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Tierärztin aus Rosenheim gibt Ratschläge zu Silvester

Feuerwerkslärm und Haustiere: „Selbst taube Tiere können weiterhin Angst bekommen!“

Tierärztin Dr. Tanja Frey aus Rosenheim mit Hund Bruno im Behandlungszimmer ihrer Praxis.
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Tierärztin Dr. Tanja Frey aus Rosenheim mit einem Hund im Behandlungszimmer ihrer Praxis. (Archivbild)

rosenheim24.de hat sich bei Tierärztin Dr. Tanja Frey aus Rosenheim erkundigt, wie ihr euren Haustieren den Schrecken durch das Knallen und Krachen mildern könnt.

rosenheim24.de: Sind manche Haustiere anfälliger für den Lärm von Feuerwerken als andere?

Dr. Tanja Frey: Das kann man so nicht unbedingt sagen. Es hängt tierartunabhängig immer vom Individuum ab, wie Lärm, besonders die bei einem Feuerwerk plötzlich auftretenden, lauten Knalltöne, wahrgenommen werden. Was diese Geräusche im Einzeltier auslösen, also Angst oder eher Gleichgültigkeit, hängt von den Erfahrungen des Tiers, vor allem in seiner Prägezeit ab.

Kann sich ein Haustier also mit der Zeit daran gewöhnen?

Grundsätzlich kann sich ein Haustier an Geräusche gewöhnen. Das fällt ihm bei beständiger Geräuschkulisse allerdings leichter, als bei solch einem einzelnen, extrem lauten Knallerlebnis einmal im Jahr. Älteren Tieren kann unter Umständen das allgemein schlechtere Hörvermögen helfen, diese Töne weniger imposant zu empfinden. Doch selbst taube Tiere können weiterhin Angst bekommen, da die mit dem Feuerwerk einhergehenden Lichtblitze und Druckwellen die Tiere ja immer noch erreichen.

Sollte ich mein Haustier beispielsweise zu mir nehmen und streicheln oder es sich verstecken lassen?

Auch hierfür gibt es keine allgemeingültige Empfehlung. Wichtig ist, sein Tier genau zu kennen, es richtig zu lesen und entsprechend richtig zu reagieren. So sollte für ein Haustier, das sich lieber zurückziehen möchte, eine Ruhezone geschaffen werden, in die es sich ruhig verkriechen darf. Ein anderes Haustier sucht vielleicht lieber die Nähe des Besitzers und profitiert davon, beruhigend gestreichelt zu werden. Die Maßnahme muss also zum Typ des Tieres passen. Nur weil vielleicht der Besitzer meint, auf seinem Arm findet jedes Haustier die beste Ruhe, würde er damit bei vor allem dem erstgenannten Charakter die Angst sogar stark verstärken!

Kann ich im Vorfeld schon etwas organisieren, beispielsweise eine schallgeschützere Ecke einrichten?

Ja, unbedingt. Das ist überhaupt das wichtigste bei der Bekämpfung der Geräusch- beziehungsweise Silvesterangst: rechtzeitig damit beginnen! Bei bekannter Geräuschangst sogar schon im Sommer, am besten mit Hilfe eines Tiertrainers, denn auch hier sollten die Maßnahmen auf das Individuum angepasst werden. Kurz vor Silvester sollte eine Ruhezone eingerichtet werden, in der der Vierbeiner schon einige Tage bis wenige Wochen vor Silvester gefüttert wird und daran gewöhnt wird, auch da zu ruhen. Katzen sollte in diesem Raum auch eine Toilette eingerichtet werden. Oft ist es außerdem hilfreich, die Jalousien zu verschließen, die Musik/den Fernseher lauter als üblich zu stellen, mit den Tieren zu spielen, sie abzulenken und vor allem sich ganz normal zu verhalten. Bei sehr ängstlichen Hunden beziehungsweise Tieren, die beispielsweise in einer Siedlung leben, in der sehr viel geknallt wird in der Silvesternacht, hilft manchmal nur ein Ortswechsel in eine Region, in der sicher nicht geknallt wird: eine Fahrt im Auto auf der Autobahn kann helfen, Großstädter fahren gerne an den Flughafen, denn dort gilt Knallverbot. Es gibt noch viele weitere Maßnahmen, die hier nicht alle aufgeführt werden. Bitte fragen Sie dazu, wenn möglich schon im Sommer, Ihren Tiertrainer oder -Arzt.

Für einen wie langen Zeitraum ist es normal, dass mein Haustier noch vom Feuerwerkslärm benommen ist und wann sollte ich etwas unternehmen?

Meiner Meinung nach sollte das Haustier ab vollständigem Ende des Feuerwerks anfangen sich zu beruhigen, natürlich nach und nach. Am nächsten Morgen darf es vielleicht noch zu einer Unsicherheit beim Hundegassigang kommen, die auch mit den ungewohnten Gerüchen, die von den Feuerwerkskörpern ausgehen, zusammenhängt. Aber dann sollte alles wieder seinen normalen Gang gehen. Selten kommt es vor, dass Hunde sich sogar noch am Neujahrsmorgen in einer bestehenden echten Panikschleife befinden. Diese sollte dann umgehend! durch einen Tierarzt mithilfe eines Medikaments, das eine „retrograde Amnesie“ bewirkt, unterbrochen werden. Schon einen weiteren Tag später kann so ein Präparat nicht mehr wirken.

Gibt es Medikamente, etwa zur Beruhigung oder dem Einschlafen, die ich notfalls verabreichen beziehungsweise zur Verabreichung verschreiben lassen kann?

Es gibt Medikamente, Pheromon-Präparate in Form von Halsbändern und Sprays und Ergänzungsfuttermittel für den zeitnahen Gebrauch, die meistens aber auch schon mindestens etwa 7 Tage vor Silvester begonnen werden sollten. Ganz kurzfristig gibt es Medikamente, die beim Hund direkt Silvester gegeben werden können. Diese haben aber die Wirkung einer leichten Narkose und dadurch ein gewisses Risiko für gesunde, besonders jedoch für vorgeschädigte, beispielsweise leber- oder nierenkranke Tiere und sind deswegen nicht meine Favoriten. Vorsicht ist auch bei der in den letzten Jahren immer mehr kursierenden „Empfehlung“ geboten, den Hunden Eierlikör ins Futter zu mischen und sie somit in einen betrunkenen Modus zu bringen, in dem ihnen alles egal zu sein scheint. Sollten die Tiere Medikamente erhalten, kann sich das als schlechter Rat erweisen und es gilt auch hier: die Dosis macht das Gift. Und wie beim Menschen auch, macht Alkohol oft sanfter, aber manchmal eben auch nicht.

Was würden Sie zum Abschluss raten?

Meine Bitte an die das hier lesenden Tierhalterinnen- und Tierhalter: kümmern Sie sich wirklich rechtzeitig um das Thema Silvesterangst, es lohnt sich für Ihr Tier ... und für Sie!

hs

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