2:0 - oder kein "Amore"

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Deutsch-italienisches Paar: Für Yvonne Arneth und Maurizio Cinelli vom Rosenheimer Eiscafé San Marco ist es heute ein besonderes Spiel.

Rosenheim/Landkreis - Deutschland gegen Italien: Was für ein Klassiker! Speziell im Raum Rosenheim lässt dieses epische Fußballduell kaum jemanden kalt.

Keine zweite Region in Deutschland ist Italien so nah. Das Inntal, geografisch das Tor zum Süden, mischt dank Bastian Schweinsteiger (aus Oberaudorf) und Lars Bender (aus Brannenburg) in der großen Fußballwelt kräftig mit. Und: Von allen 16 EM-Teilnehmern stellen die knapp 2000 Italiener in Stadt und Landkreis die mit Abstand größte Gruppe.

So wird es heute vor allem in den vielen Pizzerien und Eisdielen zu einem Abend der großen Gefühle kommen - egal wie es ausgeht. Viele haben, so wie beim Sommermärchen 2006, einen Tisch beim Lieblings-Italiener reserviert. Gewinnt Deutschland, feiern die Fans in Schwarz-Rot-Gold. Siegt die "Squadra Azzurra", wie die italienische Nationalelf heißt, lassen die "Tifosi" den Prosecco in Strömen fließen.

Besonders spannungsgeladen ist die Sache für deutsch-italienische Paare. Yvonne Arneth (35) und Maurizio Cinelli (50) sind eines davon. Gemeinsam betreiben sie seit vielen Jahren das Eiscafé San Marco mitten in Rosenheim. Die Statistik spricht zwar für die Azzurri. Aber das kümmert die 35-Jährige wenig: "Diesmal hauen wir sie weg, Deutschland gewinnt 2:0." Und lachend fügt sie an: "Sollte Italien doch siegen, gibt es heute kein Amore!"

Ihr Lebensgefährte Maurizio Cinelli (50) sieht den Ausgang der Partie ganz anders: "Deutschland ist Favorit, aber das Finale ist Portugal-Italien." Ein Weltuntergang wäre es für den Eis-Spezialisten aber nicht, wenn Buffon und Pirlo schon am Freitag heimfliegen müssten: "Zu 60 Prozent hängt mein Herz an Italien, zu 40 Prozent an Deutschland. Eine meiner Lieblingsmannschaften ist also auf jeden Fall im Finale."

Auch das Auge isst mit. Das gilt seit jeher für die italienische Küche - und neuerdings auch für den Fußball. Vorbei sind die Zeiten, als ausschließlich an Stammtischen über Schusstechniken und Bananenflanken debattiert wurde. Längst diskutiert die Frauenwelt kräftig mit - über die figurbetonten Hemden von Löw, die Bauchmuskeln von Cristiano Ronaldo, die feinen Gesichtszüge von Hummels, den Schlafzimmerblick von Özil oder die Tattoos von Boateng.

Für die vielen weiblichen Fans in Rosenheim und Umgebung hat die deutsche Elf eine Serie schon geknackt: Das erste Mal überhaupt habe Deutschland im Vergleich zu Italien die deutlich hübscheren Spieler. In ihren Augen ist das Ende der zweiten Negativserie - noch nie gab es einen Sieg gegen Italien bei einem großen Turnier - nur noch Formsache. "Die Deutschen schauen nicht so schlecht aus", sagt auch Yvonne Arneth. "Noch hübscher sind nur die Portugiesen."

Nur Rosi, der orakelnde Krake der Rosenheimer Tiefseeausstellung, hat das deutsche Team - wieder einmal - nicht auf der Rechnung. Der Star der Schau im Lokschuppen sagte gestern einen italienischen Sieg voraus - so wie es ihn 2006 an einem heißen Juli-Tag bei der WM 2006 in Dortmund gegeben hatte. Viele können sich noch gut daran erinnern. Nach dem 2:0-Sieg Italiens herrschte in der Rosenheimer Innenstadt bis spät in die Nacht hinein der Ausnahmezustand. "Erst kam Schweini, dann die Ernüchterung", titelten damals die OVB-Heimatzeitungen. Die Einwechslung des Oberaudorfer Lokalmatadors war vor den Bildschirmen und Leinwänden frenetisch gefeiert worden, letztlich traf die Squadra Azzurra zweimal - und es flossen viele Tränen.

Aber dazu kann es sechs Jahre später ja nicht mehr kommen, weil Schönlinge wie Luca Toni und Francesco Totti nicht mehr Blau tragen, sondern den Adler auf der Brust haben. Bestellt wird deshalb eine Pizza "Arrivederci Italia" oder "Bella Germania".

Und wenn doch Italien gewinnt? Dann gibt es Frutti di mare "à la Rosi".

ls/rfe/Oberbayerisches Volksblatt

Quelle: rosenheim24.de

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