Gespräch mit Polizeisprecher Anton Huber

Mord, Totschlag, Raub: Neue Serie "Tatort24" 

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Polizeisprecher Anton Huber vom Polizeipräsidium Oberbayern Süd erklärt die Ermittlungsarbeit der Kriminalpolizei. 
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Rosenheim/Landkreis - Tagtäglich muss sich die Kriminalpolizei mit schweren Straftaten beschäftigen. Unsere neue Serie Tatort24 beleuchtet die Delikte in der Region näher. Wie genau die Arbeit der Kripo funktioniert, erklärt Polizeisprecher Anton Huber vom Polizeipräsidium Oberbayern Süd:

Herr Huber, wie steht es um die Aufklärungsquote von schweren Straftaten wie beispielsweise Tötungsdelikten? 

Wenn es um Delikte wie Mord oder Totschlag geht haben wir laut der aktuellen Kriminalstatistik aus dem Jahr 2016 in den Landkreisen Rosenheim und Traunstein insgesamt 26 Fälle mit einer Aufklärungsquote von 100 Prozent. Darunter zählen auch die Versuchstaten. Zudem gibt es bei der Kriminalpolizei Rosenheim seit 1992 kein vollendetes ungeklärtes Tötungsdelikt mehr.

Wie geht die Polizei vor, wenn eine schwere Straftat über Notruf eingeht? 

Zuerst wird die zuständige Polizeiinspektion alarmiert, die schnell am Tatort ist. Die Kollegen machen sich vor Ort ein Bild von der Situation und verständigen falls nötig die Kriminalpolizei. Die Zuständigkeiten sind in einem Aufgabenkatalog geregelt. Wird die Unterstützung durch die Kriminalbeamten benötigt, beginnt die klassische Ermittlungsarbeit mit Spurensicherung und Vernehmungen als Aufnahme des Personen- und Sachbeweises. Die Vorgehensweise kann dabei je nach Fall variieren. Der Kriminaldauerdienst der Kripo Rosenheim ist immer in die ersten Ermittlungen eingebunden und 24 Stunden im Dienst. Tötungsdelikte werden bei der Kripo durch das Fachkommissariat K1 sowie den Erkennungsdienst K7 bearbeitet. 

Die jahrelange Erfahrung der Kolleginnen und Kollegen ist von entscheidender Bedeutung. Bei Delikten, bei denen es um das höchste Rechtsgut „Menschenleben“ geht, darf kein Detail übersehen werden. Die Ermittler müssen Tatabläufe rekonstruieren, Spuren finden und sichern, Personen befragen sowie zahlreiche Daten auswerten. Die Sachleitung über die Ermittlungen liegt immer bei der zuständigen Staatsanwaltschaft Traunstein bzw. Zweigstelle Rosenheim. Am Schluss gilt es, die einzelnen Details lückenlos zusammenzufügen.

Beamte der Spurensicherung auf dem Weg zu einem Tatort.

Wie lange dauert es im Schnitt einen Fall zu klären? 

Das kann man so pauschal nicht sagen, weil die Klärung vom jeweiligen Fall abhängt. Handelt es sich zum Beispiel um eine Beziehungstat mit einem Geständnis des Täters, umfassen die Ermittlungen einen anderen Umfang als bei einem ungeklärten Tötungsdelikt. Hier muss beispielsweise eine Ermittlungsgruppe oder Sonderkommission gegründet werden, welche mit Hochdruck an dem Fall arbeitet. Wichtig ist bei jedem Delikt einen zweifellosen Tatnachweis zu führen und den Fall vollständig aufzuklären.

Woran liegt es, dass manche Fälle jahrelang ungeklärt bleiben und wie können diese doch noch gelöst werden? 

Polizeisprecher Anton Huber. 

Es gibt sogenannte „Cold-Case-Fälle“. Das sind Kriminalfälle, die keine neuen Ermittlungsansätze ergeben haben und bei denen auch die Spurenauswertung zu keinem Ergebnis führte. Die Ermittler setzen hierbei unter anderem auf die immer weiter fortschreitende Technik in der Forensik. Dank der modernen Kriminaltechnik ist es heute durchaus möglich, dass damals sichergestellte Beweisstücke, DNA-Spuren, Fingerabdrücke und Faserspuren durch die Kriminaltechnik im Landeskriminalamt München oder der Gerichtsmedizin detaillierter ausgewertet werden können und zu einem möglichen DNA-Treffer führen. Besonders die Arbeit in der DNA-Analyse ist zu einem der wichtigsten Bestandteile geworden. Dadurch ist es den Ermittlern möglich, einen jahrzehntelangen Fall doch noch klären zu können.

Manche Personen werden beispielsweise in der Zwischenzeit aufgrund eines anderen Deliktes in der DNA-Datenbank erfasst und können erst dann in Zusammenhang mit dem Beweisstück gebracht werden. Es ist auch denkbar, dass sich im Nachhinein Zeugen melden, die den Täter kannten und sich nach langer Zeit nun doch der Polizei anvertrauen. Wir haben hier im Landkreis Rosenheim aber das Glück, dass seit mehr als 20 Jahren kein Tötungsdelikt ungelöst blieb.

Wie steht es um Social Media – kann auch das Internet zur Klärung von Kriminalfällen beitragen? 

Die Bayerische Polizei intensiviert aktuell die Nutzung von Social Media. Im Rahmen der Öffentlichkeitsarbeit können wir auf sehr positive Erfahrungen blicken. Bei der Ermittlungsunterstützung sind vor allem Zeugenaufrufe auf Facebook und Twitter von Bedeutung, weil wir in Sozialen Medien innerhalb sehr kurzer Zeit sehr viele Menschen erreichen können.

Aufrufe des Polizeipräsidiums Oberbayerns Süd über soziale Medien erreichen in kurzer Zeit viele Menschen. 

Hilft die Pressearbeit bei der Klärung von Fällen und wann wird die Öffentlichkeit informiert?

Die Pressestelle des Polizeipräsidiums Oberbayern Süd prüft bei Tötungsdelikten akribisch je nach Sachlage wann eine Öffentlichkeitsarbeit durchgeführt werden kann. Hierbei muss neben Persönlichkeitsrechten auch der Opferschutz beachtet werden und natürlich auch, ob eine Veröffentlichung derzeit aus ermittlungstaktischen Gründen überhaupt möglich ist. Vor allem bei schweren Straftaten aber auch bei Vermisstenfahndungen sind wir auf Hinweise aus der Bevölkerung angewiesen. Immer wieder führen Anrufe von Bürgern zur Auffindung von Vermissten oder auch zur Klärung von Straftaten.

Herr Huber, vielen Dank für das Gespräch.

Am Mittwoch, 26. April, steigt unsere Serie Tatort24 mit einem erst kürzlich geklärten Fall ein: Die brutalen Vergewaltigungen am Rosenheimer Inndamm und im Englischen Garten in München.

mb

Quelle: rosenheim24.de

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