2. Energiegipfel der Volksbank Raiffeisenbank Rosenheim-Chiemsee

"Regionale, direkte Umsetzung der Energiewende"

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(v.l.) Klaus Hatzel, Josef Loferer, Hans Haslreiter und Christian Bürger
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Rosenheim - Am Beispiel des Ökomodells Achental e.V. verdeutlichte der 2. Energiegipfel der VR-Bank Rosenheim-Chiemsee, wie die Energiewende auf regionaler Ebene bewältigt werden kann.

Als Kreditgeber für die Finanzierung von Projekten im Bereich "Erneuerbare Energien" und umweltfreundlicher Technologien, liege es schon deswegen, neben der starken Verwurzelung der Bank in der Region, im Interesse der Verantwortlichen, sich auf diesen Gebieten weiterzubilden und auszutauschen, so der Kreisdirektor Agrar der VR-Bank Rosenheim-Chiemsee am Mittwoch. Beim 2. Energiegipfel in der Hauptverwaltung in Rosenheim wurde anhand des "Ökomodells Achental e.V." die Möglichkeiten diskutier, die "Energiewende dezentral und in Bürgerhand" zu vollziehen. Der Verein wäre schlicht der regionale Experte auf diesem Gebiet, bestätigte auch der Sprecher des Vorstands der Bank, Konrad Irtel. Und eben dieses Expertenwissen wolle man sich schließlich zu Nutze machen, wenn es darum ginge, einen "gemeinsamen Weg der Region in die Zukunft" zu beschreiten.

Kernhandlungsfelder Landwirtschaft, Tourismus, Energie und Naturschutz

Wolfgang Wimmer über die Vorzüge des Ökomodell Achental e.V.

Am Beispiel des "Ökomodell Achental e.V." stellte dessen Geschäftsführer Wolfgang Wimmer, die Herausforderungen der Energiewende und die mögliche Lösung von Problemen im Zusammenhang dar. Nur in einem Verbund könnten die Gemeinden die Anforderungen auch bewältigen, weshalb man sich im Landkreis Traunstein entschied, insgesamt neun Gemeinden zum Ökomodell zusammenzufassen. Ungefähr 35.000 Einwohner lebten in diesem Gebiet, dass zu 50% aus Wald und zu 30% aus Schutzgebieten bestehe, so Wimmer. Anhand der Kernhandlungsfelder "Landwirtschaft, Tourismus, Energie und Naturschutz" versuche man eine nachhaltige Entwicklung zu vollziehen. Bis zum Jahr 2020 versuche man "so weit zu kommen wie möglich" und den Anteil der selbst erzeugten Energie für Strom und Wärme weiter zu steigern. Prognosen zeigten, dass der Bedarf seitens der Einwohner dabei ziemlich konstant bleibe, so Wimmer. Er liege aktuell bei knapp 430.000 Megawattstunden und bestehe zu einem Viertel aus Strom und drei Viertel aus Wärme.

Zuerst habe man Maßnahmen zur Senkung der Kosten aufgestellt und priorisiert. Als ersten Punkt sprach der Geschäftsführer des "Ökomodells Achental e.V." das Thema Energieholz an. Der Verein errichtete zur Versorgung von Klein- und Großabnehmern den Biomassehof Achental, der sich selbst als "Energieholzdienstleister" verstehe und seine Kunden mit Pellets, Hackschnitzel und Scheitholz versorge, erklärte Wimmer. Weiter wurden im Laufe des Projekts zwei Heizwerke mit Fernwärmeversorgung, zuerst in Grassau und dann ein Weiteres in Grabenstätt, errichtet, die von den jeweiligen Gemeinden als Kommunalunternehmen geführt werden und vom Biomassehof mit Brennstoff versorgt werden. Zusätzlich installierte der Verein einen Gasmotor mit 380 Kilowatt Leistung, der neben Wärme im sogenannten "Heatpipe"-Verfahren auch Strom erzeugen soll. Zur Finanzierung der Maßnahmen wurden eine Vielzahl von Fördermitteln in Anspruch genommen, so Wimmer.

"Die touristische Inwertsetzung"

Im Zusammenhang mit den energieerzeugenden Maßnahmen habe das "Ökomodell Achental e.V." auch den Tourismus hierauf optimiert. Eine Energiekarte biete Informationen für Interessierte und führe die bislang 1.500 Besucher entlang der Stationen der bislang vollzogenen Projekte. Auch ein CO2-Rechner auf der Website des Vereins, auf dem die Besucher ihre eigene Bilanz errechnen könnten, habe sich mittlerweile bewährt, so Wimmer. Auch im Bereich Mobilität habe man einen Großteil des Wandels bereits vollzogen. 20 kostenlose Ladestationen für Elektroautos im Gebiet wurden bereits errichtet, und auch das Konzept "mobil ohne Auto" und der Öffentliche Personennahverkehr würden in der Region gut angenommen.

Aktuell werde noch die energetische Nutzung der Tiroler Achen geprüft. Der zur Zeit noch massiv verbaute Fluss besitze laut Wimmer das technische Potenzial, an vier unterschiedlichen Anlagen je 5 Gigawattstunden pro Jahr zu erzeugen. Die Leistung einer Anlage reiche dabei aus, ungefähr 1.400 Haushalte zu versorgen, so der Geschäftsführer. Das Kraftwerkskonzept einer überströmten Anlage könne auch zur Hochwasserregulierung eingesetzt werden. Ein Eingriff in die Natur wäre bei der Errichtung solcher Anlagen jedoch unumgänglich.

Das Ökomodell aus Sicht einer Gemeinde

Josef Loferer gibt einen Einblick in die Zusammenarbeit seiner Kommune mit dem Ökomodell Achenthal e.V.

Der Bürgermeister der Gemeinde Schleching, einer der neun Mitgliedskommunen des "Ökomodells Achental e.V." berichtete anschließen noch über seine persönlichen Erfahrungen innerhalb des Bündnisses. Anfangs gestaltete sich die Zusammenarbeit noch etwas schwierig, mittlerweile habe man eine Steigerung der Lebens- und Standortqualität erfahren, könne auf effizientere Lösungen von Problemen zurückgreifen und profitiere von einem höheren Steueraufkommen. Der Verbund ermögliche es weiter, Kosten zu sparen und weitere Synergien zu bündeln, so Josef Loferer. Die Geschäftsstelle des Vereins sei für ihn und seine Verwaltung dabei in erster Linie als Ansprechpartner präsent, nicht nur wenn es darum gehe Fördergelder zu beantragen. Weiter rief Loferer dazu auf, sich in den angesprochenen Bereichen auch über die Landkreisgrenzen hinweg zu verständigen. Dem Gast sei es schließlich auch egal, ob er in Rosenheim oder Traunstein vom Berg heruntersteige, so der Bürgermeister. "Nur mit Hilfe der Vernetzung können wir die Aufgaben der heutigen Zeit bewältigen," erklärte Josef Loferer abschließend.

"Ein Geschenk der Nachhaltigkeit"

Die symbolische Übergabe des zweitausendsten VR-Mobils

Zum Abschluss der Veranstaltung ergriff Klaus Hatzel, Vorstandsmitglied der VR-Bank Rosenheim-Chiemsee, das Wort und bedankte sich bei den Rednern, die das Thema Energiewende anschaulich und mit regionalem Bezug präsentiert hatten. Er bezeichnete das Engagement des Vereins als Pionierleistung und würdigte schließlich die Leistung der Beteiligten mit einem Geschenk der Bank. Symbolisch überreichte Klaus Hatzel die Schlüssel des zweitausendsten VR-Mobils an den Bürgermeister der Gemeinde Schlechen, Josef Loferer.Das Elektroauto soll in der Nachbarschaftshilfe eingesetzt werden und somit das soziale Engagement auf der einen Seite und die Weiterentwicklung des Ökogebiets und die Energiewende auf der anderen Seite unterstützen, so Hatzel. Das Elektroauto der Marke VW e-up! soll künftig in einem eigens dafür eingerichteten Carport neben der Gemeindeverwaltung in Schlechen geladen und betrieben werden. Die passende Ladestation wird von der Firma Hans Haslreiter Energietechnik in Unterwössen zur Verfügung gestellt.

Quelle: rosenheim24.de

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