60 Jahre Bundespolizei Rosenheim

Bundespolizei: Bilanz und Jubiläum

  • schließen
  • Weitere
    schließen
+
Pressegespräch zum 60. Jubiläum der Dienststelle
  • schließen

Rosenheim/Landkreis - 60 Jahre gibt es die Bundespolizei in Rosenheim. Wie sich die Dienststelle entwickelt hat und welche aktuellen Anforderungen an die Beamten gestellt werden.

Das Einsatzgebiet der Bundespolizei in Rosenheim erstreckt sich von Lindau im Westen bis nach Freilassing im Osten. Alleine 645 Kilometer Grenze zum Nachbarland Österreich mit 53 Verkehrswegen und über 450.000 Fahrzeugen und 300 Zügen täglich fallen in die Zuständigkeit der Rosenheimer Beamten.

Jubiläum und Bilanz: 60 Jahre Bundespolizei Rosenheim

Neben der illegalen Migration auf der Straße, die die Ermittler der Schleierfahndung täglich im Blick haben, fällt auch die Überwachung der Schienen und Bahnhöfe in den Aufgabenbereich der Polizisten. Dabei werde rund 1.150 Kilometer Schiene und 200 Bahnhöfe überwacht. Im vergangenen Jahr hier insgesamt 1.500 Fälle verzeichnet. Rund 890 Mal wurden die Beamten dabei zu Vorfällen gerufen, bei denen es Probleme mit den Fahrkarten, oder deren Fehlen, gab. Bei 240 Einsätzen mussten die Polizisten Sachbeschädigungen aufnehmen, 100 Mal bekamen sie es mit Körperverletzung zu tun. Lediglich 40 gefährliche Eingriffe in den Schienenverkehr wurden verzeichnet, wobei die Fallzahlen der Landespolizei hier nicht mit eingerechnet wurden. Darüber hinaus kommt es mehrmals im Jahr zu sogenannten "Sonderlagen" im Einsatzgebiet. Dazu zählen unter anderem größere Sportveranstaltungen und auch musikalische Events, wie zum Beispiel das Chiemsee Reggae oder die Rennen am Königssee. Dort werden dann entsprechend mehr Kräfte gebündelt, weiß Inspektionsleiter Reinhard Tomm.

88% Steigerung bei unerlaubter Einreise

Inspektionsleiter Reinhard Tomm

Grenzpolizeiliche Delikte nennen die Beamten die Fälle, bei denen unerlaubte Migration in das Bundesgebiet stattfindet. 2013 stieg die Zahl der nach Bayern unerlaubt Einreisenden von 2.100 auf ca. 4.000 Menschen, die von der Bundespolizei auch festgestellt werden konnten. 520 Schleuser konnten festgesetzt werden, bei 470 Taten war Urkundenfälschung im Spiel. Bei laufenden Fahndungen konnten die Polizisten 2.060 Treffer landen, 1.200 sogenannte aufenthaltsbeendende Maßnahmen fanden statt. Den Grund für die drastisch angestiegenen Fallzahlen kann der Leiter des Ermittlungsdienstes, Ulrich Kittelberger ganz klar festmachen. "Man braucht nur ins Fernsehen zuschauen, dann weiß man, wie schlecht es den Menschen in ihrem eigenen Land geht." Hauptaugenmerk legen die Ermittler daher nicht auf die Einzelnen, sondern auf die Organisatoren im Hintergrund, die mit der Schleusung teilweise horrende Summen verdienen. "Zwischen ein paar tausend und mehreren zehntausend Euro bezahlen die Flüchtlinge den Schleusern. Wenn sie nicht genug Geld haben, müssen sie den Rest abarbeiten. Und wohin das bei einem 17-jährigen Mädchen führen kann, muss ich wohl nicht erklären," erklärt der Dienststellenleiter mit Nachdruck. Für den Transport werde im Moment verstärkt die Straße genutzt, meist in kleineren Gruppen und mit Pkws werden die Flüchtlinge von Italien, Ungarn oder Griechenland nach Deutschland gefahren.

"Menschenverachtend und lebensgefährlich"

"Da sitzen Kinder im Kofferraum zwischen irgendwelchen Kisten, nicht angeschnallt oder gesichert," erzählt Kittelberger aus der eigenen Erfahrung. 79% der Aufgegriffenen sind Erwachsene, 20% Minderjährige. Nur ein Prozent sind dabei Personen unter 18 Jahren, die alleine reisen. Dabei legen die Beamten hohen Wert darauf, die Familien auch im Zuge der Ermittlungen und der erkennungsdienstlichen Behandlung nicht voneinander zu trennen. Aktuell kommen 23% der Flüchtlinge aus Syrien, gefolgt von Afghanistan und Somalia mit jeweils acht Prozent. Ungefähr zwei Drittel benutzen bei ihrer Flucht die Straße. Eine Änderung des Trends ist dabei nicht zu erkennen. Die Zahlen der ersten beiden Monate im Jahr 2014 weisen erneut eine Verdopplung in den Fallzahlen auf.

Die Grenzen der Beamten und länderübergreifende Zusammenarbeit

Leiter Ermittlungsdienst Ulrich Kittelberger

In besonderen Einzelfällen bekommen es die Beamten mit sehr großen Gruppen an Migranten zu tun, erzählt der Inspektionsleiter Reinhard Tomm. "Insgesamt 85 unerlaubte Einreisen hatten wir in einem einzigen Doppeldecker-Bus", berichtet Tomm. "Hier kommen wir dann schon an unsere Grenzen." Zur Aufnahme der Personalien und Einleitung der Verfahren wurde damals kurzerhand die Sporthalle auf dem Kasernen-Gelände zum Auffanglager umgestaltet. Hier sei es mit der Festnahme schließlich nicht getan, es müssten Dolmetscher organisiert werden, Vernehmungen geführt und schließlich umfangreiche Unterlagen bearbeitet werden.

Die Zusammenarbeit mit den ausländischen Kollegen funktioniere dabei mittlerweile reibungslos, fügt Ulrich Kittelberger hinzu. In direkten Gesprächen mit den Beamten in Österreich, Italien und Ungarn könnten so schnell Absprachen getroffen werden und man könne sich gegenseitig dank persönlicher Beziehungen sehr gut unter die Arme greifen. "Offizielle Anfragen laufen über das Bundeskriminalamt und können so dann auch in die Ermittlungsberichte einfließen", erklärt Kittelberger. Hier habe sich in den vergangen Jahren viel getan, nicht nur in Hinblick auf die perönlichen Kontakte, sondern auch auf der technischen Seite. 

60 Jahre: Tag der offenen Tür

Am 5. Juli jindet anlässlich des 60. Jubiläums der Bundespolizei in Rosenheim in der Kaserne in der Burgfriedstraße ein Tag der offenen Tür statt. Den Besuchern wird dabei ein umfangreiches Programm, von Einsatzdemonstrationen über Austellungen zu den Themen "Hubschrauber, Polizeitechnik, Waffen und verbotene Gegenstände" bis hin zu einer Autogrammstunde mit Spitzensportlern der Bundespolizei und somit ein umfangreicher Einblick in den Alltag der Beamten geboten.  

Quelle: rosenheim24.de

Zurück zur Übersicht: Rosenheim

  • schließen
  • Weitere
    schließen

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Live: Top-Artikel unserer Leser