185 Zwergerl haben Anspruch auf Platz

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Wasserburg - 185 kleine Wasserburger hätten ab August kommenden Jahres einen Rechtsanspruch auf einen Platz in der Kinderkrippe. Dafür reichen die vorhandenen Plätze bei weitem nicht.

Viele Kommunen gehen davon aus, dass der Bedarf mit einer Abdeckung von 35 Prozent erfüllt sein wird. Diese Zahl basiert auf einer Umfrage von 2004, als von 1000 befragten Eltern 350 angaben, einen Krippenplatz zu wollen. Der deutsche Städte- und Gemeindebund und der Vorsitzende des Bayerischen Städtetages gehen hingegen davon aus, dass die Nachfrage bei mehr als 60 Prozent liegen werde. Der Städtebund befürchtet, dass auf kommunaler Ebene tausende Prozesse verloren werden, wenn der Staat nicht von seiner Garantie abrückt.

Die Landtagsfraktion der SPD hatte kürzlich erfreut festgestellt, sozialdemokratisch geführte Städte und Landkreise würden bei der bisherigen Versorgung die Plätze eins bis drei belegen. In Coburg sind es 63,9, in Passau 59,7, in München 54 Prozent. Was Wasserburg betrifft, können sich weder Landtags- noch Orts-SPD mit entsprechenden Zahlen schmücken. Nach zehn Jahren mit einem sozialdemokratischen Bürgermeister und der SPD als größter Stadtratsfraktion bietet die Stadt in Reitmehring und der Burgau Krippenplätze für 24 Kinder an. Das sind gerade einmal 13 Prozent. Dazu kommen derzeit elf im privaten "Gänseblümchen" und 14 in der kirchlichen Kita St.Konrad/St.Jakob im Burgerfeld. Macht derzeit insgesamt 49 Plätze oder 26,5 Prozent. Dazu kommen sowohl im Montessori-Kindergarten als auch in den städtischen Kindergärten immer wieder ein paar knapp Dreijährige unter. Alles in allem immer noch unter den bei Kommunen so populären 35 Prozent, das wären in Wasserburg 65 Plätze, und weit weg von den vom Städtebund angenommenen 60 Prozent (111).

Räume zu finden wäre gar nicht so sehr das Problem, sagt Peter Reinthaler, der zuständige Mitarbeiter der Stadtverwaltung. Da könnte höchsten der Umbau teuer werden - wie in der Burgau, wo die Einrichtung der Krippengruppe laut Kämmerei stolze 75000 Euro ohne Außenanlagen kostete. Die heftigen baulichen Auflagen machen auch die Einrichtung einer "gemischten" Gruppe aus zweijährigen Kita-Zwergerln und den jüngsten Kindergartenkindern schwierig, obwohl sich das bei der Zahl der Anmeldungen zum Beispiel in Reitmehring anböte. "Da hätten wir dann wieder extreme und teure Brandschutzhürden zu nehmen", so Reinthaler, der darüber sauer ist: "Der Staat verspricht den Eltern die Plätze und wirft uns, den Kommunen, dann ständig Knüppel zwischen die Beine."

Das viel größere Problem ist ein anderes: Das Personal. Beziehungsweise: Das nicht vorhandene Personal. "Wir haben jetzt, nach Ausfällen (unter anderem wegen Schwangerschaft; Anmerkung der Redaktion), schon ganz massive Schwierigkeiten." Es gibt einfach nicht genug Erzieherinnen und Kinderpflegerinnen - es sind schöne Berufe mit schlechter Bezahlung. Und dann plant der Staat auch noch, den Schlüssel von einer Erzieherin und einer Kinderpflegerin für ein dutzend Zwergerl zu senken, es wäre also wieder mehr Personal nötig - "und das kriegen wir nicht".

Die Stadt kann nur hoffen, dass das Sozialministerium recht hat, wenn es schreibt, der Bedarf im ländlichen Raum sei deutlich weniger als in der Großstadt und deswegen hätten die von der Landtags-SPD gefeierten Quoten nur begrenzte Aussagekraft. Denn wenn am 1.August 2013 52 Wasserburger Eltern für ihren ein- bis dreijährigen Nachwuchs Bedarf anmelden, "dann gibt es Riesenprobleme", befürchtet Reinthaler.

Wasserburger Zeitung

Quelle: rosenheim24.de

Rubriklistenbild: © dpa

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