Ein Lächeln wird zu einem "Ja"

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Eine inklusive Gesellschaft, in der tatsächlich alle gleich sind - das ist die Vision von Lehrerin Julia Holzer.

Niederaudorf - Die OVB-Weihnachtsaktion 2013: Wie unterrichtet man ein Kind, das nicht sprechen, nicht lesen, kaum sehen kann? "Man macht sich auf die Suche nach einer besonderen Stärke des Kindes.

Das kann etwa sein Lächeln sein, das mit etwas Übung die Bedeutung einer Zustimmung bekommt", erklärt Julia Holzer, Lehrerin an der Privaten Grundschule Oberaudorf-Inntal. Will das Kind etwas bejahen, lächelt es eben.

Julia Holzer, die in Stams bei Innsbruck Sonderschullehramt mit integrierter Grundschulpädagogik studiert hat, ist seit September im pädagogischen Team der Privaten Grundschule Oberaudorf-Inntal. Die junge Frau - selbst leicht körperbehindert - ist auch aufgrund der eigenen Lebensgeschichte beseelt von der Vision einer Gesellschaft, in der jeder Mensch als gleichwertig erachtet wird.

Mit einem gespaltenen Rückenmark kommt Julia Holzer zur Welt. Davon sind unter anderem die Nerven des linken Beins betroffen. Die Gehbehinderung gibt ihr vor allem in der Schule oft das Gefühl, anders zu sein. "Ich habe die Blicke tatsächlich auf mich gezogen", meint die junge Frau schmunzelnd. Nur auf Station bei ihren vielen Klinikaufenthalten, im Kreise "behinderter" Kinder, habe sie sich wirklich wohl gefühlt. "Da hat es einfach keine Differenzierung wie in der Schulklasse gegeben", erinnert sie sich. So stand für sie schon früh fest: Ihr künftiger Beruf soll etwas mit beeinträchtigten Kindern zu tun haben.

In Stams studiert sie Sonderschullehramt mit integrierter Grundschulpädagogik, bei Auslandsstudien in Finnland beschäftigt sie sich intensiv mit der Thematik "Inklusion". Das dortige Schulsystem sei in dieser Hinsicht schon viel weiter, so Holzer. Behinderte und nichtbehinderte Kinder werden gemeinsam unterrichtet. Diese Erfahrung habe sie in ihrer Überzeugung bestärkt: Behinderte Kinder müssen ins Regelschulsystem aufgenommen werden.

Große Emotionen weckt bei Julia Holzer die Vorstellung des Projekts "Private Grundschule Oberaudorf-Inntal" beim Kongress "Petö und Inklusion" 2012 in Rosenheim. Zufällig ist sie bei einer Behandlung in der Kinderklinik Aschau auf diese Veranstaltung aufmerksam geworden. "Das Konzept hat mich vor allem wegen meiner eigenen Lebensgeschichte total angesprochen. Mir war klar: Das muss ich machen!" Also bewirbt sich Julia Holzer - und bekommt die Stelle in der neuen Privaten Grundschule Oberaudorf-Inntal, die heuer zusammen mit der Förderstätte der Wendelstein-Werkstätten in Raubling im Zentrum der großen OVB-Weihnachtsaktion "Menschen mit Behinderung mitten unter uns" steht.

Weihnachtsaktion der OVB Heimatzeitungen:

Menschen mit Behinderung mitten unter uns

Spendenkonten:

  • Sparkasse Rosenheim-Bad Aibling, Spendenkonto 78782, BLZ 71150000
  • Volksbank Raiffeisenbank Rosenheim-Chiemsee eG, Spendenkonto 8849900, BLZ 71160000

Und so wirkt die 23-Jährige jetzt bei der "großen, faszinierenden Aufgabe" mit, eine inklusive Schule zu formen. Der Unterricht für alle Kinder basiert auf dem bayerischen Grundschullehrplan, kombiniert mit dem Plan für Kinder mit geistiger Behinderung und dem für jene mit einer Lernbehinderung. Noten wie an einer Regelschule gibt es nicht, die Lernfortschritte der Kinder werden verbal und schriftlich dokumentiert. Beim Übertritt in eine weiterführende Schule sind umfangreiche Intensivierungszeiten vorgesehen. Die Schule sei mit nur zwei jahrgangsgemischten Schulklassen in der Grundschulstufe klein und wolle das bewusst bleiben, so die Lehrerin. In einer Klasse mit nicht mehr als 20 Schülern und entsprechend geschultem Personal sei eine Förderung nach individuellen Fähigkeiten und Begabungen möglich.

Die Suche nach den Stärken jedes einzelnen Kindes bestimmt den Schulalltag, der von einem kleinen, hoch motivierten Team mit Grundschullehrern, Sportlehrern, Sportwissenschaftlern, Sonderschullehrern, Konduktoren sowie Erzieherinnen begleitet wird. Die pädagogische Leitung hat Rita Mechtl.

Eine inklusive Gesellschaft, in der tatsächlich alle gleich sind - das ist die Vision von Julia Holzer. Und wer die junge Frau so begeistert, so lebendig, so mitreißend davon erzählen hört, den fesselt diese Vorstellung von einer Gesellschaft ohne Differenzierung ungemein. Sie arbeitet jetzt schon jeden Tag daran in der Privaten Grundschule Oberaudorf-Inntal - mit ihrem Fachwissen, mit ihrem Lächeln und mit ihrem so überzeugenden "Ja" zu dieser deutschlandweit einzigartigen Schulfamilie.

mg/OVB-Heimatzeitungen

Quelle: rosenheim24.de

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