Zauber der Attler "Bude"

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Barrieren überwinden, Erlebnis und Gemütlichkeit: Beim "Budenzauber", zuletzt mit Pete Gavin, eine Selbstverständlichkeit. Fotos Rothmaier

Wasserburg (WZ) - Wenn in der Stiftung Attl der "Budenzauber" abgeht, freuen sich nicht nur die Bewohner der Behinderteneinrichtung.

Das breite Publikum ist seit einiger Zeit ebenfalls eingeladen zu diesen Live-Konzerten, Überraschungs-Faktor inklusive.

Der Melonenhut und die tiefgezogene Brille dominieren sein Profil. "Wir hatten hier schon alles, von Reggae bis Volksmusik, von Punk bis Blues", schwärmt er: Benedikt "Ben" Leinenbach ist eine sympathische Erscheinung, eine Mischung aus ansprechender Höflichkeit, der Geschäftigkeit des besorgten Organisators und einfach dem Ausdruck "ich habe alles im Griff". Ben ist nicht nur ein Mitarbeiter der Stiftung Attl, Ben ist auch der Vater des "Budenzaubers", eines wöchentlich in der Stiftung stattfindenden Spektakels, einmal Disco, dann wieder Konzert für die Öffentlichkeit, aber immer mit und für alle Bewohner der Einrichtung.

"Budenzauber": Es war seine Idee. Alles begann im Januar 2003. Damals leitete Ben einen Singkreis in der Stiftung. Alles war ganz nett, "doch die Leute wollten mehr, wollten sich bewegen", wie Ben sich erinnert. Es setzte eine Dynamik ein, es wurden Konzerte organisiert und der Budenzauber war geboren.

Warum eigentlich Budenzauber? "Ganz einfach. Früher wohnte ich mit meinem Spezl in einer WG. Der hat immer Kerzen angezündet und dazu eine gscheite Musik angemacht. Dann war für ihn Budenzauber. Gscheite Musik haben wir jetzt auch hier. Deshalb: Budenzauber.

Zwischenzeitlich hat sich die Veranstaltung mehr als etabliert. Nicht nur in der Stiftung, sondern auch beim externen Publikum. Rund ein Viertel der Besucher sind Nichtbehinderte. Es reizt einfach die Qualität der Gruppen oder Künstler, wie man unter den Besuchern hört.

Unverkennbar: Ben Leinenbach.

Und die Künstler geben sich augenscheinlich auch die Türklinke in die Hand. "Es läuft einfach rund. Ich habe für 2010 bereits alle Veranstaltungstermine an Bands und Gruppen vergeben, nichts ist mehr frei", schmunzelt Ben. Teilweise kommen sie selbst auf ihn zu, oder sie werden vermittelt. Und ihr Engagement ist meist für ein Butterbrot. Die Mehrzahl fordert keine Gage, "oder nur ganz wenig. Die haben ein Herz für unsere Leute", so Leinenbach.

Gott sei Dank, denn die Veranstaltung finanziert sich nicht von selbst. Dass bei einem Eintritt von lediglich einem Euro keine großen Sprünge drin sind, das ist selbstverständlich. "Drum verkauft mein Team auch noch Brezn und Getränke. Das spült dann schon noch was rein", so Ben.

Das Team - das scheint wirklich schon fast perfekt. Behinderte kassieren, verkaufen und räumen Stühle zusammen, bauen die Bühne auf und kontrollieren: Alles läuft wie am Schnürchen - und es geht genau. Sogar der Berichterstatter wird rotz ordnungsgemäß entrichtetem Eintrittsgeld beim Einlass angesprochen: "Was, Sie sind von der Presse? Dann Presseausweis bitte...!"

An diesem Abend steht Pete Gavin auf dem Programm, eine Größe des Blues. Seine beiden Gitarren und die Mundharmonika blitzen im behaglich-gelben Scheinwerferlicht vor der provisorischen Bühne mit dem schwarzen Tuch-Hintergrund. Zügig füllt sich der improvisierte Konzertsaal, das Stübchen der Kantine. Erwartungsgeladene Spannung macht sich breit. Kurz werden noch freundschaftliche Gesten oder die ein oder andere Nachricht auf ganz individuelle Art ausgetauscht, Berührungsängste gibt es nicht. Und dann geht es los. "Guten Abend, hallo, it's a Blues".

In den nächsten eineinhalb Stunden trifft Pete Gavin genau den Geschmack der Zuhörer, Barrieren werden gebrochen. Es ist sicherlich nicht nur die Musik, die einschlägt. Sondern auch das Gefühl der Bewohner, raus zu kommen, zum normalen Leben zu gehören. Es ist einfach der "Budenzauber", ohne den in der Stiftung Attl zwischenzeitlich ein Stück Leben fehlen würde.

Informationen zu den nächsten Veranstaltungen unter www.stiftung.attl.de.

Thomas Rothmaier (Wasserburger Zeitung)

Quelle: rosenheim24.de

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