Waffennarr muss ins Gefängnis

Rosenheim - Bei einem Jäger wurde ein Waffenarsenal gefunden, mit dem man einen Kleinkrieg hätte entfesseln können. Jetzt muss der alkoholkranke Waffennarr ins Gefängnis.

Neben einer Reihe von Waffen, die der Angeklagte aus dem Landkreis Rosenheim als Jäger besitzen durfte, wurde bei ihm ein regelrechtes Arsenal gefunden, womit man einen Kleinkrieg hätte entfesseln können. Waffen für eine halbe Kompanie lagen kreuz und quer auf dem Anwesen herum.

Wie aus einer anderen Zeit muteten die Ansichten des früheren Steinbruch- und Baufacharbeiters an. Ein Sprengmeister-Diplom hat er und einen Jagdschein dazu. Aber die wichtigsten Regeln zur Aufbewahrung von Sprengmitteln und Waffen hält er für "Behinderungen durch den Staat". Vom Maschinengewehr 42, Schnellfeuergewehren und Maschinenpistolen, über mehrere Repetiergewehre bis hin zu vier Pistolen samt Schalldämpfer war alles da, was gefährlich und verboten ist. Ganz zu schweigen von den Unmengen an Munition, Sprengsätzen und Sprengschnüren, die für jeglichen Zugriff frei herumlagen. "Ein Gutteil davon stammt noch vom Vater, der das Zeug zum Kriegsende von den abgerüsteten Soldaten übernommen hat." Ganz so einfach war es dann doch nicht. Wie sich herausstellte, hatte er bei Ebay Schusswaffen erworben, die schießuntauglich gemacht worden waren. Dann hatte er diese schießbar gebastelt, was der Sachverständige vom Landeskriminalamt als "dillettantisch" und "höchst gefährlich" beschrieb.

Ruchbar wurde das, als er im Streit mit einer Nachbarin gedroht hatte "alles zusammenzuschießen". Die Polizei wurde informiert und nach einigem Leugnen gestand er den Besitz von unerlaubten Waffen. Allerdings wurde dann bedeutend mehr "Schießzeug" gefunden, als er eingestehen wollte.

Vor dem Schöffengericht unter dem Vorsitz von Richterin Jacqueline Aßbichler gestand er am Vormittag, dass er doch sehr "nervös sei" und deshalb seit dem Morgen bereits einen Liter Wein intus habe. Die Richterin erklärte ihm, dass er - angesichts der Tatsache, dass er keinerlei Vorstrafen habe - mit einer Bestrafung rechnen könne, die zur Bewährung ausgesetzt würde. Allerdings, und da wurde es schwierig, müsse er die Pistole herausgeben, welche die Polizei bei der Durchsuchung nicht gefunden hatte. Nach einer glaubhaften Zeugenaussage hatte er nämlich nach der Beschlagnahme der Waffen und Sprengmittel noch mit einer kleinen "Damenpistole" geprahlt, die der Durchsuchung entgangen sei.

Zwar bestritt der Angeklagte vehement, noch eine Waffe zu besitzen. Auch nachdem zusätzliche Zeugen vernommen und die sichergestellten Faustfeuerwaffen mit der beschriebenen Waffe abgeglichen worden waren, behauptete der 50-Jährige nach wie vor steif und fest, keinerlei Schusswaffe mehr zu besitzen. Angesichts der eindeutigen Zeugenaussage vermochte er das Gericht allerdings nicht zu überzeugen. Zumal das Anwesen des Angeklagten weitläufig und unübersichtlich genug ist, um dort problemlos Gegenstände verbergen zu können.

Verteidiger Rechtsanwalt Dr. Werner Schropp versuchte zwar, die Aussage des Zeugen zu erschüttern, war dabei aber wenig erfolgreich.

So stellte die Vertreterin der Staatsanwaltschaft fest, dass bei dem Angeklagten weder Einsicht noch Reue erkennbar seien. Nach wie vor sei er der Meinung, dass ihm wenig Schuld anzulasten sei. Darüber hinaus wolle er offensichtlich auch weiterhin die Macht über eine Schusswaffe ausüben. So beantragte sie eine Gefängnisstrafe von zwei Jahren und zehn Monaten, die in dieser Höhe ohnehin nicht mehr zur Bewährung ausgesetzt werden könne. "In Ihrem Zustand sind Sie eine Gefahr für die Gesellschaft und dem muss entgegengewirkt werden."

Der Verteidiger versuchte zu retten, was nicht mehr zu retten war. Er betonte, dass die Existenz der fraglichen Waffe nicht bewiesen sei, und sein Mandant allen Auflagen einer Bewährung peinlichst genau nachkommen würde. Er bat um ein Strafmaß, das eine Aussetzung zur Bewährung ermöglichen würde.

Das Gericht sah sich außerstande, dem zu entsprechen. "Ich kann es nicht verantworten, dass Sie in diesem Zustand auf freiem Fuß sind, solange befürchtet werden muss, dass es noch eine Schusswaffe gibt", so die Richterin. Das Gericht verurteilte ihn zu zwei Jahren Gefängnis und eröffnete ihm einen Haftbefehl, mit dem er festgenommen und nach Stadelheim gebracht wurde. "Sobald zweifelsfrei feststeht, dass es bei Ihnen keine Schusswaffe mehr gibt, kann ich Sie sofort aus dem Gefängnis herauslassen", versprach die Richterin, hoffend, dass womöglich in der Zelle bei dem Verurteilten Einsicht einkehre.

au/OVB-Heimatzeitungen

Quelle: rosenheim24.de

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