Thema Meridian im Landtag

Stöttner: "Vertragsstrafen in Millionenhöhe"

+
Klaus Stöttner über den Meridian unddie Vertragsstrafen
  • schließen

Landkreis/München - Der Landtag beschäftigte sich am Donnerstag mit dem "Stotterstart" der Meridian-Züge auf der Bahnstrecke Salzburg - Rosenheim - München. **Mit Leserbrief**

Auf Antrag des Traunsteiner CSU-Abgeordneten Klaus Steiner wurde das Thema am Donnerstag im Wirtschaftsausschuss besprochen. Wie der Sender "Bayernwelle" auf seiner Internetseite berichtete, sollte der aktuelle Stand aufgezeigt werden und wie die künftige Entwicklung gesehen wird. Der ehemalige CSU-Vorsitzende Erwin Huber hatte den Start in einem Radiointerview gar "ein Desaster" genannt. Der Betreiber, die Bayerische Oberlandbahn (BOB), hat aber bereits Besserung versprochen.

Anlaufschwierigkeiten bei allen Betreibern

Lesen Sie dazu:

Wie der Rosenheimer Abgeordnete im bayerischen Landtag, Klaus Stöttner, verlauten ließ, wurde neben den Problemen auf der Strecke Salzburg-Rosenheim-München auch die anhaltenden Schwierigkeiten im Werdenfelser Land angesprochen. "Hier kommt es zum Teil immer noch zu starken Verspätungen. Auf der Rosenheimer Strecke sind diese Probleme mittlerweile im Griff", so Stöttner. Auch die anfänglichen Schwierigkeiten bei der technischen Übergabe von Verspätungsmeldungen an die DB, habe man nun beseitigen können. Alle Anschlusszüge warten auf die zu spät kommenden Reisenden.

Auch in Hinblick auf die vieldiskutierte Anerkennung der Jobtickets, gab Stöttner Entwarnung. "Alle Tickets werden anerkannt."

"Einfrieren der Normen bei der Zulassung"

"Die Vorlaufzeit konnte nicht ausreichend genutzt werden", erklärt Klaus Stöttner. So war der Hersteller gezwungen auf die Änderungen in gewissen EU-Normen zur Fertigung seiner Züge zu reagieren. Beim Hersteller Stadler soll es hierbei zu Überschneidungen im Bereich der Achsaufhängung gekommen sein. Bereits der ehemalige Verkehrsminister Peter Ramsauer habe sich dafür eingesetzt, die Anwendung neuer Normen im Laufe einer Produktionsphase auszusetzen. Stöttner bestätigte diesen "richtigen Ansatz", andere Vorgehensweisen bezeichnete er als "schädlich für den Prozess".

Auch der - besonders von den Betreibern monierte - Grundsatz, einen Wechsel stets im Winter zum 15. Dezember stattfinden zu lassen, wurde in der Versammlung diskutiert. Hier habe sich die "BEG niemals Gedanken gemacht", so Stöttner, es werde aber nun in Betracht gezogen, den Betriebsstart in den Sommer zu verlegen, um hier den Faktor Winter ausklammern zu können.

"Strafen in Millionen-Höhe zu erwarten"

Das Thema Schienen-Naverkehr habe nach wie vor eine hohe Brisanz in der Politik, erklärte Stöttner. Um den Problemen aus dem Weg zu gehen, wurde von der Grünen-Fration vorgeschlagen, künftig die Züge zu kaufen und an die Betreiber "unterzuvermieten". "Dadurch würde der Freistaat selbst zum Betreiber werden", kritisierte Stöttner. Man wolle bewusst nur Auftraggeber sein, um den Wettbewerb nicht zu bremsen.

"Wir müssen aus den Fehlern lernen. Und dazu zählt die Anpassung des Ausschreibeverfahrens", fügte Klaus Stöttner hinzu. Man wolle den Druck auf die Betreiber weiter aufrecht erhalten und erst nach der Erfüllung der festgesetzten Standards Bilanz ziehen. Im Sommer werde man dann wahrscheinlich anhand einer Mängelliste alle Verfehlungen genau beziffern und auch bestrafen können. "Das sind Millionen-Beträge", soviel könne der Landtagsabgeordnete bereits sagen.

Quelle: Bayernwelle Südost/redro24

Aus dem Archiv: Betriebsstart des Meridian

MERIDIAN: Die ersten Pendler

Leserbrief:

Alles wird besser. So versprach es Veolia/Meridian – und bekam den Zuschlag für die Bahnstrecke München–Kufstein–Salzburg. Doch es wird definitiv schlechter werden und bleiben, selbst wenn demnächst alle bestellten „Flirt“-Züge unterwegs sind. Grund: die völlig fehlgeplanten und unzureichenden Platzverhältnisse in den neuen Zügen.

Als täglicher Pendler nach München habe ich inzwischen genügend Erfahrung im „Flirt“ gesammelt, um sagen zu können: Im Berufsverkehr erinnert mich das Flair in den Zügen mehr an Massentierhaltung, denn an Reisekomfort. Der „Flirt“ ist auf maximale Pendler-Kapazität getrimmt, jeder Anflug von Bequemlichkeit blieb dabei auf der Strecke. Das beginnt bei den viel zu eng stehenden Zweier-Sitzreihen mit zu geringer Sitzbreite. Es setzt sich fort bei den Tischgruppen, in die man sich nur mit viel gymnastischem Ehrgeiz einfädeln kann, um dann Zwangs-Kniekontakt mit dem Gegenüber zu ernten. Und es hört noch lange nicht auf bei den untauglich-schmalen Klappsitzen, die absurd über Ecke angebracht sind und offensichtlich für Kinder (oder für den asiatischen Markt) gedacht sind. Und wer mit Koffern in die Tourismus-Region Chiemgau oder Salzburger Land reisen will, muss mit ihnen mangels Ablagen die Mittelgänge unpassierbar machen.

Ich rede hier übrigens als ganz normaler, schlanker Mann mit „Standardgröße“ 1,80 Meter. Und ich sehe täglich viele Menschen mit etwas mehr Körpergröße oder Körperfülle, denen es noch um Einiges schlechter geht, vor allem jetzt, wo Winterkleidung angesagt ist. Entspanntes Sitzen, vielleicht auch mal ein Nickerchen im „Flirt“? Vergessen Sie’s!

Ich frage mich: Haben die Meridian-Verantwortlichen jemals in diesem Zug Probe gesessen, bevor sie ihn bestellten? Also auch auf längerer Strecke?

Mit Wehmut wünsche ich mir schon jetzt die alten, großzügigen DB-Wagen zurück. Sie mögen im Sommer heiß gewesen sein. Aber lieber warm und locker sitzen als klimatisiert und gepfercht.

Alles wird besser? Nur, wenn die Züge zurück in die Fabrik wandern und auf Platzverhältnisse umgebaut werden, die dem lautstark postulierten Versprechen gerecht werden.

Christoph Eicher 

Grafing

Quelle: rosenheim24.de

Zurück zur Übersicht: Rosenheim

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Live: Top-Artikel unserer Leser