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Debatte um Drogenpolitik

Warum ein Rosenheimer für die Freigabe von Cannabis plädiert - trotz seiner schlechten Erfahrung

Lieber staatlich kontrolliert als vom Straßenhändler? Die Ampel-Koalition plant die Freigabe von Cannabis und erntet damit in Rosenheimer Kreisen Zuspruch, aber auch Ablehnung.
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Lieber staatlich kontrolliert als vom Straßenhändler? Die Ampel-Koalition plant die Freigabe von Cannabis und erntet damit in Rosenheimer Kreisen Zuspruch, aber auch Ablehnung.

Die Ampel-Koalition plant die Legalisierung von Cannabis. Ein junger Rosenheimer sieht in dieser kontrollierten Abgabe eine große Chance. Er erzählt von seinem negativen Konsumerlebnis mit illegal gehandeltem Cannabis und fordert gerade deswegen die kontrollierte Freigabe.

von Katja Schelle

Rosenheim – An einem Sonntagabend habe er das Cannabis auf der Straße gekauft, sagt der junge Mann aus Rosenheim. Der 22-Jährige habe es anschließend zuhause geraucht, wie er es mehrmals die Woche tue. Doch dieses Mal sei es anders gewesen, meint der Rosenheimer. Er habe nach der Einnahme starkes Herzrasen bekommen und sein ganzer Oberkörper sei taub geworden. Er spricht davon, sogar „Todesangst“ verspürt zu haben. Nach einer Stunde rief er aufgrund seines besorgniserregenden Zustandes den Rettungsdienst. Daraufhin wurde er von den Sanitätern beruhigt und seine Verfassung besserte sich langsam.

Wünsche an FDP, Grüne und CSU

Nach dieser Erfahrung sieht der junge Mann vor allem Handlungsbedarf bei der Politik. Über soziale Medien lässt er der FDP und den Grünen, die eine kontrollierte Freigabe unterstützen, aber auch der CSU, die sich bis jetzt dagegen ausgesprochen hat, eine Nachricht zukommen. In dieser schildert er sein Erlebnis mit der Bitte, die Legalisierung von Cannabis voranzutreiben. Der 22-Jährige findet, dass nur durch das Entkriminalisieren von „Menschen, die ihr Leben im Griff haben“, die Gefahr illegalen Cannabiskonsums verringert werden kann.

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Bei einer kontrollierten Abgabe, genauso wie bei Alkohol, wisse er genau, welche Bestandteile in der Droge enthalten seien. Somit würde er nicht länger ein Gesundheitsrisiko eingehen, wenn er „statt einem Feierabendbier“ eben Cannabis konsumiere. Das Argument der Legalisierungsgegner, Cannabis sei eine Einstiegsdroge, versteht er. Dennoch sieht er die Gefahr nicht beim Kraut selbst, sondern eher bei den Drogenhändlern, die gestrecktes Gras an ihre Abnehmer verticken, aber eben auch harte Drogen. Und trotz des Verbots konsumierten viele junge Menschen Cannabis. Dafür hätten sie aber ein erhöhtes Gesundheitsrisiko durch eine verunreinigte Droge.

Streckmittel beigemischt

Auch Ludwig Binder, Suchttherapeut und einer der beiden Geschäftsführer der Suchtpräventionshilfe Neon aus Rosenheim, spricht sich für eine Legalisierung von Cannabis aus. Binder sieht die angekündigte Freigabe für Konsumenten als „richtigen und längst überfälligen Schritt“. Die Qualität könne nur „durch eine staatlich beaufsichtige Herstellung gesichert werden“.

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Leider sei das Gesundheitsrisiko durch Verunreinigungen bei Cannabis von windigen Händlern auf der Straße sehr hoch. Diesem Cannabis seien oft Streckmittel, Pestizide oder synthetische Cannabinoide hinzugefügt. Besonders gefährlich sei die Beimischung Letzterens. Diese Substanzen waren wohl auch jenem Kraut zugesetzt, welches der 22-jährige Rosenheim zu sich genommen hatte.

Besagte Stoffe lösten unerwünschte Wirkungen jenseits des Rausches aus, darunter Angst- und Panikzustände, berichtet Binder. Sie stünden obendrein mit Todesfällen in Verbindung. Der Suchttherapeut warnt: Gesundheitsschädliche Zusätze bei Straßencannabis seien selbst für erfahrene Konsumenten nur schwer erkennbar.

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Die Rosenheimer CSU-Bundestagsabgeordnete Daniela Ludwig – bislang Drogenbeauftragte der Bundesregierung – sieht die Cannabislegalisierung hingegen kritisch. Sie warnt vor einer Freigabe, wie sie die Ampelkoalition plant, da die Droge dadurch verharmlost werde.

Schein der Unschädlichkeit

Ein legaler Verkauf ändere nichts an der Tatsache, dass Cannabis gesundheitsschädlich sei, propagiere aber das Motto „Was legal ist, kann nicht schädlich sein“. Dies stelle eine besondere Gefahr für Jugendliche dar, sagt Ludwig. Für sie sei nicht ersichtlich, wie die Koalition bei einer Legalisierung den Jugendschutz gewährleisten will.

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Ludwig gibt ebenso zu Bedenken, dass die Cannabisfreigabe in Kanada gezeigt habe, dass der Schwarzmarkt nicht kleiner werde. Stattdessen sänken die Preise bei gleichzeitiger Anhebung des Wirkstoffgehalts der Droge. Der Staat werde diesen Konkurrenzkampf verlieren, warnt sie. Sie setze deshalb wie bisher auf Aufklärung und Strafverfolgung, um den Konsum einzuschränken. Die Pläne der Ampel-Koalition sollten nicht einem vermeintlichen Zeitgeist entspringen, dessen negative Auswirkungen nicht absehbar seien, sagt die Bundestagsabgeordnete.

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