Zentraler Standort macht Punkte

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Rott - Es wird immer wahrscheinlicher, dass der neue Rotter Kindergarten auf dem zentralen Grundstück hinter dem Feuerwehrhaus entsteht. In einer teils emotionalen Diskussion im Gemeinderat zeichnete sich dafür eine Mehrheit ab.

Im Rotter Gemeinderat wird seit den letzten Wahlen teilweise mit harten Bandagen gekämpft. Und nicht immer geht es dabei sachlich zu. So war auch die Kindergartenfrage in den letzten Monaten Anlass für heftige Kontroversen. Mittenhinein platzte die CSU bei der vorletzten Sitzung mit einer Überraschung: Man habe eine anonyme 120.000 Euro-Spende an Land gezogen. Somit könne das Wunschgründstück nun gekauft werden, das bisher um diesen Betrag zu teuer war.

Doch ganz so einfach war das für Bürgermeister Marinus Schaber und einige Gemeinderäte außerhalb der CSU-Fraktion nicht. Schaber dämpfte angesichts der Roter Kassenlage zum einen die Euphorie, nun könne kurzfristig mit dem Kindergartenbau begonnen werden. Zum anderen ändere die Spende nichts dran, dass der Preis deutlich über dem liege, was der sogenannte Gutachterausschuss für Grundstücke in Rott festgelegt habe. Man müsse realisieren, dass man sich damit eventuell an der Preistreiberei auf dem Immobilienmarkt beteilige. Außerdem sei die Erschließung nicht ganz so einfach wie von der CSU dargestellt.

Schließlich verlas Schaber auch ein zweiseitiges Schreiben eines Grundstücknachbarn, der sich mit allen möglichen Argumenten gegen einen Kindergarten in seiner Nachbarschaft verwahrte und rechtliche Schritte - in letzter Konsequenz auch gegen die "störende" Feuerwehr - androhte.

Franz Ametsbichler (CSU), einer der Initiatoren des neuen Vorschlages, war über die se Einwände des Bürgermeisters "total enttäuscht: Wir waren uns doch einig, dass das der beste Platz ist." Auch den Vorwurf der Preistreiberei wollte er nicht auf sich sitzen lassen. Die habe es wenn dann beim Kauf des Feuerwehr-Grundstückes vor gut 20 Jahren gegeben, für das seinerzeit 400 Mark pro Quadratmeter gezahlt wurde: "Nur ich hab dagegen gestimmt."

Im weiteren Verlauf der Diskussion gab es dann eine deutliche Annäherung. So versicherte Schaber, dass er durchaus bereit sei, für dieses Grundstück "gewisse Mehrkosten" zu akzeptieren. Allerdings müsse man sorgfältig alle Probleme klären vor einer Entscheidung.

So sollen die Ortsplanungs-Fachleute eine Stellungnahme abgeben. Und es soll ein Lärmgutachten geben. "In acht bis zehn Wochen können wir fundiert entscheiden", so der Bürgermeister.

In eine ähnliche Richtung gingen auch die Argumente der anderen Fraktionen. Josef Riedl (Bürger für Rott) forderte aus Feuerwehrsicht, dass bei Einsätzen Kinder und Feuerwehrler nicht aneinander geraten. Andere verwiesen auf noch ungeklärte Detailfragen. Tenor war jedoch, dass hier wohl der Kindergarten ideal situiert wäre. Dies hatte zuvor CSU-Fraktionssprecher Hans Senega neben der Zentralität auch mit der Nachabrschaft von Schule, katholischemKindergarten und der Feuerwehr begründet. Hier sei eventuell ein energetischer Verbund denkbar. Außerdem bleibe von dem 3000 Quadratmeter genügend Fläche übrig für den späteren Bau einer Mensa für alle Einrichtungen.

Nur Dr. Jürgen Hüther (SPD) ließ mehr mehr Kritik anklingen. Dass der Gemeinderat zeitlich unter Druck gesetzt werde, sei nicht zu akzeptieren. Und: "Für diesen Preis hätten wir das Grundstück immer haben können, wollten es aber so teuer nicht", erinnerte er an eine Grundsatzentscheidung des früheren Gemeinderates.

Schließlich gab es eine Eingung über das weitere Vorgehen. In den nächsten Wochen sollen andere Kindergärten besichtigt, dann ein Architekt ausgewählt werden. Wenn die Stellungnahme zur Ortsentwicklung vorliegt, soll der Gemeinderat über den Standort entscheiden, also noch vor der Sommerpause.

Eventuellen Klagen sahen alle Gemeinderäte entspannt entgegen. Man kenne den Nachbarn ja bereits als notorischen Kritiker und Androher von Sanktionen. Häufig sei dies aber nicht wahrgemacht worden.

Preise

Noch ist viel geheim, nicht nur der generöse Spender für den Rotter Kindergarten. Doch dem Vernehmen nach soll der Preis für das 3100 Quadratmeter große Grundstück 520.000 Euro betragen. Dieser Preis war schon vor drei Jahren genannt und im Gemeinderat als zu hoch befunden worden. Er soll rund 40 Prozent über dem Preisgutachten liegen. Die Erschließung ist wohl nur über die Münchener Straße sinnvoll möglich. Gegen alle anderen von der CSU genannten Varianten sprechen laut Gemeindeverwaltung Platz- oder Nachbarprobleme. Mit dieser Erschließung könnten auch die dahinter liegenden Flächen zu Bauland werden.

Kinderzahlen

Wieviele Rotter Kinder in den nächsten Jahren ins Kindergartenalter kommen, hat die Gemeindeverwaltung untersucht. Demnach gehen die Zahlen ab 2012 zurück. Heuer konnten acht Kinder unter drei Jahren nicht aufgenommen werden. Nächstes Jahr könnten es ein paar mehr werden. Dann aber müssten die Plätze reichen. Mehr Bedarf dürfte es im Krippenalter geben. So wird der neue Kindergarten wohl zwei Regel- und eine Krippengruppe bekommen. Dann könnten die beiden provisorischen Gruppen des Gemeindekindergartens aufgelöst werden. Die seien bis 2012 durchaus noch genehmigungsfähig, versicherte der Bürgermeister.

koe/Wasserburger Zeitung

Quelle: rosenheim24.de

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