Dreiste Abzocke mit Geschäftskunden?

Vorsicht vor der Abo-Falle im Briefkasten!

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Wer das Kleingedruckte nicht liest, wird schnell mit horrenden Forderungen konfrontiert. Ein Fallbeispiel aus Rosenheim
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Rosenheim - Auf den ersten Blick dient ein Formular, das derzeit im Umlauf ist, nur der Kontrolle von persönlichen Daten. Wer das Papier jedoch unterschreibt, erlebt sein blaues Wunder:

Was da in der jüngsten Vergangenheit bei einigen Rosenheimer Geschäftsleuten im Briefkasten gelandet ist, ist an Dreistigkeit fast nicht mehr zu überbieten. Im Namen der Industrie- und Handelskammer (kurz: IHK) für München und Oberbayern, fordert die Firma "International Fairs Directory" arglose Firmen derzeit auf, ihre Angaben zur kommenden Messe "JobFit" in Rosenheim zu überprüfen. "Diese Aktualisierung garantiert die korrekte Veröffentlichung Ihrer Unternehmensdaten, um somit eine problemlose Kommunikation mit allen an Ihrem Unternehmen interessierten Besuchern zu gewährleisten", verspricht das Schreiben eines namenlosen "Direktors". Liest man das Kleingedruckte des zweiseitigen Papiers, wird jedoch schnell klar, dass eine ganz andere Absicht hinter dem Brief mit mexikanischem Absender steckt.

Dreiste Abzocke im Namen der IHK

"Wir sind auf das Schreiben durch verschiedene Unternehmer aufmerksam gemacht worden. Diese hatten den Verdacht, da stimmt doch was nicht, und haben sich umgehend mit uns in Verbindung gesetzt", erklärt der Leiter der IHK-Geschäftsstelle in Rosenheim, Wolfgang Jahnsen, im Gespräch mit rosenheim24.de. Zur Sicherheit habe die Geschäftsstelle sofort alle Aussteller der vergangenen Jahre angeschrieben, um der Abzocke vorzubeugen.

Liest man sorgfältig das Kleingedruckte des Schreibens, wird die Absicht hinter dem Brief schnell offenkundig: Mit seiner Unterschrift verpflichtet sich der Unterzeichner, einen dreijährigen Vertrag einzugehen. Kosten pro Jahr: 1.212 Euro für Werbung auf der Internetseite des Absenders unter www.inter-fairs.com in einem Firmenverzeichnis.

"Schaden ist derzeit nach unserem Kenntnisstand noch nicht entstanden. Wir haben auch umgehend die Kollegen in Ingolstadt und München informiert, bevor auch noch andere Veranstaltungen ins Visier genommen werden", so Wolfgang Jahnsen von der IHK. Habe man in der Vergangenheit bei derartigen Anschreiben nicht aktiv werden können, kündigte der Geschäftsstellenleiter jetzt an, gegen die Verfasser des Schreibens vorzugehen, denn: "Zum ersten Mal wird bei dieser Art von Schreiben auch unser Namen verwendet. Das bedeutet, dass wir einige rechtliche Maßnahmen ausschöpfen können. Und das werden wir auch tun", so Wolfgang Jahnsen abschließend.

Betrug oder doch rechtliche Grauzone?

Andreas Guske, Pressesprecher des Polizeipräsidiums Oberbayern Süd in Rosenheim, teilt derartige Fälle in mehrere Kategorien ein: Handle es sich um täuschend echt nachgemachte Schreiben, in denen die Absicht hinter der Unterschrift nicht erkennbar ist, handle es sich eindeutig um Betrug. Auf der anderen Seite, könne die Polizei jedoch nicht tätig werden, wenn, wie im aktuellen Fall, im Kleingedruckten zu lesen sei, was mit der Unterzeichnung verbunden sei.

"Hier appellieren wir an die Eigenverantwortung der mündigen Bürger. (...) Da hilft natürlich auch, genau zu lesen, was ich da gerade unterschreibe", so der Polizeisprecher. Durch eine genauere Betrachtung im Einzelfall könnten Missverständnisse oft schon im Voraus aufgeklärt werden. Schwieriger werde es hingegen in der großen Grauzone, zwischen Legalität und Betrug, ein Bereich der nach wie vor bei den kleinen und mittelständischen Unternehmen immer tiefer ausgelotet werde.

Wer auf Nummer sicher gehen will, ob der Absender des Schreibens auch wirklich korrekt ist, der nimmt am besten direkt Kontakt mit diesem auf. "Im Zweifelsfall können sich unsere Kunden immer bei uns melden, wir stehen da jederzeit zur Verfügung", unterstreicht auch Wolfgang Jahnsen von der IHK in Rosenheim. Anders als die Absenderfirma in Mexiko-Stadt: Eine Nachfrage von rosenheim24.de blieb bisher ohne Antwort.

Quelle: rosenheim24.de

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