Chaos im Luftverkehr hält noch Tage an

Das Chaos im Luftverkehr soll noch Tage anhalten.

Hamburg - Die beispiellose Sperrung des europäischen Luftraums wegen der Vulkanasche aus Island ist vorbei. Das Chaos im Luftverkehr wird sich aber erst langsam auflösen.

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In Deutschland kann wieder normal geflogen werden. Die Deutsche Flugsicherung hob am Mittwoch letzte Einschränkungen für Verkehrsflugzeuge auf - der Luftverkehr konnte wie im übrigen Europa langsam wieder anrollen. “Die Wolke hat sich verzogen“, sagte Sprecher Axel Raab der Nachrichtenagentur dpa. Es wird jedoch wohl noch Tage dauern, bis die Flugpläne wieder komplett eingehalten werden. Am Mittwoch sollten in ganz Europa nach Angaben der Flugsicherheitsbehörde Eurocontrol 21.000 von normalerweise 28.000 gezählten Flügen starten und landen. Auf dem Höhepunkt des Flug-Chaos am Sonntag waren rund 80 Prozent der Flüge gestrichen worden.

Der Eyjafjalla-Vulkan und die Aschewolke


Der Eyjafjalla-Vulkan und die Aschewolke

Satellitenbilder: Vulkan und Aschewolke von oben
Tief unten im Eyjafjalla-Gletscher brodelt der Vulkan, der uns seit Tagen Asche nach Europa schickt. © dpa
Satellitenbilder: Vulkan und Aschewolke von oben
Weil der Vulkan so weit unten im Gletscher liegt, kühlt seine Lava so schnell ab und wird zu Staub, den er dann hinaus in die Athmosphäre schleudert. © dpa
Satellitenbilder: Vulkan und Aschewolke von oben
Das ist das Besondere am Eyjafjalla-Vulkan. Wäre der Gletscher nicht, würde die Lava nicht so schnell kalt und könnte abfließen. Stattdessen wird sie in Nanopartikel in die Luft geschleudert. © dpa
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Lava und Staub aus dem Eyjafjalla-Vulkan. © dpa
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Die Aschewolke ist bis zu elf Kilometer in den Himmel geschossen. Inzwischen ist der Eyjafjalla schwächer geworden und schleudert seine Asche nicht mehr so weit in die Luft. © dpa
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Rauch- und Ascheschwaden über Island. © dpa
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Aus der Luft: Die Aschewolke, die der Eyjafjalla ausspuckt. © dpa
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Die Aschewolke über Europa. Wenn Das stabile Hochdruckgebiet über Deutschland sich verzieht und sich die Wetterlage ändert, kann auch die Asche woanders hintreiben. © dpa
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Wissenschaftler sind ganz nah dran am Eyjafjalla-Vulkan. © dpa
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Satellitenbild: Die Aschewolke über Europa... © dpa
Satellitenbilder: Vulkan und Aschewolke von oben
... Deutschland liegt mitten drin im Aschefeld. © dpa

Die Entscheidung, wieder uneingeschränkt starten und landen zu lassen, stützte sich auf Informationen des Deutschen Wetterdienstes, wie Raab berichtete. Demnach konnte keine gefährliche Konzentration von Asche mehr nachgewiesen werden. “Das war keine politische Entscheidung.“ Zuvor hatten mehrere Airlines die Sperrungen als überzogen kritisiert, darunter Lufthansa und Air Berlin. Die Lufthansa ging nach Angaben einer Sprecherin davon aus, dass sie am Mittwoch 500 von sonst 1800 Flügen anbieten kann.

Bis zum Normalbetrieb dauert es noch Tage

Das Wiederanfahren des kompletten Flugplans werde Tage dauern. Nach Angaben von Eurocontrol in Brüssel gab es in Europa am Mittwochvormittag nur noch im Norden Frankreichs, in einem kleinen Bereich zwischen Belgien und den Niederlanden sowie über Österreich Einschränkungen für den Flugverkehr. In Nordeuropa blieb der Luftraum über dem Norden Großbritanniens sowie in Schweden gesperrt. In den sechs Tagen mit Flugverboten an Europas Himmel war nach Angaben der Behörde mehr als jeder zweite Flug gestrichen worden: Seit Donnerstag fielen mehr als 100.000 Verbindungen aus - normalerweise hätten in dieser Zeit rund 190.000 Flüge abgewickelt werden sollen. Nach Schätzungen des Internationalen Flugverbandes IATA beliefen sich die Einnahmeausfälle der Airlines bis Mittwoch auf etwa 1,7 Milliarden Dollar (1,26 Milliarden Euro).

Der volkswirtschaftliche Schaden für Deutschland wird sich nach Einschätzung der Bundesregierung “in Grenzen halten“. Wirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) sagte in Berlin, für ein “Worst-Case-Szenario“ (die schlimmsten Annahmen) bestehe kein Anlass. Die Wolke und ihre Auswirkungen beschäftigen am Mittwoch auch den Bundestag. Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) wollte dazu eine Regierungserklärung abgeben. Die Sperrungen hatten vergangenen Donnerstag begonnen.

Vulkanasche bleibt gefährlich

Teilchen aus Vulkanasche können nach Expertenmeinung die Triebwerke und Sensoren von Flugzeugen beschädigen und Piloten die Sicht nehmen. Weil der Wind dreht, wird die Vulkanasche in den kommenden Tagen über den Atlantik nach Nord-Nordost getrieben. “Mitteleuropa wird nicht mehr betroffen sein“, sagte Wetterexperte Ansgar Engel in Offenbach.

Der größte deutsche Reiseveranstalter Tui teilte mit, es herrsche wieder Normalbetrieb. Rund 30 000 Gäste, die wegen der Sperrung ihren Rückflug nicht antreten konnten, seien inzwischen wieder nach Deutschland gebracht worden. Derzeit warteten noch weniger als 1000 gestrandete Urlauber auf ihre Rückreise.

dpa

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