Schwammerlsaison in diesem Jahr bereits in vollem Gang

Tipps für die erfolgreiche Schwammerlsuche

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Nicht nur am Boden wachsen die Sporenträger der Pilze.
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Rosenheim - Früher als in den vergangenen Jahren finden heuer Pilzfreunde die begehrten Schwammerl in den Wäldern. Wir haben Tipps und Tricks, die die Suche nach Steinpilz & Co. leichter machen.

Dr. Fritz Reuther und sein Sohn, Dr. Herbert Reuther sind begeisterte Pilzfreunde. Zusammen mit Mitgliedern der "Pilzfreunde Deutschland" und der "Deutschen Gesellschaft für Mykologie" haben der pensionierte Apotheker aus Prien und sein Nachfolger sogar ein handliches Büchlein mit dem Titel "Die gefährlichsten Giftpilze und ihre essbaren Doppelgänger" herausgebracht. Für die Leser von rosenheim24.de haben die beiden Hobby-Mykologen wertvolle Tipps und Tricks zur nächsten Schwammerlsuche.

Tipp #1: Gefährlichkeit und Giftigkeit

Einer der wohl bekanntesten Schwammerl: Der markante Fliegenpilz

Die Experten auf dem Gebiet der Pilzsuche und Bestimmung unterscheiden grundsätzlich nach zwei Grundkriterien: Gefährlichkeit und Giftigkeit. Dabei sei zu bemerken, so Herbert Reuther, dass die giftigsten Pilze nicht gleichzeitig die Gefährlichsten sind. "Zum Beispiel der Satanspilz. Der ist bei uns eher selten, das bedeutet, dass er eher ungefährlich ist, weil ihn die Sucher ja auch nicht sehr häufig finden. Trotzdem ist der Pilz sehr giftig." Umgekehrt verhalte es sich mit dem "Ziegelroten Risspilz". Dieser sei deshalb so gefährlich, weil er bereits frühzeitig im Jahr in großer Zahl an Wegen und in Parkanlagen zu finden sei. Hinzukommt, dass bereits 80 Gramm des Pilzes zu tödlichen Vergiftungen führen können.

Tipp #2: Fraßstellen treffen keine Aussage über Giftigkeit

Oft findet der fleißige Schwammerlsucher nicht als erster die begehrten Sporenständer. Insekten, Schnecken oder auch Wild genehmigen sich gerne eine kleine Zwischenmahlzeit am Waldboden. Ein besonders verbreiteter Trugschluss unter Hobbysammlern sei also der Ausspruch "Wenn er Fraßspuren hat, dann kann er ja nicht giftig sein. "Falsch", erklärt Fritz Reuther. "Woher will ich wissen, dass das Tier oder Insekt nicht irgendwo anders gestorben ist." Bei den vielen unterschiedlichen Giften in den Pilzen sei zudem zu beobachten, dass die gefährlichsten Vertreter am längsten brauchten, um ihre Wirkung zu entfalten. So tauchten zum Beispiel beim bekannten Knollenblätterpilz erste Erscheinungen erst nach 6 bis 10 Stunden auf, manchmal erst nach 40 Stunden so Fritz Reuther.

Tipp #3: Wo einer ist, da sind noch mehr

Ein Indiz für das teilweise ausladende Wurzelgeflecht: Sogenannte Hexenringe

"Das was wir an der Oberfläche im Wald finden, ist nur ein Teil des Pilzes, nämlich der Sporenständer", erklärt Herbert Reuther. Unter der Erde könne das Myzel, das "Wurzelwerk" eines Pilzes, teilweise beachtliche Ausmaße annehmen. Mehrere Quadratmeter seien dabei keine Seltenheit, so der Pilzexperte. Besonders bei den bei uns begehrten "Maronen-Röhrlingen" lohne sich ein Blick in die nähere Umgebung. Schnell könne man hier eine ganze Handvoll auf relativ kleinem Raum finden. Hinzukommt, dass die Fruchtkörper am Myzel auch wieder rasant nachwachsen. Bei optimalen Bedingungen mit mindestens 60 Prozent Luftfeuchtigkeit können die Schwammerl bereits mehrere Zentimeter am Tag in Größe und Durchmesser zulegen. Bei der "Ernte" rät Fritz Reuther immer dazu , den Pilz abzuschneiden oder ihn aus dem Boden herauszudrehen. Nur durch ein Herausreißen könne das Myzel im Boden Schaden nehmen. Bereits nach ein paar Tagen könne man an guten Plätzen bereits neue Exemplare einsammeln.

Tipp #4: Es gibt keine Regel um Giftpilze zu erkennen

Weder die Farbe, noch das Aussehen, der Geruch oder sogar der Geschmack lassen Rückschlüsse auf die Giftigkeit eines Pilzes treffen, so Herbert Reuther. "Leider halten sich hier sehr viele Mythen und Legend ganz hartnäckig." Oft sollen giftige Exemplare sogar angenehm riechen und sogar gut schmecken, erzählt der Fachmann. So berichten viele Sammler, die den bekannten Knollenblätterpilz verspeist haben, dass dieser sogar "sehr gut" geschmeckt haben soll. "Früher hielt man sich blau verfärbende Pilze für verhext und daher für giftig," schmunzelt Reuther. Sowohl der "Netzstielige" (giftig) als auch der "Flockenstielige Hexenröhrling" (essbar) verfärben sich im Anschnitt sehr stark blau.

Tipp #5: "Hat er einen Schwamm, dann pack ihn ein"

Besonders bei den sogenannten Korallen ist Vorsicht geboten. Hier gibt es unterschiedliche Arten, die sich bei den Farben stark ähneln.

Für Einsteiger rät Herbert Reuther zu einer einfachen Grundregel in unseren Gegenden: "Wenn der Pilz einen Schwamm hat, dann ist er in den meisten Fällen ungefährlich." Die einzige Ausnahme bildet der eher seltene Satanspilz. Dieser sei aber relativ leicht an der feinsamtig glatten, grau-weißen Hut-Farbe erkennbar. Der allgemein als giftig geltende "Netzstielige Hexenröhrling" führe nur in Verbindung mit Alkohol zu starken Vergiftungserscheinungen. "Lässt man das Bier zur Schwammerlbrotzeit weg, ist man auf der sicheren Seite", so Fritz Reuther. Grundsätzlich sollten alle Pilze vor dem Verzehr jedoch abgekocht werden. Auch als Speisepilze eingestufte Exemplare könnten im Rohzustand Gifte enthalten. Diese würden jedoch beim Kochen zerstört. Ein Blanchieren genüge im Fall des bekannten "Hallimasch" nicht um die Substanzen, die zu Vergiftungserscheinungen führen können, zu zersetzen. Im Gegensatz dazu kann der Wirkstoff von Giftpilzen jedoch nicht durch abkochen zerstört werden. Das Gerücht, dass man Pilzgerichte nicht aufwärmen sollte, ergäbe sich jedoch nicht aus der Beschaffenheit des Pilzes selbst, sondern eher aus Gründen der Lebensmittel-Haltbarkeit, so Herbert Reuther.

Tipp #6: Ein gutes Schwammerlbuch    

Fritz und Herbert Reuther raten auf jeden Fall vor der Schwammerlsuche zu einer ausgiebigen Lektüre. "Ein Buch mit guten Aufnahmen und ausführlichen Erklärungen ist zur richtigen Bestimmung von Pilzen unumgänglich," erklärt der Fachmann. Neben den Größenangaben des Hutes und des Stiels, sind besonders Form und Farbe der Sporen besonders aussagekräftig. "Trotzdem müssen zur richtigen Bestimmung alle aufgeführten Merkmale zutreffen. Ist ein Merkmal anders, kann es sich schon wieder um einen anderen Pilz handeln", mahnt Fritz Reuther zur Vorsicht. Besonders bei sehr großen Exemplaren gestalte sich die Identifizierung daher eher schwierig. Darüber hinaus könnten Interessierte über die passende Fachliteratur auch noch tiefer in die Mykologie einsteigen. "Auch Penizillin oder der Mutterkorn-Pilz sind im Grunde Schwammerl," lacht Herbert Reuther.

Tipp #7: "Nur die Schwammerl sammeln, die man kennt"

Der letzte Tipp ist wohl zugleich auch der Effektivste, um ungewollte Vergiftungen durch die "Doppelgänger" der Speisepilze zu vermeiden. "Nur die Schwammerl sammeln und essen, wo ich mir absolut sicher bin." Unterschiedliche Pilze haben auch unterschiedliche Standorte. Wenn ein Pilz schon aussehe wie ein Pfifferling und noch dazu nicht direkt aus dem Holz, normalerweise aus einer Eiche wachse, dann sei es eben ein Pfifferling und nicht sein giftiger Verwandter, der "Leuchtende Ölbaumpilz", erklärt Fritz Reuther. Doch auch der beste Speisepilz kann bei manchen Konsumenten zu individuellen Unverträglichkeiten führen. Der "Eierschwammerl", auch Pfifferling genannt, verfügt über einen verhältnismäßig geringen Eiweißanteil und kann bei besonderen Personengruppen zu starken Verdauungsstörungen führen. Verantwortlich könnte hier das Fehlen des Verdauungsenzyms "Trehalase" sein, dass für den Abbau von in Pilzen vorkommenden Stoffen zuständig ist. Auch allergische Reaktionen der Haut, des Darms, der Lunge oder des Kreislaufs können dabei auftreten, so Herbert Reuther.         

Quelle: rosenheim24.de

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