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Strafe auf 24 Monate erhöht

Junge Frauen in Rosenheim vor Gericht: Schläge gab‘s – aber keinen Smartphone-Raub

Dass es zum Raub eines Smartphones gekommen war, bestritten nicht nur die beiden Angeklagten, sondern auch das Tatopfer.
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Dass es zum Raub eines Smartphones gekommen war, bestritten nicht nur die beiden Angeklagten, sondern auch das Tatopfer.

Zwei junge Frauen aus Rosenheim, 19 und 17 Jahre alt, waren jetzt vor dem Jugendschöffengericht Rosenheim unter dem Vorsitz des Richters Hans-Peter Kuchenbaur angeklagt. Sie sollen sich laut Anklage unter Anwendung von Gewalt des Handys einer 17-jährigen Portugiesin bemächtigen haben.

Rosenheim – Begonnen hatte die Geschichte mit einem Streit im Salinpark, bei dem die 19-Jährige der Portugiesin (17) vorgeworfen hatte, sie würde sich an ihren Freund heranmachen. Weil die Angeklagten beide an diesem Tag wohl betrunken waren, folgten sie der Portugiesin bis in ein Lokal am Ludwigsplatz. Bereits auf dem Weg soll sie von dem Duo geschlagen, beleidigt und bedroht worden sein.

Vorwürfe, die das 17-jährige Opfer vor Gericht bestätigte. Weitere Vorwürfe, die beiden Angeklagten hätten ihr auch ein Smartphone entwendet, entkräfte die Frau im Zeugenstand allerdings.

In zwei anderen Fällen hatte die 19-jährige Hauptangeklagte eine junge Frau laut Anklage grundlos geschlagen und am Rosenheimer Bahnhof, wo sie seit Langem Hausverbot hat, Sicherheitsbeamte beleidigt, die sie der Anlage verweisen mussten. All diese Vorfälle fanden innerhalb weniger Wochen im ersten Halbjahr 2021 statt, in dem sie aufgrund ähnlicher Vorfälle bereits zwei Mal verurteilt worden war.

Polizei- und gerichtsbekannt

Die junge Frau ist seit Jahren polizei- und gerichtsbekannt. Immer wieder – oftmals im alkoholisierten Zustand – war sie seit 2017 straffällig geworden. Ihr Vater war aufgrund krimineller Machenschaften vor Jahren in die Türkei abgeschoben, die Mutter wohl völlig überfordert, nachdem sich die Mutter auch noch um drei drogenabhängig Söhne, die ebenfalls Haftstrafen verbüßen mussten, kümmern musste. Seit sie 14 Jahre alt war, hat sie nach eigenen Angaben „praktisch auf der Straße gelebt“. In der größten Not fand sie immer wieder Unterschlupf bei der Großmutter. Seit einigen Jahren lebte sie laut eigener Aussage mit einem drogensüchtigen afghanischen Dealer zusammen. Der ist auch der Vater eines Kindes, das die 19-Jährige in wenigen Wochen zur Welt bringen soll.

Seit Juli befindet sie sich nun in einem Maßregelvollzug aus dem Urteil im Juni 2021 (wir berichteten). Dort wird sie auch die Geburt ihres Kindes erleben. In dem Bericht der Jugendgerichtshilfe wurde bestätigt, dass sie die Therapie dort nun abstinent und motiviert annehme, was auch eine Einstellungsänderung durch ihre Schwangerschaft sein könne.

Die 17-Jährige hingegen könnte, laut Auskunft des Jugendgerichtshelfers aus dem Landratsamt, als klassische „Mitläuferin“ eigentlich „ohne schädliche Neigungen“ gesehen werden. Ihr fehle es vor allem jugendtypisch an Selbstbewusstsein. Deshalb sei bei ihr weniger Strafe als vielmehr Hilfe zur Eigenständigkeit nötig. Auch eine Sucht müsse ihr nicht unterstellt werden. Dennoch möge das Gericht sie mittels mehrerer Sitzungen bei der Suchtberatung von einem Abgleiten bewahren. Einige Tage gemeinnützige Arbeit und die Teilnahme an einem Kurs zur Persönlichkeits-Entwicklung sei empfehlenswert.

Haupttäterin umfassend geständig

Soweit die Haupttäterin sich überhaupt an die Geschehnisse wegen ihrer Alkoholisierung erinnern konnte, war sie umfassend geständig. Allerdings bestritt sie heftig, dass sie die Absicht gehabt hatte, der Portugisin das Handy wegnehmen. Das galt für ihre Mittäterin gleichermaßen.

In Ihrem Schlussvortrag stimmte die Staatsanwältin zu, dass es wohl keine Raubabsichten gegeben habe. Allerdings hätten die versuchten und vollzogenen Körperverletzungen und Beleidigungen sicherlich stattgefunden. In der Bewertung folgte sie bei der 17-Jährigen dem Ahndungsvorschlag der Jugendgerichtshilfe, wonach es bei den erzieherischen Maßnahmen belassen bleiben solle.

Anders bei der Haupttäterin. Bei ihr seien nach wie vor schädliche Neigungen vorhanden auch wenn sie sich mithilfe der Therapie nun auf dem Weg der Einsicht und Besserung befinden möge. Weil die vorangegangenen Verurteilungen von 16 Monaten Einheits-Jugendstrafe einbezogen werden müssten, wollte sie diese nun auf 30 Monate verlängert wissen. Selbstverständlich müsse aber auch die Therapie im Maßregelvollzug weiter geführt werden.

Der Verteidiger, Rechtsanwalt Hans Sachse, stimmte für seine 17-jährige Mandantin der Staatsanwältin in Gänze zu. Er wollte ausschließlich erzieherische Maßnahmen für diese angeordnet wissen.

Auch Rechtsanwalt Alexander Klein konnte der Staatsanwältin inhaltlich nur zustimmen. Allerdings sah er das Strafmaß für seine 19-jährige Mandantin mit nunmehr 18 Monaten insgesamt als „völlig ausreichend an. An der Weiterführung der Therapie hielt er ebenfalls fest.

Erzieherische Maßnahmen

Das Jugendschöffengericht entschied, dass im Falle der 19-Jährigen die Strafe auf 24 Monate erhöht werden müsse. Im Falle einer erfolgreichen Therapie würde ihr der angerechnete Strafrest ohnehin zur Bewährung ausgesetzt werden. „Es lohnt sich für Sie in jeder Hinsicht die Therapie erfolgreich zu bestehen,“ sagte Richter Kuchenbaur an die Angeklagte gewandt. Die 17-Jährige belegte das Gericht mit den empfohlenen erzieherischen Maßnahmen.

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