Bischöfe gründen Stiftung für Missbrauchsopfer

Wien/Mariazell - Die katholischen Bischöfe in Österreich haben am Mittwoch ihren Rahmenplan gegen Missbrauch in der Kirche vorgelegt. Der Inhalt: Opfer sollen Geld aus einer Stiftung erhalten.

Ein Kernpunkt: Geld für Opfer soll aus einer “Stiftung Opferschutz“ kommen, aus der sowohl Therapiekosten als auch Schmerzensgeld- und Schadensersatzzahlungen finanziert werden, wie die Bischofskonferenz nach einem Bericht der Nachrichtenagentur APA im Anschluss an ihre Vollversammlung in Mariazell bekanntgab. Die Zahlungen sollten “rasch, unbürokratisch, menschlich und angemessen“ erfolgen.

Chronologie der Missbrauchsfälle

Chronologie der Missbrauchsfälle

28. Januar 2010 - Bistum Berlin: Am Berliner Canisius-Kolleg der Jesuiten werden erste Verdachtsfälle bekannt, es folgen Dutzende weitere. © dpa
1. Februar - Bistum Hamburg: Ehemalige Schüler von Sankt Ansgar in Hamburg geben an, Opfer eines Jesuiten-Paters geworden zu sein. © dpa
1. Februar - Bistum Freiburg: Ein zuvor in Berlin tätiger Lehrer soll auch am Jesuiten-Kolleg St. Blasien Schüler missbraucht haben. © dpa
1. Februar - Bistum Hildesheim: Vorwürfe gegen Pater in Hildesheim und Göttingen werden bekannt, es folgen Fälle in Hannover. Im Bild: Die Basilika in Hannover, in der Regionaldechant Propst Martin Tenge eine Erklärung von Bischof Norbert Trelle zu den Missbrauchsfällen durch Jesuiten-Pater verliest. © dpa
5. Februar - Bistum Köln: Es wird erstmals über Missbrauchsfälle am Bonner Aloisius-Kolleg berichtet. Im Bild: Eine Nachtaufnahme des Kölner Doms. © dpa
9. Februar - Bistum Aachen: Ein Sonderbeauftragter der Kirche ermittelt nach Missbrauchs-Anschuldigungen gegen zwei Priester. Im Bild: Der Dom von Aachen © dpa
12. Februar - Bistum Paderborn: Die Kirche bestätigt, dass Geistliche in Werl Kinder missbraucht haben sollen. Im Bild: Die Gau-Kirche der Liborius Pfarrei im Bistum Paderborn © dpa
19. Februar - Bistum Mainz: Am Internat Biesdorf der Missionare von der Heiligen Familie wird Missbrauch durch einen Ordensmann bekannt. Im Bild: Der Mainzer Dom im nächtlichen Nebel © dpa
21. Februar - Bistum Augsburg: Gegen Mitarbeiter des ehemaligen Heims der Salesianer Don Bosco in Augsburg gibt es Missbrauchsvorwürfe. © dpa
21. Februar - Bistum Rottenburg: In Oggelsbeuren soll es in einem Kinderheim der Vinzentinerinnen Missbrauchsfälle gegeben haben. Im Bild: Gebäude der Stiftung Liebenau im Bistum Rottenburg © dpa
21. Februar - Bistum Essen: Frühere Mitarbeiter der Behinderten- Einrichtung Franz-Sales-Haus Essen sollen Zöglinge missbraucht haben. Im Bild: Ein Gottesdienst im Dom in Essen © dpa
22. Februar - Bistum München: Der Leiter der Schule im oberbayerischen Benediktinerkloster Ettal räumt Missbrauchsfälle ein. © dpa
22. Februar - Bistum Würzburg: Nach Missbrauchsvorwürfen wird ein Priester im Würzburger Franziskanerkloster beurlaubt. Im Bild: Der Turm der Neubau-Kirche in Würzburg © dpa
23. Februar - Bistum Speyer: Ein Pater soll am Gymnasium Johanneum in Homburg/Saar sexuelle Handlungen an Jungen vorgenommen haben. Im Bild: Der Dom zu Speyer © dpa
28. Februar - Bistum Münster: Ein Pater in Münster-Hiltrup gesteht den sexuellen Missbrauch an Internatsschülern. Im Bild: Die Sankt Clemens-Kirche in Münster-Hiltrup © dpa
3. März - Bistum Limburg: Mehrere Fälle von sexuellem Missbrauch durch Priester werden bekannt. Im Bild: Gottesdienst im Georgs-Dom in Limburg © dpa
4. März - Bistum Fulda: Verdachtsfälle betreffen einen Priester und einen kirchlichen Mitarbeiter. Im Bild: Der Dom in Fulda mit Schildern im Vordergrund © dpa
4. März - Bistum Regensburg: Nach Mitteilung des Bistums hatte es auch Fälle bei dem weltberühmten Knabenchor Regensburger Domspatzen gegeben. Im Bild: Ein Konzert der Regensburger Domspatzen in der Sacred Heart Cathedral in Pretoria. © dpa

Über die Dotierung dieser Stiftung wurden keine Angaben gemacht. Betont wurde jedoch, dass die Geldleistungen “nicht aus dem Kirchenbeitrag“ finanziert würden, sondern “beim Täter oder bei einer verantwortlichen Institution eingefordert“ werden sollen. Eine generelle Pflicht, mutmaßliche Missbrauchstäter anzuzeigen, sieht der Maßnahmenkatalog nicht vor. Eine Ausnahme gelte allerdings dann, also wenn angenommen werden könne, dass “durch den mutmaßlichen Täter weitere Personen zu Schaden kommen könnten“. Dann werde “auf Initiative der Kirche der Sachverhalt zur Anzeige gebracht“.

Ansonsten empfehle die Ombudsstelle dem Opfer, selbst Anzeige zu erstatten. Die kirchlichen Leitungsverantwortlichen würden bei erhärtetem Verdacht den mutmaßlichen Täter “zur Selbstanzeige auffordern“. Die kirchlichen Ombudsstellen sollen künftig einheitlich gestaltet und weisungsfrei sein und von “unabhängigen Fachleuten“ geleitet werden. Zusätzlich wird in jeder Diözese eine Kommission eingesetzt, die mit dem Bischof Konsequenzen für mutmaßliche Täter berät. Bei einem begründeten Verdacht werde dieser künftig “bis zur endgültigen Klärung des Sachverhalts dienstfrei gestellt“, und zwar “in enger Kooperation mit den staatlichen Stellen“.

DAPD

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