Bilanz der Kontrollgruppe Motorrad für 2017

Zu schnell und rücksichtslos: Diese "Helden" gingen der Polizei ins Netz

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Rosenheim - Zur Erhöhung der Verkehrssicherheit von Motorradfahrern besteht nunmehr seit drei Jahren beim Polizeipräsidium Oberbayern Süd die Kontrollgruppe (KG) Motorrad. Die spezialisierten Polizeibeamten blicken zum Jahresende hin auf eine erfolgreiche und arbeitsreiche Motorradsaison 2017 zurück.

Die Zulassungszahlen bei Motorrädern steigen kontinuierlich an, das schlägt sich natürlich auch auf die Arbeit der Kontrollgruppe Motorrad nieder. Zum 1. Januar 2017 waren in Deutschland 4.314.493 Krafträder und Leichtkrafträder zugelassen, was einer Steigerung in den letzten fünf Jahren von über 8 % entspricht.

Trotz stetiger Kontrollen kamen im Jahr 2017 in den Monaten Januar bis Oktober auf den Straßen im südöstlichen Oberbayern 16 Motorradfahrer ums Leben. Im Vergleichszeitraum 2016 waren 15 Biker tödlich verunglückt. Erfreulicherweise sank jedoch gleichzeitig die Zahl der Verletzten von 902 (2016) auf 869 (2017).

Vor allem an den Einsatzschwerpunkten Sudelfeld, Kesselberg, Samerberg, Ettaler Berg, Rossfeld und den beliebten Zufahrtsstrecken dazu, führten die Mitglieder der Kontrollgruppe – im Übrigen alle selbst begeisterte Motorradfahrer - 138 gezielte Kontrollen durch. Dabei kontrollierten sie 1.488 Motorräder, 620 Biker wurden dabei beanstandet, was der hohen Beanstandungsquote von 41% entspricht. Die Polizisten leiteten 86 Straf- und 360 Ordnungswidrigkeiten-Verfahren ein, 174 Motorradfahrer kamen mit einer gebührenpflichtigen Verwarnung davon. Wegen technischer Mängel mussten 196 Zweiradfahrer ihr Fahrzeug später bei der Polizei oder einer Prüforganisation vorführen, 9 Krafträder wurden sichergestellt und einem technischen Sachverständigen zur amtlichen Begutachtung vorgestellt. Bei den 86 eingeleiteten Strafverfahren handelte es sich mehrheitlich um Vergehen des Kennzeichenmissbrauchs. Durch die Amtsgerichte wurden in der Folge Strafbefehle in Höhe von bis zu 4.500 Euro erlassen. 53 % der verfolgten Ordnungswidrigkeiten waren wegen Verhaltensverstößen wie z.B. überhöhter Geschwindigkeit, verbotswidrigem Überholen und sonstiger riskanter Fahrmanöver.

Fallbeispiele

Auch 2017 wurden wieder unrühmliche Tempo-Spitzenreiter registriert:

Am 27. Mai wurde ein Motorradfahrer aus dem Landkreis Rosenheim am Kesselberg bei erlaubten 60 km/h mit 116 km/h gemessen. Zusätzlich überholte er noch trotz Überholverbot. Die Folge: ein Bußgeldbescheid in Höhe von 240 Euro sowie ein einmonatiges Fahrverbot.

Am 10. Juni raste ein Münchner Biker mit 170 km/h von Lenggries über die Landstraße in Richtung Sylvensteinsee. Der Bußgeldbescheid in Höhe von 440 Euro und ein zweimonatiges Fahrverbot werden ihn in Zukunft hoffentlich einbremsen.

Am 19. Juni hatte es ein österreichischer Motorradfahrer im Baustellenbereich besonders eilig: Er wurde mit 92 km/h statt der erlaubten 30 km/h festgestellt. Sein Handeln wurde mit einem Bußgeld in Höhe von 880 Euro und zwei Monaten Fahrverbot geahndet.

Auf der B13 fiel am 22. September ein Honda-Fahrer negativ auf, als er ein ziviles Videofahrzeug der Polizei überholte und dann weiter beschleunigte. Dabei wurde im 100-km/h-Bereich eine Spitze von 186 km/h festgestellt. Den 70-km/h-Bereich durchfuhr er mit 138 km/h. Ihn erwartet nun ein nicht unerhebliches Bußgeld und zwei Monate Fahrverbot.

Bei einer Kontrolle am 23. Mai fiel den Polizisten der KG Motorrad mehrfach ein 20-jähriger Münchner auf, der mit seiner noch bis dato gedrosselten Kawasaki den Kesselberg als Rennstrecke zweckentfremdete. Neben einem Platzverweis gegen den Heranwachsenden, wurde zudem noch die Führerscheinstelle über sein Verhalten in Kenntnis gesetzt. Anfang Oktober machte der junge Mann erneut negativ auf sich aufmerksam: Da er zwischenzeitlich eine Fahrerlaubnis für leistungsunbeschränkte Krafträder erhalten hatte, mit einem sogenannten „Supersportler“ (185 PS) unterwegs war und einen schweren Verkehrsunfall in München verursachte, prüft die Führerscheinstelle nun auf dem Verwaltungsweg die Fahrerlaubnis des 20-jährigen Münchners wegen charakterlicher Ungeeignetheit auf Dauer zu entziehen.

Rücksichtslos und gefährdend verhielt sich am 22. August auf der Kesselbergstrecke ein ebenfalls 20-Jähriger aus Baden-Württemberg. Trotz eindeutiger Anhaltesignale eines Beamten der Kontrollgruppe Motorrad fuhr der Raser nur auf dem Hinterrad („Wheelie“) an diesem vorbei. Nur durch ein schnelles Wegdrehen und einen beherzten Schritt zur Seite konnte der Polizist Schlimmeres verhindern. Der verantwortungslose Fahrer konnte ermittelt werden, gegen ihn wurde ein Strafverfahren wegen eines „Gefährlichen Eingriffs in den Straßenverkehr“ (§ 315b StGB) und weiterer Delikte eingeleitet.

„European Bike Week“-Treffen

Die alljährlich im September stattfindende „European Bike Week“ in Faak am See (Österreich) beschäftigt immer auch die Bayerische Polizei. Zum größten Harley-Davidson-Treffen Europas versammeln sich jedes Jahr rund 120.000 Menschen mit etwa 70.000 Harley-Davidsons aus aller Herren Länder. Die An- und Rückreise führt auch über bayerische Straßen und hier wird dann die Kontrollgruppe Motorrad tätig. So wurden 2017 im Zusammenhang mit der „European Bike Week“ 129 Motorräder kontrolliert, 87 davon mussten beanstandet werden. An diesen Motorrädern waren zumeist nicht zugelassene oder manipulierte Auspuffanlagen verbaut. Der diesjährige „Rekordhalter“ in Sachen Lärmentwicklung brachte es auf ein gemessenes Standgeräusch von 118 Dezibel. Zum Vergleich sei erwähnt, dass ein Rockkonzert mit circa 110 Dezibel beschallt wird. Bei Harley-Treffen gehört es mittlerweile zum „guten Ton“ vor allem akustisch aufzufallen. Häufig werden an den Maschinen sogenannte „Klappenauspuffanlagen“ für gut 2.500 Euro verbaut. Durch einen Schalter kann die Geräuschentwicklung von „legal“ auf „illegal“ - sprichwörtlich im Handumdrehen - umgestellt werden.

Prävention

Die Kontrollgruppe Motorrad des Polizeipräsidiums Oberbayern Süd war 2017 aber nicht nur repressiv tätig, der Bereich der Prävention spielte wieder eine gewichtige Rolle.

So nahmen die Spezialisten der Kontrollgruppe an Präventionsveranstaltungen, wie der IMOT (Internationale Motorrad Ausstellung) in München oder den BMW Biker-Days in Garmisch- Partenkirchen (über 20.000 Motorradfahrer) teil und standen den interessierten Besuchern zum Thema Motorradsicherheit und Technik Rede und Antwort. Zu den Aufgaben der Beamten gehören nämlich auch die Verkehrserziehung und -aufklärung, die Beratung, die Öffentlichkeitsarbeit sowie die Kontaktpflege und Kommunikation mit der Biker-Szene und den regionalen Motorradclubs.

Besonders tragisch war der 6. Mai 2017. Das Polizeipräsidium führte an diesem Tag eine Präventionsveranstaltung zum Saisonbeginn für Motorradfahrer am Sudelfeld durch. Ein 24-jähriger Motorradneueinsteiger nutzte das gute Wetter und fuhr seine 175-PS-Maschine das Sudelfeld hinauf. In einer Rechtskurve kam der Fahrer aufgrund nicht angepasster Geschwindigkeit nach links von der Fahrbahn ab und prallte gegen eine Baumgruppe. Er verstarb noch an der Unfallstelle. Der schlimme Unfall passierte tragischer weise ganz in der Nähe der zeitgleich stattfindenden Polizeiveranstaltung, wo es um die Vermeidung von Verkehrsunfällen ging.

Ausblick auf die Motorradsaison 2018

Es ist davon auszugehen, dass die Zulassungszahlen für Motorräder im Jahr 2018 auch weiterhin steigen werden. Neue Abgas- und Lärmvorschriften (Euro4) stellen die Beamten der Kontrollgruppe vor neue Aufgaben und erfordern von den Beamten weitere Aus- und Fortbildungen. Das Thema Lärmschutz und die damit verbundenen Verhaltens- und Ausrüstungsverstöße werden 2018 ein wichtiger Einsatzbereich der Kontrollgruppe Motorrad sein. Durch gezielte Kontrollen an Brennpunkten soll die Lärmbelastung für Anwohner und Anrainer gesenkt werden. Dabei werden auch neue technische Instrumente zum Einsatz kommen, um einen noch besseren Nachweis führen zu können. Mit Informationsveranstaltungen und gezielten Gesprächen wollen das Polizeipräsidium Oberbayern Süd und die Kontrollgruppe Motorradfahrer zu einem „lärmbewussten Fahrverhalten“ anregen.

In diesem Zusammenhang weist das Polizeipräsidium Oberbayern Süd bereits schon jetzt auf eine große Präventionsveranstaltung mit vielen interessanten Themen und Beiträgen rund um das Motorrad hin. Sie soll am Samstag, den 5. Mai 2018 in Rosenheim stattfinden.

Pressemitteilung Polizeipräsidium Oberbayern Süd

Quelle: rosenheim24.de

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