Auftakt der Meridian mit vielen Pannen

"Schnauze voll!" Pendler stellen BOB an Pranger

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Rosenheim - Der Auftakt der Meridian hat zahlreiche Pendler verärgert. Wegen der Überfüllung kippte eine Person um. Aber nicht alle Fahrgäste sind unzufrieden. Die Reaktionen:

Der Start der Meridian lief holprig an, die Probleme waren nicht zu übersehen. Verspätungen und zu wenig Sitzplätze brachten viele Pendler auf die Palme. Die Bayerische Oberlandbahn blieb vieles schuldig.

Auch am Dienstagmorgen hatte der Meridian auf der Strecke München Haupftbahnhof - Rosenheim - Kufstein Verspätung. Wegen einer Störung mussten zahlreiche Pendler erneut auf ihren Zug warten.

Wir haben Reaktionen und Erlebnisse unserer Leser zusammengestellt.

Die Leser berichten von ihren Erlebnissen

Sabrina Väth ist sehr enttäuscht: "Auch ich kann die Erfahrungen der anderen Fahrgäste nur teilen. Es gibt keinerlei Ansagen ob die Züge fahren oder nicht und diese sind total überfüllt. Der Pendlerzug gestern Morgen um 05.56 Uhr hatte 15 Minuten Verspätung. Erst kam der Zug in Rosenheim zu spät an, dann wurde in Großkarolinenfeld der Zug nicht zur Weiterfahrt abgefertigt (was per Durchsage durch den Zug ging „ Bitte den Zug abfertigen“…), in Ostermünchen durften die Fahrgäste erst nicht aussteigen, weil der Zug noch vorsetzten wollte – hat nicht geklappt - die Leute durften dann doch aussteigen….

Gestern wollte ich mit dem Zug um 15.43 Uhr vom Hauptbahnhof München nach Hause/ Rosenheim fahren. Am Gleis angelangt stand ein einziger Bediensteter der Deutschen Bahn (nicht mal Meridian) und teilte mit, dass der Zug erst ab Ostbahnhof fährt und Reisenden nach Rosenheim bitte den Zug um 15.55 Uhr nehmen sollen. Eine Durchsage oder ähnliches gab es nicht.

Laut den ausliegenden Fahrplänen hieß es auch, dass dieser Zug in Grafing hält. Dem war aber nicht so. So mussten dann einige Fahrgäste bis nach Rosenheim fahren. In Rosenheim kamen wir dann mit 10 Minuten Verspätung an. Heute Morgen war es auch nicht besser – Zug (05.56 Uhr Abfahrt in Rosenheim laut Plan) kam ohne Ansage zu spät und schaffte es auf der Strecke dann noch mehr Verspätung einzufahren. Da weder die Deutsche Bahn noch Meridian die Fahrpläne im Internet archiviert, kann mal eigentlich auch immer nur hoffen dass ein Zug fährt… oder auch nicht."

Michael Melzer schrieb uns: "Ich bin Pendler zwischen Rosenheim und München Hauptbahnhof. Der Zug um 6.18 Uhr ist überhaupt nicht gekommen und wurde in Rosenheim nicht mal als ausgefallen durchgegeben. Es wurde nur der Zug um 6.29 Uhr durchgesagt, obwohl der andere an der Anzeigetafel angezeigt wurde. Also alle Mann von Gleis 3 zu Gleis 1. Dieser Zug war beim Eintreffen schon weitestgehend voll, dass Sitzplätze nur noch Mangelware waren und ein Großteil derjenigen, die in Rosenheim eingestiegen sind, stehen mussten.

Richtig lustig wurde es, als der Zug in Grafing zum Überlaufen kam. Man kann sich das wie in der U-Bahn 5 an der Theresienwiese um 23 Uhr nach dem Oktoberfest vorstellen. So was geht gar nicht und ist eine Unverschämtheit, wie hier mit den Fahrgästen (wobei "Gäste" hier nicht das richtige Wort ist) umgegangen wird. Sehr traurig."

Auch Doris Wohlan war bedient: "Der Meridian startet für mich mit einem klaren Minus. Nicht nur, dass die sonst pünktliche Verbindung Prien - Rosenheim über zehn Minuten Verspätung hatte. Es kam zudem ein Zug aus dem letzten Jahrhundert: Hocheinstieg und viel zu schmale Türen, keine Durchsage welcher Bahnhof erreicht wird. Als Dank an so viel Unvermögen, darf man auch noch mehr bezahlen, da ja die Deutsche Bahn das Beförderungsentgeld erhöht hat."

Silvio Stingl ist maßlos enttäuscht: "Dass es Startschwierigkeiten geben würde war ja klar. Aber diese Desinformation seitens Meridian geht nicht. Wir standen heute früh 35 Minuten in Kufstein, ohne dass auch nur ein Ton gesagt wurde. Über fünf Minuten war die komplette Beleuchtung, sowie die Türen außer Funktion. Danach wurde man aufgefordert, den Zug zu verlassen und in den Meridian um 6.30 Uhr zu steigen. Nur hatte man es dem Zugpersonal anscheinend nicht mitgeteilt und so stand man weitere Minuten in Kufstein am Bahnsteig. Alles in allem war ich eine knappe Stunde zu spät der Arbeit."

"Das ist absolut unverantwortlich"

Can Dörtbudak aus Übersee war mit dem Zustand der Züge unzufrieden: "Auch ich war heute Nachmittag mit dem Zug unterwegs. Ich wollte wie viele Pendler um 16.41 Uhr Richtung Übersee fahren. Man wird in keinster Weise informiert und steht einfach da, um die fortlaufende Verspätungsanzeige zu lesen. Als der Zug einfuhr, war klar, dass kein Sitzplatz frei sein würde. Die Abwägung, den kurz darauffolgenden Zug zu nehmen, war aber zu unsicher. Es gab keine Durchsage, ob dieser auch Verspätung haben werde. Also hieß es Einsteigen und stehen. Der Charme des Zuges war der, wie die alten Waggons mit sechs Abteilen und weinroten Plastik- bzw. Kunstledersitzen.

Aber die Krönung waren die nicht zu öffnenden Türen im Bahnhof Rosenheim. Ich frage mich, wie darf so ein Zug auf den Schienen sein. Was, wenn in einem solchen Zug Panik ausbricht? Das ist absolut unverantwortlich von Veolia. Als sich die Türen endlich öffneten, kam am Nachbar-Gleis auch schon der nächste Zug Richtung Salzburg und fuhr auch wieder vor uns ab. Unglaublich, wie ein Start dermaßen daneben gehen kann.

Ich frage mich, wie kann ein solch großes Projekt so derartig schlecht geplant sein. Aber immerhin stimmt die Kasse, schon die Werbung in den Zügen erzählt, dass Züge fehlen, aber immerhin gibt es Tickets. Und genau das ist der Punkt, alle Pendler zahlen sehr viel Geld und bekommen nur Chaos geboten. Ich finde auch die beschönigende Beschreibung, der Start war etwas holprig, gelinde einfach untertrieben. Falls das so weiter geht, werde ich eine Fahrgemeinschaft gründen und mit dem Auto fahren."

Ingrid Schwab aus Bergen machte ähnliche Erfahrungen: "Nachdem wir mit Verspätung in Rosenheim angekommen sind und sich endlich die Türen geöffnet haben, ist der nachfolgender Zug (DB-Einheit) nach Salzburg eingefahren. Uns wurde nicht mitgeteilt, dass der Zug nach Salzburg vor uns losfährt. Es gab keine Durchsagen im Zug. Beim Ausstieg in Bergen hatten wir dann satte 60 Minuten Verspätung und mussten feststellen, dass alle Türen von der Zugbegleiterin per Hand geschlossen werden mussten. So eine Zuggarnitur zu verwenden ist für uns Pendler wirklich eine Zumutung. Ich hoffe nur, dass dies eine einmalige Startschwierigkeit ist. Wenn so etwas jeden Tag passiert, dann gute Nacht."

Person umgekippt

Stepanie Strassner kritisiert die Überfüllung: In Aßling wurde am Montag für den Zug um 7.13 Uhr, welcher um 7.23 Uhr kam, direkt durchgesagt, dass man bitte aufgrund von Überfüllung nicht einsteigen solle. Es würde in zwei Minuten ein weiterer Zug folgen. Dieser kam nach Aussagen meiner Mitfahrer, legte allerdings in Aßling keinen Halt ein. Auch die meisten Pendler am Bahnhof Grafing mussten zurückbleiben. Aufgrund der totalen Überfüllung kippte ein Fahrgast am Leuchtenbergring um. Wo bleibt hier die Sicherheit?

Am Dienstag konnten im selben Zug zwar fast alle Aßlinger mitfahren, in Grafing Bahnhof mussten aber erneut die meisten Pendler zurückbleiben.

Tamara Küster ist sehr enttäuscht: "Ich bin Schülerin in München und bezahle für meine Ausbildung dort eine ganze Stange Geld und bin daher auf den Zug und dessen Pünktlichkeit sehr angewiesen. Vor der Umstellung bin ich immer um 6.06 Uhr von Brannenburg nach München/Hauptbahnhof gefahren - keine Probleme - um dann mit der U-Bahn weitere 30 Minuten bis zu meiner Schule zu fahren. Hier war ich bisher immer pünktlich um 7.50 im Unterricht (der um 8 Uhr beginnt).

Mental war ich schon auf Chaos am ersten Tag des Meridian eingestellt und hatte aber zum Glück erst später Unterricht. Ich bin um 6.47 Uhr in Brannenburg abgefahren und mein Zug war schon voll und im Laufe der weiteren Haltestellen wurde es immer enger und wärmer. Fahrgäste wurden an Bahnsteigen zurückgelassen was ich nicht gut heißen kann, denn diese Menschen müssen auch in die Arbeit/Schule. Da dies Aufgrund der Überfüllung aber sein musste, kann ich mal ein Auge zudrücken.

In meinem Zug ist durch die Masse an Menschen und der darauf entstandenen Hitze eine Dame umgefallen. Bis eine Mitarbeiterin endlich mal zu dem Geschehen dazu gestoßen ist, ist ziemlich viel zeit vergangen. Mehrere Passagiere wollten die wenig vorhandenen "Fenster" öffnen, damit frische Luft in den Meridian kommt. Funktioniert hat dies aber nicht, da diese zusätzlich abgesperrt waren und nicht mal die Mitarbeiterin wusste, wie man sie öffnet. Na gut, endlich am Münchner Hauptbahnhof angekommen, war der Rettungsdienst für die Dame schon Vorort um sie zu versorgen.

Nach Schulschluss wollte ich um 15.43 Uhr mit dem Zug wieder nach Hause fahren, der auch an der Anzeigetafel im Hauptbahnhof angezeigt wurde. Am Gleis angekommen wurde mir mitgeteilt das dieser Zug aber nicht am Hauptbahnhof abfährt, sondern von München Ost... hier war ich schon wieder angepisst, da ich aufgefordert wurde, entweder mit der S-Bahn nach München Ost zu fahren oder auf einen anderen Zug zu warten. Ich bin um 15.55 Uhr mit dem Meridian Richtung Salzburg gefahren und musste in Rosenheim umsteigen. Hat alles funktioniert, ich bin endlich Zuhause angekommen.

Was mich persönlich richtig auf die Palme bring ist, dass ich in Zukunft nur noch bis München Ost fahren kann, da mein ursprünglicher Zug um 6.06 Uhr nur noch bis dorthin fährt. Ich muss dann mit der S-Bahn weiter bis zu meiner eigentlichen U-Bahn und bin noch länger unterwegs als ich es eh schon bin und komme jetzt täglich unpünktlich zum Unterricht. Ich verstehe nicht wieso München Hauptbahnhof nicht angefahren wird, hier sind immer ein komplett voller Zug ausgestiegen. Es heißt Hbf...alle Verbindungen laufen hier zusammen. Und jetzt können wir uns um Plätze in den S-Bahnen "prügeln", um alle "rechtzeitig" an unseren Zielorten anzukommen.

Während der Fahrt gestern habe ich NUR negative Aussagen von meinen Mitreisenden empfangen!! Neue Züge, schön und gut. Kostenerhöhung, meinetwegen. Aber wieso Fahrpläne so dämlich umgestellt wurden und wichtige Haltestellen nicht angefahren werden und zudem die Länge der Züge um ein gutes Stück gekürzt wurden ist für mich absolut nicht akzeptabel und ich hoffe der Zuständige bekommt das hier zu lesen, denn mit einem läppischen Kaffeegutschein ist das definitiv nicht hinzubiegen!

Nicht alles ist schlecht

Matthias Dangl nimmt den Meridian in Schutz: Ich bin Dienstagfrüh zum ersten Mal mit der Meridian gefahren. Diesmal war es besser, weil alte Züge gefahren sind. Ich wollte eigentlich mit dem Zug um 6.18 Uhr fahren, dieser wurde aber mit zehn Minuten Verspätung angezeigt. Der Zug um 6.29 Uhr war pünktlich - sogar überpünktlich. Stehen mussten in unserem Zug fast keine Leute.

Grundsätzlich sind die Erlebnisse vom Montag nicht toll, aber die Leute vergessen wohl schon, dass es solche Tage auch unter der DB-Ägide immer mal wieder gab.

Grundsätzlich ist es löblich, dass sich der Bahnchef persönlich ein Bild macht, das hat es unter der DB-Zeit nie gegeben. Und wenn dann noch darauf reagiert wird, ist es auch gut. Bei der Deutschen Bahn hat es schließlich nie ein Ersatzkonzept für unvorhergesehene Ereignisse gegeben.

Solche Vorfälle sollten nicht vergessen werden. Deswegen sollte auch nicht die Deutsche Bahn vorzeitig heilig gesprochen und die Veolia vorschnell verurteilt werden.

Oswald Schraml sieht die Schuld beim Eisenbahnbundesamt: "Ich las soeben so manche Kritik an der Bayerische Oberlandbahn bezüglich des Neustartes. Was den Service und die fehlenden Informationen betrifft, so haben einige Kritiker recht: Hier besteht Handlungsbedarf. Doch am gesamten Ärgernis ist in erster Linie das Eisenbahnbundesamt schuld: Wer so unendlich lange Zeit benötigt, um neue Schienenfahrzeuge zu prüfen und freizugeben, ist mit der Arbeit überfordert. In angrenzenden Ländern geht das viel schneller!

Darüber hinaus ließ es die Deutsche Bahn auch oft krachen: Sehr oft fielen Loks wegen Betriebsschäden aus und auch bei der Deutschen Bahn hörte man sehr oft keine Infos. Wer also im Moment so richtig laut die Deutsche Bahn zurück ruft, den kann ich nur ermahnen, zunächst einmal abzuwarten und der Bayerischen Oberlandbahn die Chance lassen, sich einzuarbeiten. Jeder Kritiker ist im persönlichen Bereich auch nicht perfekt – aber gleich mit den Fingern auf Andere zeigen und schimpfen ist leicht."

Auch Facebook-Userin Kathie Vdm mahnt zu mehr Gelassenheit: "Schön das man sich auf die Deutsche Bahn immer und überall (nicht) verlassen kann/konnte. Jetzt lasst mal ein bisschen Zeit ins Land gehen und gebt dem Meridian eine faire Chance, dann bewerten wir noch einmal neu!

Und Manfred Huber meint zu den Problemen: "Das ist doch ganz normal. Das war damals im Oberland auch nicht anders."

Chaos vorprogrammiert

Werner Buchner: "Ich bin in der Früh von Bad Endorf um 5 Uhr mit einem alten Ersatzzug pünktlich abgefahren und auch pünktlich am Hauptbahnhof in München angekommen. Im Zug hatte es gefühlte 50 Grad und viele Leute mussten ab Rosenheim stehen. Es waren keine Sitzplätze mehr vorhanden. Und das, obwohl bereits viele im Weihnachtsurlaub sind. Ab dem 7. Januar wird es wohl zu einem Chaos kommen.

Abends bin ich um 16.55 Uhr ab München Hauptbahnhof einigermaßen pünktlich abgefahren, in Bad Endorf gab es 20 Minuten Verspätung. Die Meridianmitarbeiter im Zug sind aber nur herumgelaufen, ohne etwas zu sagen. Ein Schaffner hat weder morgens noch abends kontrolliert."

Jürgen Bensler kritisiert den Geschäftsführer der Bayerischen Oberlandbahn: "Der Zug um 6.18 Uhr fiel aus. Eine Information dazu oder Anzeige am Bahnsteig - Fehlanzeige. Dafür war der Zug um 6.29 Uhr pünktlich, aber natürlich überfüllt. Ich konnte mich zu den glücklichen Menschen zählen, die in Rosenheim noch einen Sitzplatz ergattern konnten. Die Gänge waren in Rosenheim schon voll. So etwas wünscht man sich um halb sieben morgens ganz sicher nicht, Herr Müller-Eberstein! Durchsagen oder die angekündigten Fahrgastbetreuer, welche zum Servicekonzept Meridians gehören sollen, suchte man vergeblich. Die Berichte der Pendler über den Zug um 16.41 Uhr Zug ab München Ost kann ich leider nur bestätigen. Soviel zum Thema Komfort bei Meridian."

Jürgen Bensler weiß mittlerweile "die Leistung der Deutschen Bahn zu würdigen. Ich musste leider auch die ganze Fahrt von München Ost nach Rosenheim stehen und bin richtig wütend auf Meridian. Es ist dann auch mal ganz kurz eine Schaffnerin aufgetaucht, die ist dann aber schnurstracks geflüchtet, als sie die vielen Leute gesehen hat. Fahrgastbetreuung gleich null. Wie sich Herr Müller-Eberstein das Ganze schönreden kann, ist mir unbegreiflich. Der erste Eindruck zählt und da sollte man sich besonders viel Mühe geben. Hochglanzbroschüren, eine Internetseite und überforderte Servicekräfte ohne Antworten reichen nicht, um mich als Kunde zu überzeugen."

Für Manuel Kaltner war es "eine Unverschämtheit, dass man uns Schüler am Bahnsteig stehen lässt. Dann hat der Zug auch noch eine Verspätung von 30 Minuten. In eisiger Kälte mussten wir auf den nächsten Zug warten. Also ich habe die Schnauze voll und bin echt enttäuscht. Ich wünsche mir, dass die Deutsche Bahn AG wieder kommt. Sie war fast immer pünktlich und hat die Fahrgäste zumindest informiert.

MERIDIAN: Die ersten Pendler

redro24

Quelle: rosenheim24.de

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