Lehrer sind Persönlichkeiten

Auf den Lehrer kommt es an

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Braucht es ein Eignungssystem, um zu erkennen, ob ein Studierender ein guter Lehrer wird?
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Landkreis - Soll wirklich jeder Lehrer werden dürfen? Braucht es ein Eignungsverfahren, das feststellt, ob die Persönlichkeit dem verantwortungsvollen Beruf überhaupt gewachsen ist?

Das Thema ist nicht neu. Doch die Dringlichkeit und Bedeutung nehme zu, waren sich die Anwesenden einig. Der Arbeitskreis der CSU für Schule, Bildung und Sport hat es sich zur Aufgabe gemacht, zu hinterfragen und verschiedene Blickwinkel zuzulassen. Soll wirklich jeder Lehrer werden können? Braucht es eine Vorauswahl? „Natürlich setzen wir alle voraus, dass ein Lehrer fachlich bestens ausgebildet ist, doch ich behaupte, dass es ebenso wichtig ist, dass dieser Lehrer den Schülern das Wissen gut vermitteln kann. Sonst ist alles nutzlos“, betont der Vorsitzende des AKS, Peter Peltzer.

Zum Vortrag mit anschließender Diskussion waren zahlreiche Vertreter von Schulen gekommen, darunter beispielsweise der Schulleiter der FOS/BOS Wasserburg, Johann Schaller samt Stellvertreter Reinhard Selbach, der Schulleiter der Mittelschule am Luitpoldpark Rosenheim, Herbert Unterreiner sowie der Leiter der Johann-Rieder-Realschule Rosenheim, Wolfgang Forstner. Auch Vertreter der Wirtschaft waren da, Andreas März folgte der Einladung, ebenso Schulamtsdirektorin Helga Wichmann. Interessiert zeigte sich Landtagsabgeordneter Otto Lederer für das Thema „Auf den Lehrer kommt es an“. Er hat sich schon immer sehr für Bildung eingesetzt, begann seine Laufbahn als Lehrer und ist seit kurzem Landesvorsitzender des AKS.

Zur Runde hinzu gesellte sich auch die ehemalige Landtagsabgeordnete Annemarie Biechl. Die einführenden Worte von Peter Peltzer und Otto Lederer brachten es auf den Punkt: Oft fehle die menschliche Komponente bei angehenden Lehrerinnen und Lehrern, die Fähigkeit und das Engagement, Schülern das Wissen zu vermitteln. „Genau hier müssten wir mehr ansetzen, den Lehrern etwas auf den Zahn zu fühlen“, erklärte Otto Lederer. Doch in welchem Ausmaß dies während des Studiums möglich sei, bleibe offen.

Eine Möglichkeit wurde vorgestellt von Schulpädagoge Prof. Dr. Norbert Seibert von der Universität Passau. Seit 2009 werden dort mit beginnenden Studierenden im Bereich Lehramt sogenannte PArcours-Auswertungen gemacht. In anderen Ländern, beispielsweise Finnland, erhalte die Funktion des Lehrers großes Ansehen, es stünden jedoch auch wirklich ausgezeichnete Persönlichkeiten an der Tafel, erklärt unter anderem Peter Peltzer. Peltzer warf die Aussage in die Runde, dass jeder, der möchte, in Bayern Lehrer werden könne.

In der Tat stelle sich die Frage, ob nicht Selbsterkenntnisse entscheidend sein müssten, um zu merken, ob die eigene Persönlichkeit den verantwortungsvollen und herausfordernden Lehrerberuf aushalte, waren sich auch weitere Anwesende einig. „Ich finde es hochinteressant, zu erfahren, wie wir Studenten frühzeitig dazu bringen können, herauszufinden, ob es das Richtige für einen selbst ist, Lehrer zu werden“, brachte Landtagsabgeordneter Otto Lederer ein. Mithilfe der PArcours-Auswertungen durch Prof. Dr. Norbert Seibert und seiner Kollegin Dr. Martina Hechinger soll Emphatisches Verhalten beäugt und Kompetenzen sowie Persönlichkeitsmerkmale registriert werden. „Mit diesem Parcours möchten wir den Studierenden eine Einschätzung geben, welche Kompetenzen der- oder diejenige hat, den Lehrerberuf lange Zeit auszuüben“, so Dr. Hechinger. Den Anwesenden erklärte Prof. Dr. Norbert Seibert, dass es vielmehr um die pädagogische und menschliche Art des Studierenden gehe, und der „PArcours“ genau darauf abziele. „Wenn die Didaktik stimmt, hat der angehende Lehrer gute Chancen, sich in seinem Beruf zu entfalten“, so Seibert.

Der PArcours ist ein ausgefeiltes System, das innerhalb einer achtstündigen Analyse und Übungsphase den Studierenden „unter die Lupe“ nimmt. „Der Parcours ist freiwillig, doch wir könnten es schaffen, durch flächendeckende Auswertungen dem Burnout-Lehrer vorzubeugen, weil wir den Studierenden bereits vor Beginn des herausfordernden Arbeitsalltag als Lehrer sagen können, ob der Beruf zur Person passt“, so Seibert. Er rate der Politik, den PArcours oder ein anderes Eignungsverfahren eventuell sogar verpflichtend einzusetzen. Das Grundgesetz stehe der Methode nicht im Wege, erklärt der Schulpädagoge.

Seibert warf in seinen teils polarisierenden Ausführungen möglicherweise unqualifizierten Lehrern vor, dass in Bayern so viele Schüler ohne Schulabschluss vorhanden seien. „Jedes Jahr sind es 21.000 Schülerinnen und Schüler, das ist doch schrecklich“, so Seibert.

Er habe festgestellt, dass viele ein Lehramtsstudium oft nicht deshalb beginnen, weil sie es für das Richtige halten, sondern weil sie nicht wissen würden, was sonst in Frage kommen könnte als Beruf. „Viele meiden die Grundschulstufe, weil in den Pausen so viele zappelige Kinder herumwuseln, können sich für die weiterführenden Schulen jedoch ebenfalls nicht begeistern und landen so oft in den Mittelschulen“, verdeutlicht der Schulpädagoge weiter. „Dann treffen also die Leistungsschwächsten auf die Leistungsschwächsten Lehrer“, kam es Seibert über die Lippen.

Dies wollte der Schulleiter der Mittelschule am Luitpoldpark Rosenheim, Herbert Unterreiner, nicht so stehen lassen. „Ich finde es den Lehrern an Mittelschulen gegenüber fast schon unverschämt, zu sagen, ihr seid die Schwächsten“, so Unterreiner. Er könne für seine Schule sprechen und sehe sehr wohl hochmotivierte, sehr menschliche Lehrer, die die Schüler mit frischen Ideen für den Lernstoff begeistern können. „Man darf doch jetzt nicht einfach alle Mittelschullehrer über einen Kamm scheren“, so Unterreiner. Viele Anwesende zogen bei einem Punkt gleich: Es müsse mehr Lehrer geben, die Kinder gerne mögen, sie begeistern können und auf die Lerninhalte gelungen hinführen, ihnen zur Seite stehen. „Bisher gibt es davon zu wenige, wie ich finde“, so Prof. Dr. Seibert.

Otto Lederer zeigte sich abschließend weiter offen für Gespräche, die es ohnehin schon seit längerer Zeit gebe, um das System zu optimieren. Eine wissenschaftliche Begleitung, um herauszufinden, welches „Eignungsverfahren“ für Studierende im Lehramt am idealsten sei, müsse eventuell angedacht werden.

Bezüglich der rechtlichen Möglichkeiten eines verpflichtenden Eignungsverfahrens hat der Landtagsabgeordnete eine andere Meinung wie der Schulpädagoge. „Die Berufswahl ist frei, nur fächerspezifisch, beispielsweise in Sport oder Kunst seien Auswahlkriterien möglich, weil es hier besonderer Eignungen in bestimmten Fächern bedarf“, so Lederer. Ansonsten dürfe sich die Politik nicht zu sehr mit dem Zeigefinger auf Studierende stürzen und ihnen so jeden Schritt in den Beruf erschweren. „Ausdiskutiert ist wohl noch länger nicht, aber es ist schön zu merken, dass das Thema nicht außer Acht gelassen wird, zeigte sich Peter Peltzer erfreut. Ob es in absehbarer Zeit zu einem Meilenstein kommen könnte, blieb offen.

Quelle: rosenheim24.de

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