Marienplatz 15: Vorwürfe gegen Sanierung

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Vorher/nachher: Die Veränderungen am Dach des Marienplatzes 15 (Bildmitte) sind vor allem vom Kellerbergweg oder der Schönen Aussicht deutlich zu sehen.

Wasserburg - Zu hoch, schwarz gebaut, Brücken mit Einblick und lichtraubende Balkons. Immer wieder werden bei der Sanierung des Marienplatzes 15 öffentlich Vorwürfe erhoben:

Vor allem, aber nicht nur, von den Nachbarn. Umbau und Sanierung des Marienplatzes 15 sind immer wieder Thema. Stadträtin Friederike Kayser-Büker äußerte in einer Stadtratsitzung Zweifel an der Höhenentwicklung. Dass das wirklich nur die im Bauantrag erwähnten 1,40 Meter seien, könne sie kaum glauben. Und auch die zusätzlichen 40 Zentimeter, die aus statischen Gründen zum Teil dazu kamen - dafür wurde das Dach an anderen stellen 20 Zentimeter tiefer, als geplant - und die Erhöhung auf 1,80 Meter wachsen ließen, machten für sie den optischen Unterschied nicht aus. "Das sieht nach deutlich mehr aus, das hätte ich mir so nicht vorgestellt", so die Stadträtin. Ihre Lehre für sich: Öfter ein Modell oder ein Schnurgerüst einfordern.

Immer wieder heißt es, bei der Aufstockung handele es sich um einen Schwarzbau. Stimmt nicht, sind sich Bürgermeister und Landratsamt einig: Schon im ursprünglichen Bauantrag vom Frühjahr 2010 war eine Erhöhng des Gebäudes um 1,40 Meter beantragt und auch genehmigt worden. Michael Kölbl wird von Hans Philipp, Eigentümer des Marienplatzes13, in einem Schreiben mit den Worten zitiert "... so a sanktionierter Schwarzbau is do a schee, oder?" Was Kölbl verblüfft, denn "ich habe nie mit Herrn Philipp über die Sache geredet."

Während der Bauarbeiten habe sich herausgestellt, dass ein Ringanker benötigt werde, der eine stellenweise Erhöhung um weiter 40 Zentimeter bedingte. Er wurde eingebaut und erst danach die Tektur beim Landratsamt eingereicht. "Die Gründe waren nachvollziehbar, also haben wir das genehmigt", so Michael Fischer, Sprecher des Landratsamtes. Das Landratsamt ist die baugenehmigende Behörde, nicht die Stadtverwaltung.

Probleme gab und gibt es vor allem mit dem linken Nachbarn. Phillipp, selber Architekt, ärgert sich vor allem über den Umgang mit den Nachbarn. "Ich bin entsetzt, dass man überhaupt nicht gefragt wird". Da werde die Baustelle über Monate vor seinem Haus eingerichtet, aber nicht einmal werde sauber gemacht; bei der zusätzlichen Erhöhung werde man vor vollendete Tatsachen gestellt und erst im Nachhinein werde eine Tektur eingereicht; auf der Kommunwand werde einfach gebaut. Die "mindestens zwei Meter" mehr Höhe brächten natürlich "jede Menge zusätzliche Verkaufsfläche." Er glaube bei diesem Bau nichts mehr, zumal ihm Alois Juraschek von der Unteren Denkmalschutzbehörde im Landratsamt Ende Februar gesagt habe, dass schon in der Bestandsplandarstellung falsche Höhen eingetragen seien.

Wie in der Wasserburger Altstadt häufiger anzutreffen, teilt sich das Haus Marienplatz15 mit den Häusern Marienplatz13 und Zirnweg1 eine Wand, die alle drei Häuser trägt. Der Umgang mit einer solchen "Kommunwand" ist laut Dr.Matthias Schmid, Fachanwalt für Bau- und Architektenrecht, im Paragraph 921 BGB geregelt: Eine Kommunwand gehört den Beteiligten gemeinsam, darf als auch nur gemeinsam genutzt werden - zumindest aber nur nach Absprache. Die habe, da sind sich Hans Philipp und Rainer Teichmann, Besitzer des Hauses am Zirnweg, einig, nie stattgefunden. Etwas dagegen zu unternehmen ist laut Fachanwalt schwierig, es sei denn, der Nachbar habe einen nachweisbaren Schaden, eine Beeinträchtigung erlitten. Auf den Schäden bleibe man doch ohnehin sitzen, vermutet Phillipp, "denn dann ist die GmbH aufgelöst".

Teichmann fehlt das Verständis dafür, dass im obersten Stockwerk eine Brücke aus Glas und Metall zwischen Vorder- und Hinterhaus des Marienplatzes 15 gespannt wurde. Nicht nur, dass es dafür keinen historischen Bezug gebe, der Übergang lasse Blicke in sämtliche Fenster beider Höfe und in beide Innenhöfe zu. Das sei richtig und nicht ideal, räumt Architekt Richard Kröff ein. Dieser Übergang sei aber die einzig sinnvolle Möglichkeit gewesen, das oberste Stockwerk des Hinterhauses an das Haupttreppenhaus im Vorderhaus anzuschließen. Und das habe er zur Auflage bekommen, so Kröff, denn die Wohnung in den beiden obersten Stockwerken des Rückgebäudes hätte sonst keinen zweiten Fluchtweg gehabt - und der ist bei Wohnungen über zwei Stockwerke vorgeschrieben.

Für Gesprächsstoff und Protestplakate an den Nachbarhäusern haben die Balkons an der Innfront gesorgt. Die habe er beantragt, da die Mieter in den Wohnungen des Hinterhauses sonst gar keine Möglichkeit hätten, sich mal an die Luft zu setzen, so Kröff. So hätten sie wenigstens fünf, sechs Quadratmeter. Das Landesamt für Denkmalpflege habe dem zugestimmt, "das war dem zuständigen Herrn lieber als Dachterrassen direkt an der Innfront."

syl/Wasserburger-Zeitung

Quelle: rosenheim24.de

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