Der Tarifstreit zwischen der Deutschen Post und verdi dauert an 

Poststreik: "Bewegen sich keinen Millimeter"

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Landkreis Rosenheim - Bereits seit über zwei Wochen bleiben viele Briefkästen in Bayern leer. Eine Einigung zwischen der Deutschen Post und der Gewerkschaft verdi ist jedoch noch immer nicht in Sicht:

"Wir sind selbst betroffen. Unser Geschäftszimmer bekommt schon seit Tagen keine Post mehr zugestellt", berichtet Rainer Wessely, der Geschäftsführer von verdi im Bezirk Rosenheim. Eine Tatsache, die er jedoch verkraften kann. Zumindest wenn es um den Lohn und die Rechte seiner Gewerkschaftsmitglieder geht. "Die Stimmung bei den Beschäftigen ist soweit gut, es herrscht jedoch großer Ärger über die Maßnahmen des Arbeitgebers, die dieser vor allem am Wochenende getroffen hat", weiß auch Matthias Knüttel, Gewerkschaftssekretär bei Verdi in München.

Polizei und Gewerbeaufsicht alarmiert

So habe die Deutsche Post AG an den bisher bestreikten Wochenenden Aushilfskräfte und Angestellte des Subunternehmers "DHL-Delivery" dazu eingesetzt, sonntags Briefe und Pakete an die Kunden auszuliefern. Matthias Knüttel sieht diese Vorgehensweise "mindestens grenzwertig": "Nach wie vor gilt bei uns das Verbot von Sonntagsarbeit. Eine Ausnahmeregelung gibt es für die Post dabei nicht", so der Gewerkschafter. Besonders die Tatsche, dass der Konzern dabei jedoch den doppelten Lohn gezahlt und mit Geschenkgutscheinen und Barzahlungen "geködert" habe, stoße vielen Streikenden sauer auf. Die Gewerkschaft habe sich aber bereits mit Polizei und der Gewerbeaufsicht in Verbindung gesetzt und die bekannten Fälle gemeldet. "Hier muss die Versteuerung der Bar-Beträge nachgewiesen werden. Ansonsten ist das Schwarzarbeit", so Knüttel, und weiter: "Das ist kein Verhalten eines DAX-30 Unternehmens", so der Gewerkschafter abschließend.

"Auch bei uns gibt es Beschwerden von verärgerten Bürgern", berichtet Rainer Wessely. Man leite die Anfragen weiter oder erkläre den Betroffenen, an wen sie sich wenden könnten. "Doch der Arbeitgeber bewegt sich keinen Millimeter", erkennt Wessely. Er entschuldigt sich gleichzeitig für die entstanden Unannehmlichkeiten, gibt aber auch zu bedenken, dass im Zuge der Umstrukturierung zusammen mit den Subunternehmern der Deutschen Post AG und der Auslagerung der Beschäftigten ein enormer Druck auf den einzelnen, befristet angestellten Arbeitnehmern liege. "Der, der weiter arbeiten will, ist für den Druck von oben besonders empfänglich", weiß der Geschäftsführer von Verdi Rosenheim.

Das sagt die Deutschen Post AG

Regionale Angaben zum aktuellen Streik und der Beteiligung könnten nicht gemacht werden, erklärt Erwin Nier, Pressesprecher der Deutschen Post AG. "Die Sonntagszustellung war ein voller Erfolg. In einer einzigartigen Aktion haben sich bundesweit mehr als 11.000 freiwillige Helferinnen und Helfer daran beteiligt, unseren Kunden am vergangenen Sonntag die verzögerten Briefe und Pakete zu übergeben. Damit wurde eine solide betriebliche Basis für einen guten Start in die von ver.di angekündigte dritte Streikwoche geschaffen", heißt es auf schriftliche Anfrage von rosenheim24.de.

In Deutschland befänden sich aktuell rund 28.500 Teilnehmer im Streik, das Niveau der Vortage. "Derzeit gewährleistet die Deutsche Post durch umfangreiche Ausgleichsmaßnahmen, dass bundesweit täglich rund 80 Prozent der Briefe und Pakete zeitgerecht ausgeliefert werden."

Weiter sei die Deutsche Post AG verhandlungsbereit und habe die Gewerkschaft verdi mehrfach dazu aufgefordert, wieder an den Verhandlungstisch zurückzukehren. Derzeit seien vor allem die Briefzentren sowie die die Zustellung der Briefe und Pakete von den Streikmaßnahmen betroffen.

Zu weiteren Details, etwas der Situation in einzelnen Regionen, wolle man sich nicht äußern: "Hintergrund ist, dass wir beobachten, dass die Streikorganisatoren mit Hilfe dieser Angaben versuchen, damit den Eindruck eines vorhandenen Chaos bei der Deutschen Post zu belegen. Dies ist jedoch nicht der Fall", heißt es in der Stellungnahme des Unternehmens.

Ein Haftungsanspruch für die zu spät ausgelieferten Sendungen besteht für die Kunden der Deutschen Post nicht. Rein rechtlich wird ein Streik als "höhere Gewalt" eingestuft. Ein Streik als Haftungsgrund wird von der Post zudem in den AGBs explizit ausgeschlossen. Eine Möglichkeit, Sendungen selbst abzuholen, gibt es ebenfalls nicht.

Kein Ende der Arbeitskampfmaßnahmen absehbar

Am kommenden Montag, den 29. Juni soll eine weiter Großkundgebung der Gewerkschaft in München stattfinden. Mit dabei dann auch Postler aus Rosenheim, die eigens mit angemieteten Bussen zum Protestmarsch gebracht werden sollen. Auf dem Weg vom Gewerkschaftssitz von verdi in der Landeshauptstadt hin zur Parteizentrale der CSU, soll den Forderungen nach fairen Einkommensbedingungen und Arbeitszeiten weiter Nachdruck verliehen werden. Ein Ende der Maßnahmen hält Matthias Knüttel auch aufgrund der am Dienstag stattgefundenen Aufsichtsratsversammlung des Arbeitgebers für eher unwahrscheinlich: "Die weiteren Planungen für die kommenden zwei Wochen stehen. Ab sofort werden dann auch sukzessive mehr Zustell-Stützpunkte in den Streik einbezogen."   

Quelle: rosenheim24.de

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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