Kräutermischungen: Opfer häufen sich

  • schließen
  • Weitere
    schließen
+
Einige der im Internet angebotenen Kräutermischungen.

Rosenheim - Alleine seit Oktober fielen sechs Rosenheimer durch Rauchen der Kräutermischungen dem giftigen Halluzinogen zum Opfer. Teilweise waren sie noch minderjährig.

Nachdem in letzter Zeit die brisanten und zum Teil lebensbedrohlichen Vorfälle mit "Kräutermischungen" erheblich zugenommen haben, sieht sich das Fachkommissariat für Rauschgiftdelikte der Rosenheimer Kripo veranlasst und verpflichtet, erneut auf das enorme Gefährdungspotential durch sogenannte "Kräutermischungen" hinzuweisen. Dabei sollen sowohl die strafrechtlichen als auch die erheblichen gesundheitlichen Folgen noch mal speziell erläutert werden.

Die bekannte Kräutermischung Spice

Da die Kräutermischungen, die je nach Zusammensetzung entweder dem Arznei- (AMG) oder dem Betäubungsmittelgesetz (BtMG) unterliegen, häufig via Internet im Ausland bestellt und illegal nach Deutschland eingeführt werden, begeht der Käufer eine Straftat, die entweder mit Geld- oder mit Freiheitsstrafe bedroht ist. Hier kommt es im Wesentlichen auf den Inhalt und den Umfang der Bestellung an. Je höher der Wirkstoffgehalt der in den Päckchen befindlichen Substanzen und je größer die bestellte Menge, um so höher ist auch die Strafandrohung oder die zu erwartende Strafe. Häufig sind es synthetische Cannabinoide, die in den vielfach aus Europa oder China stammenden und ca. 30,-- € teueren Päckchen festgestellt werden. In einem kürzlich erstellten toxikologischen Gutachten der Rechtsmedizin München zu einem ungeklärten Todesfall eines 20-jährigen Mannes aus Bad Aibling am 09.04.2012 wird ausdrücklich darauf hingewiesen, dass die Wirkungsweise von synthetischen Cannabinoiden in diversen Kräutermischungen die bis zu 60-fache Wirkung des herkömmlichen Cannabis-Wirkstoffes Tetrahydrocannabinol (THC) im Marihuana und Haschisch haben. Fachleute sehen darin einen wesentlicher Grund für die Häufung solcher extremer Vorfälle sowohl in der Region Rosenheim als auch in anderen Teilen Bayerns.

Hier nun chronologisch und beispielhaft einige Fälle aus der Region, die diesen Verdacht belegen:

1. Am 18. November ist ein 20-jähriges Mädchen aus Wasserburg a. Inn nach dem Konsum einer "Kräuter-Zigarette", die sie im Internet in England bestellt hatte, zusammengebrochen. Sie wurde mit Vergiftungserscheinungen in das Inn-Salzach-Klinikum eingeliefert.

2. Am 11. Oktober wurden zwei 15-jährige Burschen aus Babensham und Edling (Lkr. Rosenheim) nach dem Konsum einer mutmaßlichen Kräutermischung mit erheblichen Vergiftungserscheinungen zunächst in die Krankenhäuser Wasserburg und Ebersberg eingeliefert und von dort wegen akuter Gefahr von Folgeschäden in eine Münchner Spezialklinik verlegt. Im Zimmer des Babenshamers wurden diverse Utensilien mit Stoffanhaftungen gefunden, die auf eine Kräutermischung hindeuten. Die genaue Stoffanalyse steht noch aus.

3. Am 14. Oktober wurden im Rosenheimer Stadtteil Happing eine 33-jährige Frau und ein 29-jähriger Mann wegen einer Fahndungsnotierung und eines Betäubungsmittelverstoßes von der Polizei vorläufig festgenommen. Auf der Fahrt zur Polizeidienststelle erlitten beide einen Krampfanfall und mussten ins Klinikum Rosenheim eingeliefert werden. Im Nachhinein stellte sich heraus, dass beide neben anderen Betäubungsmitteln auch eine Kräutermischung konsumiert haben.

4. Am 25. Oktober kündigte ein 25-jähriger Mann via Handy seinen Suizid bei der Rosenheimer Polizei an und beendete unmittelbar danach das Gespräch. Bei der sofortigen Überprüfung wurde er regungslos und nicht mehr ansprechbar in seiner Wohnung auf dem Bett liegend aufgefunden. Nach Erstversorgung durch den Notarzt wurde er zunächst in das Klinikum Rosenheim und im Anschluss daran wegen Selbstgefährdung in das Inn-Salzach-Klinikum Wasserburg eingeliefert. Die Ermittlungen ergaben, dass der Mann vor der Suizidankündigung eine Kräutermischung geraucht hatte.

Pressemitteilung Polizeipräsidium Oberbayern Süd

Quelle: rosenheim24.de

Zurück zur Übersicht: Wasserburg

  • schließen
  • Weitere
    schließen

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Live: Top-Artikel unserer Leser