Zeugen nur bedingt einig

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Wasserburg - Dass die beiden jungen Männer sich prügelten, da waren sich alle einig. Wie die Schlägerei verlief, da gab es sehr unterschiedliche Zeugenaussagen. Und deswegen für den Angeklagten ein mildes Urteil.

Zwei Varianten über den Tathergang einer Auseinandersetzung vor dem Stechl-Keller in Wasserburg und unterschiedliche Wahrnehmungen der Zeugen haben in den entscheidenden Punkten doch Übereinstimmungen ergeben und zu der Verurteilung eines 25-jährigen Molkereifacharbeiters aus dem Umkreis geführt.

Er musste sich vor dem Amtsgericht wegen vorsätzlicher Körperverletzung verantworten und das, obwohl er sich, nach eigener Aussage, niemals was zu Schulden habe kommen lassen, er es bisher noch nicht einmal auf eine "Rote Karte" gebracht habe und der Aggressor davon komme. Dabei stehe für ihn besonders viel auf dem Spiel, da sein beruflicher Werdegang erheblich vom Strafmaß und einer Verurteilung abhängig sei.

Laut Staatsanwaltschaft soll es im Dezember des vergangenen Jahres vor dem Stechl-Keller zu einer Auseinandersetzung zwischen dem Molkereifacharbeiter und einem 22-Jährigen aus dem Raum Wasserburg gekommen sein, wobei letzterer mehrere Verletzungen davongetragen und einen Zahn verloren hatte.

Während alle Zeugen bei den Aussagen über die Auseinandersetzung weitgehend übereinstimmten, gab es über den Verlauf der Schlägerei zwei Varianten. Laut Aussage der Zeugen habe eine Meinungsverschiedenheit zwischen den beiden jungen Männern stattgefunden, die aber keiner genauer beobachtet hatte.

Ein Zeuge gab zu Protokoll, dass es zu dieser Schlägerei gekommen sei, wie es immer zu Schlägereien komme. Da seien ein paar Bierchen im Spiel gewesen, es sei "ein bisschen provoziert und ein bisschen nicht nachgegeben" worden.

Der Angeklagte gab an vom Geschädigten provoziert worden zu sein und zurückgeschlagen zu haben. Er räumte ein, den Geschädigten dabei mit der Faust so getroffen zu haben, dass dieser deshalb möglicherweise zu Boden ging. Der Geschädigte hätte aber auch durch die Wucht seines Anlaufs zu Boden gehen können. Jedenfalls habe es von seiner Seite aus keine weiteren Tätlichkeiten gegeben.

Dies bestätigten auch einige Zeugen weitestgehend, wobei von Tritten auf das Opfer berichtet wurde, zum Täter aber keine genauen Angaben gemacht werden konnten. Dem gegenüber standen Zeugenaussagen, die Tritte des Angeklagten gegen das Opfer beobachtet haben wollten.

Die Staatsanwaltschaft sah den Sachverhalt nach der Beweisaufnahme für erwiesen und beantragte aufgrund der erheblichen Verletzungen des Geschädigten eine Bewährungsstrafe von acht Monaten, ausgesetzt auf drei Jahre zur Bewährung. Die Verteidigung forderte aufgrund der unterschiedlichen Zeugenaussagen "Im Zweifel für den Angeklagten" einen Freispruch.

Das Gericht sah den Tathergang als erwiesen. Dabei sei es natürlich, dass die Zeugenaussagen im Detail abwichen, hieß es in der Urteilsbegründung, weil Körperverletzungen naturgemäß unterschiedlich wahrgenommen würden. Die Art der Verletzungen spreche jedoch dafür, dass der Geschädigte durch Tritte verletzt worden sei. Um Zähne aus dem Unterkiefer zu schlagen brauche es eine enorme Wucht. Mit der Faust würden meist Zähne aus dem Oberkiefer ausgeschlagen.

Da der Angeklagte bisher noch nie mit dem Gesetz in Konflikt geraten sei, hielt das Gericht eine Geldstrafe von 80 Tagessätzen zu je 40 Euro für tat- und schuldangemessen. Damit kam der Angeklagte mit einem blauen Auge davon und seinem angestrebten Berufswunsch steht nichts mehr im Weg, denn erst ab 90 Tagessätzen gilt man als vorbestraft.

ca/Wasserburger Zeitung

Quelle: rosenheim24.de

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