da Kigal-Tante" Edith Stürmlinger. Schon als Achtjährige baute die ein Bienenkrankenhaus. Das hatte, wie die Ratschkathl veriet, nicht genug Patienten - was die Fliegenklatsche änderte.

Ganz ökologisch korrekt sei künftig "der Budschi", der Dr.Budenhofer, unterwegs. "Probleme gibt's nur, wenn der Budschi 2050 den Schmid Wolfi und seinen Blindenhund mit dem E-Porsche auf dem Weg in die Stadtratssitzung anfährt."

Heilige Kühe? Fehlanzeige, die Ratschkathl und ihr Autor Sepp Baumann machten auch vor Feuerwehr und Polizei nicht halt. Die Wasserburger Floriansjünger schmollen: "Wenn's keine Umsonst-ins-Badria-und-die-Sauna-Bons für uns und unsere Mädels mehr gibt, dann könnt's die Feuerwehr vergessen, dann geht das Gewicht nicht runter", hätten die gedroht. Und "a Preiss" bei der Integrierten Leitstelle hatte für reichlich Wallung gesorgt: Er verstand die bayerische Ansage eines Feuerwehrlers, man brauche einen Krankenwagen, denn einem Kollegen bei Meggle sei's ins Kreuz geschossen, nicht. Die höchst alarmierte Polizei rückte auf der Suche nach einem bewaffneten Täter an, weil ja einem Mann in den Rücken geschossen wurde.

Durcheinandergewürfelte Präpositionen können schon für leichte Verwirrung am Frühstückstisch sorgen. "Da les' ich in der Wasserburger Zeitung' Einbruch in Gewerbesteuer' und denk mir no 'Auf alles muas ma heutzutage aufpassn, aber wer bricht denn scho in a Steuer ein?', dabei hod da bloß oana ned aufpasst."

Ned aufpasst hat auch die Stiftung Attl, die für die Bio-Hühner eine automatische "Henna-Auslauf-Klappe" baute, denn "die Bio-Henna brauchen a Motiffation, bevor's a Bio-Oa legn." Dummerweise habe man die halbjährliche Zeitumstellung bei der Programmierung vergessen, "des Informationsdefizit zwischen Stiftung und Henna hod der Fuchs schnell gspannt und sich an Bio-Schmaus gholt."

Dafür, dass die Ratschkathl die Bürgermeisterin von der Hofstatt ist, kennt sie sich auch im Reitmehringer Vereinsleben gut aus, mischt sich in die Vorstandsfindung ein. Der Huber Schorsch von den Gartlern hätte doch gleich gesagt, dass er das nur kurz mache und nun fänd sich kein Nachfolger. Vielleicht könnten ja die Reitmehringer Stadträte jährlich im Wechsel... "oder der Wolfi (Schmid), dem gehn doch wegen dem KT eh bald d'Vedrana aus." Im Gegensatz zum MKAV, dem Michael-Kölbl-Anbetungs-Verein, der reichlich treue Mitglieder und zu geändertem Verhalten im Rathaus geführt habe: "Da derfst ned meckern, da musst schleimmen."

syl/Wasserburger Zeitung

Quelle: rosenheim24.de

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