Im Zweifelsfalle für den Angeklagten

Wasserburg - In der Ehre gekränkt fühlte sich wohl ein 27-jähriger BMW-Fahrer, als ihn eine junge Frau im Corsa überholte. Und dann gestikulierte im Vorbeifahren der Beifahrer auch noch.

In seiner Ehre gekränkt fühlte sich wohl ein 27-jähriger BMW-Fahrer aus Wasserburg. Er war im März dieses Jahres vom Gewerbegebiet in Staudham auf die B304 in Richtung Wasserburg abgebogen und beabsichtigte gerade zu beschleunigen, als ein Opel Corsa, der hinter ihm abgebogen war, zum Überholen ansetzte. Dies löste Unverständnis bei dem BMW-Fahrer aus, weil er, nach eigener Ansicht, nicht wie ein Sonntagsfahrer aussehe und auf dieser Strecke auch noch nie überholt worden sei.

Außerdem habe er abbremsen müssen, um den Corsa vor dem Gegenverkehr einscheren zu lassen. Im Spiegel habe er dann zufällig beobachtet, wie ihm der Beifahrer, ein 21-jähriger Bad Tölzer, bei geöffnetem Seitenfenster, mit einer unmissverständlichen Geste den Stinkefinger gezeigt habe, ehe der Corsa vor ihm eingeschert sei.

Nun musste sich der 21-jährige Steinmetz vor dem Amtsgericht Wasserburg wegen Beleidigung verantworten. Allerdings bestritt der Angeklagte den Tatvorwurf vehement. Laut seiner Aussage habe die Lenkerin des Opels den BMW-Fahrer kurz angehupt, weil dieser nicht losgefahren sei. Nach dem Ende der Geschwindigkeitsbegrenzung auf 60 Kilometer pro Stunde habe sie zum Überholen angesetzt und den Überholvorgang vor dem Überholverbot wieder abgeschlossen gehabt. Während dessen habe er sich mit seiner Freundin gestenreich unterhalten. Das könne der BMW-Fahrer vielleicht falsch gedeutet haben.

Die Fahrerin des Opels bestätigte diese Aussage und betonte, dass es sich dabei um einen sicheren Überholvorgang ohne Gegenverkehr gehandelt habe. Ihrer Ansicht nach habe der BMW-Fahrer absichtlich beschleunigt und im Auto selbst wild gestikuliert.

Die Staatsanwaltschaft sah den Sachverhalt bestätigt und hielt den Zeugen für glaubwürdig. Aufgrund der erheblichen Vorstrafen des Angeklagten sprach sie sich gegen eine Einstellung des Verfahrens aus und beantragte eine Geldstrafe von 25 Tagessätzen zu je 40 Euro. Die Verteidigung meldete erhebliche Zweifel an der Aussage des Geschädigten und plädierte auf Freispruch. Ihrer Meinung nach habe sich der BMW-Fahrer in seiner Ehre gekränkt gefühlt, weil ihn ein Opel Corsa überholt habe.

Die Richterin sprach den Angeklagten frei und betonte in der Urteilsbegründung, dass sie sich gut vorstellen könne, dass der Angeklagte diese Geste gemacht habe, jedoch stehe hier Aussage gegen Aussage. Weder der Angeklagte, noch die Zeugen seien zu hundert Prozent überzeugend und auch nicht frei von Be- und Entlastungseifer gewesen. Da nicht mehr konkret festgestellt werden könne, was passiert sei, müsse zu Gunsten des Angeklagten entschieden werden.

ca/Wasserburger Zeitung

Quelle: rosenheim24.de

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