Nach offenem Brief von "Bürger setzen Grenzen"

A8-Ausbau: Das sagen die Behörden

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Rosenheim - Nach den Bedenken der Bürgerinitiative "Ausbau A8 - Bürger setzen Grenzen" meldet sich die zuständige Behörde, die Autobahndirektion Südbayern, mehr als deutlich zu Wort.

In einem offenen Brief hat sich die Bürgerinitiative "Ausbau A8 - Bürger setzen Grenzen" in der vergangenen Woche an Anlieger der wohl wichtigsten Verkehrsverbindung in Südbayern gewandt. Die Vereinigung sprach sich gegen eine Verbreiterung der Trasse von derzeit vier Spuren auf künftig sechs Streifen aus. Jetzt meldet sich die Autobahndirektion Südbayern zu Wort. Wir stellen die Bedenken und die Stellungnahme der Behörde gegenüber.

Verkehrsprognose und Ausbauquerschnitt

"Aus der Aufstellung geht eindeutig hervor, dass ein sechsspuriger Ausbau der A8-Ost mit den aktuellen Prognosen für 2030 in keiner Weise gerechtfertigt werden kann", so die Bedenken der Bürgerinitiative im Hinblick auf den zu erwartenden Verkehr in der nahen Zukunft. Zwischen Rosenheim und der Grenze bei Bad Reichenhall gehe man dabei von Fahrzeugzahlen zwischen 50.000 und 72.000 aus.

"Bei der neuen Verkehrsprognose wird der Anstieg der Verkehrsbelastung etwas geringer vorhergesagt, als bei der letzten Prognose. Der Verkehr wird aber immer noch deutlich gegenüber der aktuellen Belastung ansteigen", erklärt Josef Seebacher von der Autobahndirektion Südbayern. Und weiter: "Die A8 ist eine wichtige internationale Autobahnverbindung aus dem Westen der Bundesrepublik in den Süden und Südosten, insbesondere für den in- und ausländischen Wirtschafts- und Fernreiseverkehr, mit deutlichen Belastungsspitzen in Ferienzeiten und an Wochenenden. Die durchschnittliche tägliche Verkehrsbelastung, der Jahresmittelwert, wird von 2010 bis 2030 in allen Streckenabschnitten deutlich zunehmen. Auch wird der Schwerverkehr zwischen 2010 und 2030 zunehmen."

Zudem sieht die Behörde besonders zu Spitzenzeiten auf der Autobahn in der Region Handlungsbedarf. Denn: "Gegenüber diesen durchschnittlichen täglichen Verkehren liegt die Durchschnittsbelastung in den Monaten Juli und August um rund 40 Prozent über dem Jahresmittelwert", heißt es in der Stellungnahme. Werte, die zu diesen Zeiten deutlich über der Belastungsgrenze der vierspurigen Trasse lägen. "Nur ein sechsspuriger Ausbauquerschnitt stellt eine ausreichende Leistungsfähigkeit und Qualität des Verkehrsablaufs über das ganze Jahr hinweg gesehen sicher."

Flächenverbrauch, Hochwasserschutz und Lärmschutz

Die Bürgerinitiative bemängelte zudem, dass ein Ausbau der A8 zu viele neue Flächen in Anspruch nehmen würde. Auswirkungen auf die Mietpreise in den Gemeinden entlang der Strecke und Einschränkungen für bäuerliche Betriebe seien zu befürchten.

"Die Flächenersparnis eines vierspurigen Ausbauquerschnitts mit beziehungsweise ohne der Möglichkeit, den Standstreifen temporär verkehrlich zu nutzen, liegt gegenüber einem sechsspurigen Ausbau bei 7 beziehungsweise 14 Prozent für die benötigten Verkehrsflächen. Im Gegenzug werden durch die aufgrund des sechsspurigen Ausbaus erforderlich werdenden aktiven Lärmschutzmaßnahmen zukünftige bauleitplanerische Entwicklungen in Autobahnnähe erleichtert", heißt es in der Stellungnahme im Wortlaut. Die Planungen sollen zusätzlich mit dem Wasserwirtschaftsamt abgestimmt werden. Besonders der Bereich um Piding liege dabei im Fokus der Behörde. Ein spezielles Konzept soll die derzeitige Situation drastisch verbessern.

"Das gewählte Lärmschutzkonzept für den sechsspurigen Ausbau der A8 sieht einen Vollschutz vor, das heißt, die Einhaltung der Tag- und Nachtgrenzwerte der 16. Bundesimmissionsschutzverordnung. Alleine schon durch den Einbau eines lärmmindernden Fahrbahnbelags werden die künftigen Lärmbelastungswerte in der Regel unter den heutigen Werten liegen", wird Josef Seebacher im Hinblick auf den Lärmschutz deutlich. Dazukommen sollen dann noch aktive Lärmschutzmaßnahmen, die einen Großteil der Wohnbebauung deutlich effektiver abschirmen sollen als bisher. Die typischen Hang- und Höhenlagen sollen dabei ebenfalls berücksichtigt werden.

Kommt das Tempolimit auf der A8?

Mehr Platz bedeutet auch, dass Autofahrer schneller unterwegs sein werden und somit mehr Lärm verursachen. So die Argumentationskette der Bürgerinitiative, die sich deshalb nachdrücklich für ein Tempolimit auf der Strecke aussprach.

Eine Ansicht, welche die Autobahndirektion Südbayern nicht nachvollziehen kann, wie Sprecher Josef Seebacher bestätigt: "Bei der Planung und Dimensionierung des Lärmschutzes wurde kein Tempolimit angesetzt. Die Anwohner haben daher einen Anspruch auf hochwertige Lärmschutzmaßnahmen, die den Verkehrslärm abschirmen, der ohne Geschwindigkeitsbegrenzung entsteht. Wenn die Anordnung eines Tempolimits im Planfeststellungsverfahren rechtlich zulässig wäre, würden an der Strecke an vielen Stellen Lärmschutzmaßnahmen, wie lärmarmer Belag, Lärmschutzwände und Tunnel, entfallen. Dies kann nicht im Interesse der betroffenen Anwohner sein."

Quelle: rosenheim24.de

Rubriklistenbild: © pa/dpa

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