Beispiele aus der Region

Denkmalschutz: Chance oder Hindernis?

Rosenheim - Es gibt in der Region sowohl Positiv-Beispiele des Denkmalschutzes, aber auch einige, bei denen sich der Denkmalschutz als nicht fördernd herausstellte. rosenheim24.de sprach mit einem Experten über das Thema:

Gerade bei uns in der Region ist Denkmalschutz aufgrund der vielen alten Gebäude, die hier vorhanden sind, oft ein Thema. Die Meinungen darüber gehen allerdings auseinander. Ist Denkmalschutz eine wichtige Erhaltungsmaßnahme für unsere Kultur, oder bloß ein Bremsklotz für alle, die sich einem alten Gebäude annehmen wollen?

Was genau ist Denkmalschutz?

Ein Denkmal wird als "von Menschen geschaffene Sachen oder Teile davon aus vergangener Zeit, deren Erhaltung wegen ihrer geschichtlichen, künstlerischen, städtebaulichen, wissenschaftlichen oder volkskundlichen Bedeutungim Interesse der Allgemeinheit liegt" definiert, so der Wortlaut im Denkmalschutzgesetz

Unter Denkmalschutz können also nicht nur Gebäude, sondern auch alle anderen bedeutenden Gegenstände gestellt werden. Vom steinzeitlichen Fund bis hin zum Bauernschrank kann somit alles geschützt werden.

Wenn ein Gebäude unter Denkmalschutz gestellt werden soll, geschieht das meist aus Eigeninitiative des Besitzers oder durch die Gemeinde, in der sich das betreffende Gebäude befindet. Wird ein Antrag gestellt, besichtigt ein Mitarbeiter des Landesamt für Denkmalpflege das Bauwerk und prüft, ob es die oben genannten Kriterien erfüllt.

Steht ein Gebäude erst Mal unter Denkmalschutz, kann es nicht mehr einfach so ohne weiteres verändert werden. Anbauten wie Balkon oder Wintergarten müssen genehmigt werden, ebenso wie Solaranlagen auf dem Dach oder ein Austausch der Fenster. Selbst der Innenausbau des Hauses wird genauestens kontrolliert, je nach Stufe des Schutzes. Es ist keine Seltenheit, dass Veränderungen oftmals einfach gar nicht zugelassen werden. Was aber so oder so auf den Besitzer zukommt, sind lange bürokratische Wege, die immer durchwandert werden müssen

Denkmalschutz: Eine Möglichkeit

Ein Musterbeispiel für gut umgesetzten Denkmalschutz ist das alte Kurhaus in Traunstein. 1870 wurde das Gebäude erbaut, der Kurbetrieb wurde aber nach dem Zweiten Weltkrieg eingestellt, woraufhin das Bauwerk weitgehend leer stand. 2012 nahm sich ein Bauunternehmen dem Kurhaus an und hauchte ihm im Rahmen einer Kernsanierung, die nach Denkmalschutz-Standard durchgeführt wurde, wieder neues Leben ein. Jetzt befinden sich mehrere Wohneinheiten sowie eine Ladenfläche in dem Haus im Zentrum Traunsteins. 

Das altes Kurhaus in Traunstein nach der Sanierung

Was genau muss passieren, um den Denkmalschutz als Chance für alte Gebäude zu nutzen? rosenheim24.de sprach mit Thomas Hoch, dem Vertriebsbeauftragten des Bauunternehmens Peter Dörr, das auf die Renovierung denkmalgeschützter Gebäude spezialisiert ist und auch an der Sanierung des alten Kurhauses beteiligt war. 

Wichtig, um den Umbau der geschützten Gebäude möglichst unproblematisch zu gestalten, ist vor allen Dingen die enge Zusammenarbeit mit den Ämtern, so Hoch. Auch die Heranziehung eines Experten ist empfehlenswert: "Ein Spezialist für den Umbau geschützter Häuser weiß einfach, was grundsätzlich machbar ist und was nicht". 

Ein Mehr an Zeit und Geld

Käufer eines geschützten Gebäudes sollten sich auch bewusst sein, was der Denkmalschutz konkret bei den Renovierungsarbeiten bedeute. Neben viel mehr Vorgaben, die zu beachten sind, bedeute eine Sanierung auch immer ein Mehr an Kosten und Zeit. "Um den Standards eines modernen Hauses gerecht zu werden, sollte der Bauherr mindestens 20 bis 30% mehr Geld veranschlagen, als es bei einer Renovierung ohne die Auflagen des Denkmalschutz gekostet hätte", erklärt Hoch. 

Die Gründe dafür? Nicht alle Baumaterialien dürfen verwendet werden und auch die Auswahl bei den richtigen Partnern und Firmen, die auf Denkmalschutz spezialisiert sind, sei bei weitem nicht so groß wie bei einem normalen Bauvorhaben. Wegen personeller Unterbesetzung der Ämter dauere es außerdem einfach länger, bis sämtliche Anträge genehmigt seien. Er empfiehlt daher vor allen Dingen Privatpersonen, es sich zwei Mal zu überlegen, ob man dieses Bauvorhaben schultern könne und wolle. 

Trotzdem: "Der Denkmalschutz ist eine wichtige Maßnahme und oftmals prägend für das Stadtbild", betont Hoch. Er räumt aber auch ein, dass eine schnellere Abwicklung oftmals wünschenswert sei.

Denkmalschutz: Ein Bremsklotz

Gerade das Mehr an Geld stellt sich im Moment als Hindernis für die Stadt Trostberg dar. Immer mehr Geschäfte mussten in den letzten Jahren in der Innenstadt bereits schließen. Das geschah auch wegen unzeitgemäßer Geschäftsräume, deren Renovierung sich aufgrund des Denkmalschutzes als äußerst schwierig gestaltete. Die Stadt hofft jetzt, durch Zuschüsse zu den Sanierungskosten das Geschäftesterben zu verhindern und wieder mehr Leben in die Innenstadt zu bringen. 

Aber auch viele andere Projekte sind aktuell in der Region geplant. So soll beispielsweise die alte "Fünferpfanne" in Traunstein saniert und in ein Wohnhaus umgebaut werden

Die "Fünferpfanne" in Traunstein.

Hoffentlich gestaltet sich der Denkmalschutz in diesem Fall nicht als Hindernis, sondern eben als Möglichkeit zur gelungenen Renovierung, damit Traunstein ein weiteres stilvoll saniertes Gebäude sein Eigen nennen kann. 

fso

Quelle: rosenheim24.de

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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