Stand der Planungen für den Brennerzulauf

"Keine billige Lösung zu Lasten der Bürger!"

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Präsentation des Fortschritts zum Brennerzulauf im oberbayerischen Inntal
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Rosenheim - DB und ÖBB gewährten einen Einblick in den Fortschritt der Planungen des Brennerzulaufs im Landkreis. Zwei Modelle sollen parallel in den kommenden zwanzig Jahren betrieben werden:

"Ausbau nach Bedarf, Schallschutz und Planungen mit Bürgerbeteiligung" - unter diesem Motto stand am Montag die Informationsveranstaltung von DB und ÖBB im Landratsamt in Rosenheim. Die beteiligten Bahnbetreiber gaben dabei einen Einblick in den aktuellen Stand der Planungen und wagten einen vorsichtigen Ausblick auf die Zukunft des Schienenverkehrs durch das Inntal, hin zum Brennerbasistunnel bei Innsbruck. Die heimische Politik forderte mehr Unterstützung seitens des Verkehrsministeriums.

Der Fortschritt in Österreich

Für die deutsche Seite stand am Montag Mittag der Leiter für Vertrieb und Fahrplan der DB Netz AG, Stefan Kühn, für Fragen im Landratsamt zur Verfügung. Unterstützt wurde er von seinem österreichischen Kollegen Reinhold Hödl von der ÖBB Infrastruktur AG. Nach einem kurzen Abriss der bisherigen Errungenschaften rund um den grenzüberschreitenden Schienenverkehr, wurde der aktuelle Stand der Planungen auf beiden Seiten der Grenze dargestellt. Hödl zeigte sich mit dem Fortschritt der Maßnahmen in Österreich sehr zufrieden. Bislang seien bereits 32 Kilometer Stollen als Grundlage für den Tunnel gegraben worden. Diese sogenannten Erkundungstunnel hätten mit dem Eisenbahntunnel, dessen Fertigstellung für das Jahr 2026 geplant sei, jedoch noch wenig zu tun, so Hödl. Es seien ungefähr weitere 170 Kilometer nötig, um das Bergmassiv für den Transfer von Gütern und Personen nutzbar zu machen. Die Trassenauswahl bis kurz vor die deutsche Grenze sei in Absprache mit der dort ansässigen Bevölkerung jedoch bereits abgeschlossen, insgesamt sei man zufrieden mit dem Fortschritt und "gut unterwegs", so der österreichische Eisenbahner.

"Trasse an der Belastungsgrenze"

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"Überrascht von der Komplexität der übergreifenden Planung" zeigte sich hingegen Stefan Kühn von der DB.  "Um am Ende die ideale Trasse" für alle Beteiligten zu finden, würden mindestens zwanzig Jahre benötigt, angefangen von der Planung über die Genehmigung, die Finanzierung bis hin zur Umsetzung, so Kühn. Folglich könne einen neue Trasse im Inntal erst zehn Jahre nach der Fertigstellung des Brennerbasistunnels realisiert werden. Als Übergangslösung plane die DB, die vorhandenen Infrastruktur weiter zu erweitern und im Bürgerdialog mit Lärmschutzmaßnahmen zu versehen. Die Maßnahmen zur Reduzierung des Fahrzeuglärms könnten jedoch nur dort umgesetzt werden, wo auch bauliche Veränderungen an der Strecke vorgenommen würden, so Kühn. Dies könne jedoch frühestens 2017 erfolgen. Streckenabschnitte die unverändert blieben, jedoch durch eine Steigerung des Güterzugtakts öfter pro Tag befahren würden, könnten nicht zusätzlich mit Lärmschutzmaßnahmen bestückt werden, Mittel für eine "zusätzlichen und freiwilligen" Schutz seien schlicht nicht vorhanden, so der Leiter Vertrieb und Fahrplan der DB.

Aktuell sind im Tagesdurchschnitt rund 180 Züge im Inntal unterwegs, so Kühn. Die Kapazitätsobergrenze, ohne bauliche Veränderung, liege damit bei ungefähr 210 bis 220 Zügen. Durch die Errichtung von zusätzlichen Signalanlagen und Überholmöglichkeiten könne man dann zusätzlich eine Erweiterung auf bis zu 300 Züge pro Tag ermöglichen.

Der Brennerbasistunnel in der Nähe von Innsbruck ist laut aktueller Planung auf einen Durchsatz von mehr als 400 Zügen pro Tag ausgelegt und sei somit "absolut zukunftssicher", so Reinhold Hödl von der ÖBB. Aktuelle Prognosen für die Frequentierung der Strecke im Inntal gehen dabei aber bereits ab 2026 von einer Auslastung von 300 Zügen pro Tag aus. Ein weiterer Ausbau der vorhandenen Strecke sei daher keine Lösung, so Kühn. Man wolle deshalb parallel die Errichtung des zweiten Schienenpaares weiter vorantreiben. Im Zuge der Planungen wolle man mit einem "weißen Blatt zu den Bürgerinnen und Bürgern gehen", um mit den Anwohnern zusammen die ideale Lösung zu finden. Das Modell habe in Österreich bereits gute Erfolge erzielt, so Kühn.

Kritik aus den Reihen der Politik  

MdB Daniela Ludwig bei ihrem letzten Besuch der Brennerbasistunnel-Baustelle mit dem SVP-Abgeordneten im Italienischen Parlament Daniel Alfreider (links) und dem Direktor der BBT-Beobachtungsstelle Martin Ausserdorfer.

"Wir sind mit dieser Lösung nicht glücklich, wir brauchen endlich feste Zusagen", richtete Landrat Wolfgang Berthaler im Anschluss an die Präsentation das Wort in Richtung des Verkehrsministeriums. Die Trasse schlicht mit einer Mauer einzufassen, lehnte der Landrat ebenso ab, wie eine Lösung auf Kosten der Anwohner, "wir wollen keine Billig-Lösung" bekräftigte Berthaler die Forderung der Politik. Auch MdB Daniela Ludwig stellte sich vor die Anwohner im Inntal. Sie forderte ein zügiges Konzept der Bahn für den Zulauf: "Klar ist für uns: die Ertüchtigung der bestehenden Strecke durch das Inntal muss zeitgleich mit dem Planungsdialog für die neue zusätzliche Zulauftrasse erfolgen. Zum zweiten muss es an der alten und neuen Trasse deutlich mehr Lärmschutz geben, der sich nicht allein an den gesetzlichen Vorgaben orientiert. Und drittens: die neue Trasse muss gebaut werden. Das Inntal ist auf der bestehenden Strecke am Ende der Belastbarkeit angekommen," erklärte Daniela Ludwig am Montag Nachmittag. "Wir wollen eines vermeiden: dass die Bestandsstrecke ausgebaut wird, und die Bahn am Ende sagt, das ist ausreichend, wir brauchen keine zweite Trasse."

Als Beispiel für einen effizienten Planungsdialog verwies Ludwig auf den Ausbau der A8. "Von der Bahn haben wir noch gar nichts. Und wir haben jetzt wirklich lange genug auf die Dringlichkeit dieses Themas hingewiesen. Der Brennerbasistunnel wird 2026 fertig. Dann werden mehr Züge durch das Inntal rollen." Hier wird Daniela Ludwig deutlich: "Das darf zu keiner zusätzlichen Lärmbelastung für die Bürger führen." Eine Verlagerung des Bahnverkehrs unter die Erde schlage laut Aussage von Stefan Kühn jedoch mit höheren Kosten um den Faktor 10 zu Buche. Maßnahmen, die momentan nicht von der Gesetzeslage im Bereich der Lärmreduzierung getragen werden.

Auch Klaus Stöttner und Otto Lederer sind unzufrieden mit Planungen zum Brennerbasistunnel. So sagt Stöttner: „Wir sind heute mit der Hoffnung in das Rosenheimer Landratsamt gekommen, etwas Neues zum Stand des Brennernordzulaufs zu erfahren. Die Ergebnisse des Gesprächs sind allerdings ernüchternd. Den Ausführungen der Deutschen Bahn nach, soll nun nicht mehr nur die neue Trasse gefunden, sondern auch die alte bis 2025 ertüchtigt werden. Im Zuge der Ertüchtigung fordern wir jedoch nicht nur den gesetzlich vorgeschriebenen Lärmschutz für die Anwohner im Inntal, sondern darüber hinausgehende lärmschützende Maßnahmen. Diese sind dringend nötig, damit das verkehrlich bereits stark belastete Inntal für die Anwohner lebenswert bleibt!“

Otto Lederer stimmt seinem Landtagskollegen zu: „Das Gespräch war zum Teil sehr unbefriedigend. Konkrete Fakten oder längerfristige Prognosen über 2025 hinaus, konnten nicht in Erfahrung gebracht werden. Die Vorstellungen auf Seiten der Deutschen Bahn sind noch sehr vage. Ich fordere deshalb, schnellstmöglich exakte Daten zu ermitteln. Darüber hinaus, müssen bei der geplanten Ertüchtigung der Inntalstrecke für rund 300 Züge pro Tag umfangreiche Lärmschutzmaßnahmen für die Anlieger sichergestellt werden. Und drittens muss schnellstmöglich mit dem Bürgerdialog zur Trassenfindung für die zweigleisige Neubaustrecke im Inntal begonnen werden.“

Über die genaue Lage der neuen Trasse konnten die Verantwortlichen noch keine genaue Aussage treffen, lediglich ein grober Planungskorridor im Grenzgebiet konnte umrissen werden. Diese Entscheidung gelte es einerseits zusammen mit den Bürgern zu erarbeiten, andererseits müsse man aber auch jederzeit die bereits vorhandenen Infrastruktur beachten, erklärte Kühn am Montag.

Quelle: rosenheim24.de

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