JU-Bezirksvorsitzender Artmann 

Merkel-Frust: Es brodelt gewaltig in der Oberbayern-CSU! 

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Eigentlich müssten die Gesichtsausdrücke andersherum sein: Während Angela Merkel das Wahlergebnis als Erfolg verkauft, ist JU-Bezirksvorsitzender Daniel Artmann frustriert über die bisherige Wahlanalyse der Kanzlerin. 
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Rosenheim - Vor genau zwei Wochen war die Kanzlerin in Rosenheim - gefeiert von der CSU. 

Die Junge Union Oberbayern veranstaltete im Anschluss sogar eine "After Mutti Party" - 14 Tage später ist von der Feierlaune aus dem Wahlkampf nichts mehr zu spüren. 

Die Zahlen sind ein Desaster für die CSU: Im Regierungsbezirk Oberbayern verlor die Partei zwölf Prozentpunkte, kam nur noch auf 36,3%. Auch in der CSU-Hochburg im Landkreis Rosenheim reichte es nur noch für knapp über 40% der Zweitstimmen - ein Verlust von 13,6 Prozentpunkten im Vergleich zur Wahl 2013. 

Da ist es nur ein schwacher Trost, dass alle Direktmandate in christsozialer Hand blieben. 

"Merkel sprach in Rosenheim nicht klar genug Probleme an" 

"Schockierend und frustrierend" seien diese Ergebnisse, räumt Daniel Artmann ein, er ist Bezirksvorsitzender der Jungen Union Oberbayern und Ortsvorsitzender der CSU Rosenheim. In dieser Größenordnung habe man die Verluste nicht erwartet. 

Im Gespräch mit rosenheim24.de geht der Rosenheimer Stadtrat mit der Kanzlerin hart ins Gericht. 

Schon bei Merkels Rede in Rosenheim habe er sich klarere Worte gewünscht. Man habe die Kanzlerin zuvor über die Probleme im Wahlkreis informiert, auf die Vergewaltigungen im September in Rosenheim und im September am Simssee hingewiesen. "Ihre Rede in Rosenheim war gut, aber sie ist zu wenig auf die regionalen Themen und Ängste eingegangen", meint Artmann. 

Richtig in Rage redet sich die CSU-Nachwuchshoffnung aus Rosenheim, als er über die unterschiedlichen Betrachtungen der Wahlergebnisse zwischen den Schwesterparteien redet: "Merkel sagt jetzt, sie habe keine Fehler im Wahlkampf gemacht. In Sachsen ist die AfD die stärkste Kraft geworden, da kann man doch nicht sagen: Alles ist gut gelaufen! Hat sie in ihrem Starrsinn die Signale nicht gehört?" 

Die CSU dagegen hätte diese Signale verstanden, so Artmann. Die Schuld am schwachen Abschneiden seiner Partei gibt er vor allem der Bundeskanzlerin. "Wir wollten das emotional aufgeladene Thema Flüchtlingskrise seriös bespielen und haben anders als die AfD Lösungsangebote gemacht, kamen damit aber beim Wähler nicht an, weil wir von der Kanzlerin durchkreuzt wurden." 

Im Kanzlerduell oder in den TV-Wahlarenen habe Merkel die Obergrenze, eine CSU-Garantie aus dem "Bayernplan" der Partei, abgelehnt. "Das hat uns geschadet. Unsere Glaubwürdigkeit hat darunter gelitten. Das war 3-4 Wochen vor der Wahl Gift für uns!" Die Leute hätten daran gezweifelt, dass die CSU in Berlin der "starke Löwe" sein kann, der sich gegen Merkel durchsetzt. 

"Dann verlieren wir jede Glaubwürdigkeit"

Artmann kündigt hartnäckige Verhandlungen mit der CDU an, man müsse sich wieder auf gemeinsame Werte verständigen: "Wir wollen keine Partei der Beliebigkeit sein!" Die Union müsse ihr konservatives Profil stärken. 

"Wenn wir jetzt nicht unsere Garantien aus dem Bayernplan durchsetzen, verlieren wir jede Glaubwürdigkeit", warnt der JU-Bezirksvorsitzende. Das sei man auch den ehrenamtlichen Parteimitgliedern  schuldig, die massiv im Haustürwahlkampf engagiert waren.

"CSU darf sich nicht in eine Koalition zwingen lassen"

Und was ist, wenn es nicht zusammengeht mit den Grünen? "An der Basis gibt es ganz, ganz starke Zweifel an den Grünen als Partner", weiß Artmann. Der Rosenheimer Ortsvorsitzende warnt: "Die CSU darf sich nicht in eine Koalition zwingen lassen!" 

Neben der Obergrenze gehören zu den CSU-Garantien aus dem Bayernplan auch der Ausbau der Mütterrente, die Einführung des Baukindergeldes, ein Anstieg des Kindergeldes und die Einführung bundesweiter Volksentscheide. Das sind die Voraussetzungen für eine Koalition. Aber Artmann weiß auch: "Jede Partei braucht ihren Skalp, um in die Jamaika-Koalition eintreten zu können und das auf den Parteitagen durchzubringen". 

Es brodelt an der CSU-Basis. Am Montag wurde in München schon laut über eine Aufkündigung der Fraktionsgemeinschaft mit der CDU nachgedacht. Brüllt der Löwe nur - oder beißt er auch zu, wenn es sein muss? 

Quelle: rosenheim24.de

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