Politik(er)verdrossenheit?

Gründe für die schlechte Wahlbeteiligung

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Wählen oder das Wetter genießen?
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Landkreis - Bei der Stichwahl am Sonntag machten nur 32,69% aller Stimmberechtigten im Landkreis Rosenheim ihr Kreuz. Die Vertreter der Politik suchen nach der Ursache:

"Uns geht es irgendwie zu gut", erwiderte Sepp Hofer, der Kandidat der Freien Wähler und Zweiter bei der Stichwahl im Landkreis Rosenheim um den Posten des Landrats. Dass die Bürger Probleme haben, dass stritt Hofer im Gespräch nicht ab. Ob es sich dabei aber um "riesige Probleme" handele, wagte der Kreisvorsitzende zu bezweifeln.

Mangelndes Interesse wegen fehlender Zusammenhänge?  

"Vielleicht sind in unserer Gesellschaft Ziele und Visionen in der Bevölkerung auch gar nicht mehr nötig", oder zumindest nicht mehr ausschlaggebend für politisches Engagement, ergänzt Hofer. So stellte man in den 1960er und 70er Jahren ganz andere Anforderungen an die Politik, erinnert sich der Kreisvorsitzende der Freien Wähler. Er verweist dabei auf die Maslowsche Bedürfnis-Pyramide und ergänzt, dass die Menschen in Bayern alle grundlegenden Bedürfnisse ja bereits erfüllt hätten und sich nun im oberen Bereich der Hierarchie befänden.

Ein weiterer Grund für die Verdrossenheit der wählenden Bevölkerung könne sein, dass "die Menschen zu oft enttäuscht" wurden. Viele Angelegenheiten seien über die Köpfe der Bevölkerung hinweg entschieden worden. "Warum sich dann noch politisch interessieren, wenn es eh nichts bringt." Hofer werde oft mit dieser Einstellung konfrontiert. Bei einer durchschnittlichen Gemeinderatssitzung in seiner Heimatgemeide Halfing, gebe es "genau 1-2 Zuhörer, immer dieselben". Oft bekomme er in den Gesprächen zu hören, "Politik interessiert mich nicht." Mit einem jungen Feuerwehrmann führte er vor Kurzem eine interessante Diskussion. Hofer fragte den jungen Mann, ob er sich neue Geräte für den Einsatz wünsche. Der Feuerwehrmann stimmte zu. Wie er an diese neuen Geräte kommen können, wusste der junge Mann auch, er müsse seinen Chef davon überzeugen, dass die Geräte sinnvoll seien. "Und genau das ist Politik!" gab Hofer dem Feuerwehrmann zur Antwort. "Wir müssen die jungen Menschen einfach darüber aufklären, was Politik, besonders im kommunalen Rahmen, überhaupt bedeutet," fasst Hofer seine Ansicht zusammen.

Briefe rechtzeitig bei der Auszählung?

Eine andere Erklärung für die mäßige Wahlbeteiligung, vor Allem am Sonntag der Stichwahl, vermutet eine Leserin von rosenheim24. Regina G. schreibt in einer Mail an die Redaktion, dass die Unterlagen für die Briefwahl erst sehr spät bei ihr zuhause im Briefkasten lagen. Erst am 27. März, dem Donnerstag vor der Wahl, am Nachmittag seien die Zettel bei ihr angekommen. Da der Briefkasten in ihrem Ortsteil das letzte Mal Freitags um 9.00 Uhr früh geleert werde, befürchtete die Leserin, dass aufgrund ähnlich enger Zeitfenster viel Wahlbriefe auch in anderen Gemeinden nicht mehr rechtzeitig zum Auszählen gelangt sein könnten.

Der Pressesprecher des Landratsamts in Rosenheim gibt an, dass die Wahlunterlagen vom Landkreis bereits am 20. März an die Gemeinden verschickt wurden, er selbst hatte seine Unterlagen bereits am nächsten Tag im Briefkasten. Auf die Zeit, die die Post benötige, um die Unterlagen vom Landratsamt in die Gemeinden und dann bis zu den Wählern zu bringen, hätten alle beteiligten Organe schließlich keinen Einfluß. Zu Wahlzeiten stellt die Post die ausgefüllten Wahlunterlagen sogar am Sonntag noch bis 18.00 Uhr in den Gemeinden zu.

Laut Bundeswahlleiter müssen die Unterlagen auch erst spätestens um 18.00 Uhr vor Ort zur Auszählung sein. Später eingehende Briefe werden nicht berücksichtigt. "In jedem Fall trägt der Wähler das Risiko, dass der Wahlbrief rechtzeitig eingeht." Wahlbriefe können auch jederzeit, wie im Fall von Regina G., persönlich im betreffenden Rathaus abgegeben werden. Kann ein Wahlberechtigter glaubhaft versichern, dass er keine Briefwahlunterlagen erhalten hat, kann er diese sogar bis einen Tag vorher noch gesondert bekommen.

Schönes Wetter drückt die Wahlbeteiligung?

Im Jahr 1995 ergab eine Umfrag unter 1.000 Wahlberechtigten, dass nur 2,8% von einer Wahl von Wichtigerem abgehalten werden. 2013 analysierte der Deutsche Wetterdienst den Zusammenhang zwischen dem Wetter und der Wahlbeteiligung. Bereits nach der Bundestagswahl 2009 sei man der Fragestellung nachgegangen. Vergleiche man die Wetterlagen aus den Jahren 2005, 2009 und 2013 stelle man fest, dass bei gleichem, gemischten Wetter im Jahr 2013 deutlich weniger Wähler abstimmten als noch 2005. 2009 war es in ganz Deutschland sehr mild und sonnig, hier kam es zu einem massiven Einbruch der Beteiligung im Vergleich zu 2005. Folglich hätte die Wahlbeteiligung 2013 wieder deutlich zunehmen müssen, was bei einem Zuwachs von 0,7% jedoch deutlich ausblieb.

Quelle: rosenheim24.de

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