Im Zweifel einfach zupacken

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Als Erstes am Unfallort: Einfach zupacken, verkehrt machen können Ersthelfer nicht viel, sagen die Profis. Und wenn die dann da sind, können Ersthelfer ihnen auch noch helfen, zum Beispiel Infusionsflaschen halten.

Wasserburg - Einfach zupacken, wenn es vor einem geknallt hat. Und das, obwohl der Erste-Hilfe-Kurs womöglich schon Jahrzehnte zurückliegt. Oder doch wegschauen und vorbeifahren?

Zupacken - sagen die professionellen Retter.Es ist vermutlich der Alptraum der meisten Autofahrer: Als Erster am Unfallort zu sein, einem Verletzten Erste Hilfe leisten zu müssen. Das letzte Mal, dass man stabile Seitenlage oder Druckverband übte, ist Jahre her. Und verkehrt machen will man ja gerade in der Situation auch nichts. "Verkehrt macht nur der was, der nichts macht", stellt Andreas Ostermaier vom BRK in Wasserburg trocken fest.

Offensichtlich sieht er das nicht alleine so: Es sei selten, dass nicht zugepackt werde, hat Ostermaier festgestellt. Die Hilfsbereitschaft sei schon da, sagt auch Anja Vierthaler von den Wasserburger Johannitern. Es gebe glücklicherweise genug Leute, die zupackten, manchmal scheitere die Hilfe allerdings daran, dass die potenziellen Helfer unter Schock stünden, hat Thomas Rothmaier von der Feuerwehr Wasserburg festgestellt.

Gaffer, in den Städten oft ein Hindernis für die Helfer, sind in der ländlich strukturierten Region Wasserburg kein Problem. "Die gehen höchstens mal im Weg um", so Ostermaier. "Und wenn ein Umstehender zum Beispiel eine Infusionsflasche hingehalten bekommt, greift er immer zu", so Rothmaier.

Das größeren Problem sind laut Ostermaier eigentlich eher die Autofahrer, denen es pressiert und die sich durch die frische Unfallstelle drängeln - bevor Polizei und/oder Feuerwehr die Straße dicht machen. "Das ist für alle Beteiligten gefährlich".

Sowohl Anja Vierthaler als auch Andreas Ostermaier haben festgestellt, dass vor allem Angehörige des Verunglückten oft beherzt zupacken und das meist auch sehr gut. Insgesamt sei die Erste Hilfe natürlich mal besser, mal schlechter, je nach Temperament und Vorbildung der Helfer. "Oft werden wir, wenn die kritische Situation im Griff ist, von den Ersthelfern gefragt, ob die Hilfe richtig war. Und ob sie bei uns einen Kurs machen können", erzählt Anja Vierthaler. Die bieten sowohl die Johanniter als auch das Rote Kreuz regelmäßig an, "die Leute sollten sich schon Gedanken machen, ob nicht einmal eine Auffrischung nötig wäre", findet Ostermaier.

Die machen die Beamten der Wasserburger Polizeiinspektion zwar alljährlich, brauchen sie aber so gut wie nie. "Die Wasserburger Rettungsdienste sind so schnell, dass sie immer vor uns am Unfallort sind", lobt Inspektionsleiter Manfred Brandt.

Bei Verkehrsunfällen kein Problem, "aber 90 Prozent aller Notfälle ereignen sich im Haushalt", so Ostermaier. Und da ist für Johanniter oder BRK zwar der Anmarsch einfach, die Suche nach Hausnummern aber könne ausarten, sind sich Anja Vierthaler und Andreas Ostermaier einig. "Licht anmachen oder eine Person auf der Straße würden uns da oft sehr helfen", so Ostermaier. Das funktioniere auf dem Land besser, so die Erfahrung von Anja Vierthaler und ihren Kollegen.

Die Profi-Helfer haben für die Ersthelfer am Unfallort aber nicht nur lobende Worte parat, das BRK bietet auch Hilfe an: "Wenn ein Ersthelfer von den Ereignissen am Unfallort sehr betroffen ist, dann können wir Notfall-Seelsorge organisieren - wenn gewünscht."

Sylvia Hampel (Wasserburger Zeitung)

Quelle: rosenheim24.de

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