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Vorfall am Ichikawa-Platz - Verteidigungsministerium reagiert

„Leichen über Felder verstreuen“: Rede von Bundeswehrsoldat in Rosenheim sorgt für Wirbel

Im Lampenpark des Mangfallparks sind auch im Mittwochabend wieder viele Menschen zur Corona-Mahnwache zusammengekommen. Die Veranstalter schätzen die Teilnahmerzahl auf bis zu 1300, die Polizei spricht hingegen nur von maximal 800 Personen.
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Im Lampenpark des Mangfallparks sind auch im Mittwochabend wieder viele Menschen zur Corona-Mahnwache zusammengekommen. Die Veranstalter schätzen die Teilnahmerzahl auf bis zu 1300, die Polizei spricht hingegen nur von maximal 800 Personen.

Der Beitrag eines Bundeswehrsoldaten auf der Corona-Mahnwache am Rosenheimer Ichikawa-Platz beschäftigt derzeit Bundeswehr und Staatsschutz. Wurde zum Umsturz aufgerufen?

Rosenheim – Mehrere Redebeiträge auf der Rosenheimer Corona-Mahnwache sorgen für Unruhe und Wirbel. Ihr Urheber: Andreas O. Er präsentiert sich als Oberfeldwebel des Gebirgsjägerbataillons 231, stationiert in Bad Reichenhall. Er übt unter anderem massive Kritik an der Corona-Politik.

Scharfmacher unter Rednern am Rosenheimer Ichikawa-Platz

Ob Andreas O. wirklich bei der Bundeswehr arbeitet, ist unklar. Das Verteidigungsministerium konnte dies auf Anfrage der OVB-Heimatzeitungen weder bestätigen noch dementieren. Zu einer der vergangenen Mahnwachen auf dem Ichikawa-Platz sprach der vermeintliche Soldat nicht nur von Befehlsverweigerung, sondern auch davon, dass er die Freiheit der Demonstrationsteilnehmer notfalls dadurch verteidigen wolle, in dem er schlimmstenfalls das Grundgesetz verrate.

Ebenso berichtete er von Konflikten mit seinen Vorgesetzten, denen er gesagt haben will, sie müssten ihn notfalls wie einst Graf Claus Schenk von Stauffenberg an die Wand stellen. Der Wehrmachtsoffizier organisierte im Juli 1944 die sogenannte Operation Walküre, welche das NS-Regime durch ein Attentat auf Adolf Hitler stürzen sollte.

Angeblicher Bundeswehr-Soldat: Schlimmstenfalls Grundgesetz verraten

Die Aussagen sind auf der Videoplattform Youtube dokumentiert. In einem weiteren Video wendet er sich offensichtlich an die Politik mit der „Gelegenheit“, die Impfpflicht bei Soldaten und Pflegepersonal wie auch die Coronamaßnahmen „zurückzuschrauben“. „Dies ist eine Warnung“, sagt O. und setzt der Politik gleichzeitig ein Ultimatum, von diesen „wahnwitzigen, verfassungsfeindlichen Vorhaben zurückzutreten.“

Aussagen auf Video dokumentiert

In einem dritten Video spricht er dem Anschein nach zu den Teilnehmern der jüngsten Rosenheimer Mahnwache am Mittwoch, dass man sie „in Scherben“ schlagen werde. „Eure Leichen wird man auf den Feldern verstreuen. Ihr werdet sicherlich nicht wie die tapferen Soldaten in tiefem Grund liegen“, sagt er weiter.

Hier ist jedoch nur ein gut 30-sekündiger Ausschnitt seiner Rede zu sehen. In seinem jüngsten Video ruft er Polizisten wie auch seine Kameraden bei der Bundeswehr dazu auf, sich gegen jedwede Aktionen der Polizei zu stemmen, die sich gegen die sogenannten Corona-Spaziergänge richten.

Alarmiert ob dieser Aussagen ist inzwischen nicht nur der Staatsschutz bei der Rosenheimer Kriminalpolizei, wie der Presssprecher des Polizeipräsidiums Oberbayern Süd, Martin Emig, bestätigt.. Auch das Bundesverteidigungsministerium hat inzwischen Kenntnis von den Aussagen. „Das von Ihnen angesprochene, derzeit im Netz kursierende Video eines angeblichen Soldaten haben wir zur Kenntnis genommen. Es enthält Drohungen gegen den Rechtsstaat, die nicht hinnehmbar sind“, antwortet eine Ministeriumssprecherin auf Anfrage der OVB-Heimatzeitungen. Der Sachverhalt und Konsequenzen würden bereits geprüft. Aus rechtlichen Gründen will die Behörde jedoch keine weiteren Auskünfte erteilen. Auch die Stadt hält sich bedeckt und verweist in dieser Sache auf die Bundeswehr als Dienstherrin des Soldaten.

„Sich mit Widerstandskämpfern aus der Zeit des menschenverachtenden Naziregimes in eine Reihe zu stellen, ist ein unerträglicher Vergleich“, sagt die Vorsitzende des SPD-Unterbezirks Rosenheim Stadt sowie Bezirks- und Stadträtin Elisabeth Jordan. „Ein Mitglied der Bundeswehr, das eine aufwieglerische Rede von sich gibt, sollte sich fragen, ob er noch den richtigen Arbeitgeber hat.“ Rosenheims Zweiten Bürgermeister Daniel Artmann (CSU) findet: „Die zunehmenden Radikalisierungstendenzen unter einzelnen Kritikern der Corona-Maßnahmen sind beängstigend. Protest muss in einer Demokratie selbstverständlich möglich sein, aber friedlich, auf dem Boden des Grundgesetzes und ohne jegliche Drohungen.“

Die Aussagen des Soldaten widersprechen jenem Kodex, den sich die Organisatoren der Mahnwache selbst gegeben haben. „Wir verwehren uns gegen rechtsradikale und linksradikale Äußerungen und geben diesen auch keinen Raum“, ist in diesem zu lesen. „Wir distanzieren uns von solchen Äußerungen“, sagt Peggy Galic, die bislang die Rosenheimer Mahnwachen angemeldet hatte. Galic verweist darauf, dass sie nicht jede Rede explizit verfolgen könne. Die Rede des Oberfeldwebels auf dem Ichikawa-Platz will sie jedenfalls in besagter Form nicht wahrgenommen haben.

Sie könne sich nicht daran erinnern, dass er zu irgendetwas aufgerufen habe. Bei den Gesprächen, die sie im Vorfeld mit dem Soldaten geführt habe, habe dieser immer seine Treue zum Grundgesetz versichert. Lediglich seine Absicht, Befehle zu verweigern, die nach seiner Ansicht Recht und Gesetz widersprechen, habe er ihr gegenüber zum Ausdruck gebracht. Auch in der zugehörigen Telegram-Gruppe der Mahnwache sind Beiträge zu lesen, die sich von den Aussagen distanzieren. Andere wiederum relativieren die Aussagen des vermeintlichen Oberfeldwebels. Zur jüngsten Versammlung im Lampenpark des Mangfallparks seien bis zu 1300 Menschen zusammengekommen, wie die Veranstalter schätzen. Die Polizei spricht von maximal 800 Teilnehmern.

>>> Nach Drohvideo festgenommener Soldat wieder auf freiem Fuß

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