Wann und wo fing alles an?

Corona-Ursprung wirklich in China? Hinweise auf sehr frühe Fälle in Europa - WHO untersucht nun Verbreitung

Lange verbreitete sich das Coronavirus in China unentdeckt. Doch auch in Europa gab es frühe Fälle. Ein Forscherteam untersucht jetzt die Wanderwege des Virus.

Auf einem Lungenscan lassen sich Anzeichen einer Coronavirus-Infektion nachweisen. Eine Studie im Elsass, Frankreich zeigt jetzt wie früh der Virus in Europa wirklich ausbrach. (Archivbild)
  • Lungenbilder im Elsass, Frankreich zeigen Zeichen des Coronavirus bei einem Patienten von November 2019
  • Vermutlich verbreitete sich das Coronavirus* auch in Europa schon ab November unentdeckt
  • Ein Forscher-Team der WHO soll jetzt den genauen Ursprung des Virus finden. Der liegt vermutlich nicht in Wuhan.

Colmar - Ein milchig-weißer Schimmer könnte es verraten: Das Bild eines Grippe-Patienten in Elsass-Lothringen vom 16. November 2019 ist gerade in den Nachrichten zu sehen. Vermutlich einer der ersten Coronavirus Patienten in Europa und nicht der einzige. Radiologe Michel Schmitt erklärt der deutschen Tagesschau, dass ihm viele Grippe-Fälle im Nachhinein auffällig vorkamen. Im Albert-Schweizer Krankenhaus Colmar, Elsass untersuchte er circa 2.500 Lungen-Scans ab August 2020 und wurde fündig: Er findet starke Anzeichen mehrerer, früher Coronavirus*-Infektionen. Auch ein Test zeigt: Alle Betroffenen haben Antikörper gegen das Coronavirus entwickelt. Kommt der Virus dann eigentlich aus Frankreich? Ein sicherer Beweis ist das natürlich nicht. Schließlich hätten sich die Patienten auch in der Zwischenzeit noch infizieren können.

Rätsel um Ursprung des Coronavirus - frühe Fälle schon 2019 außerhalb Chinas

Die ersten Coronavirus-Fälle wurden in Wuhan, China entdeckt. Auch hier blieben zahlreiche Fälle vorerst unentdeckt. Lange hatte man angenommen, dass das Coronavirus Frankreich und ganz Europa erst deutlich später erreicht hat. Aber nicht nur in Frankreich, auch Studien anderer Länder, gehen inzwischen von viel früheren Coronavirus-Zahlen in der zweiten Jahreshälfte 2019 aus. In Italien und Brasilien wurde der Erreger beispielsweise in alten Abwasserproben gefunden, wie die Tagesschau berichtet. Doch auch in China wird das Ursprungsdatum immer früher geschätzt. Wie die Zeitung South China Morning Post vor einigen Monaten berichtete, gehen die Forscher dort momentan von einem Ursprung zwischen dem 6. Oktober und dem 11. Dezember aus.

Wo und Wann? In China suchen Forscher nach dem Ursprung des Coronavirus

Der vermutete Ursprung des Coronavirus bleibt aber trotz früher Zahlen in Europa, weiterhin China oder ein angrenzendes Land. Eine Überraschung sei die schnelle Übertragung nach Europa allerdings nicht. Auch Cambridge-Forscher Peter Forster betont gegenüber der Tagesschau: „Dokumentierte, spätere Fälle zeigten, wie schnell Reisende den Erreger in andere Regionen bringen könnten“. Weiterhin wird als genauerer Ursprung des Virus der Süden Chinas angenommen. Von hier aus soll sich das Coronavirus nach Wuhan ausgebreitet haben - unerwartet schnell auch nach Europa.

China: Vermutlich übertrugen Fledermäuse oder Pangoline das Virus

Das neuartige Coronavirus ist ein RNA-Virus. Das bedeutet, es besteht aus dem Biomolekül Ribonukleinsäure. Wie sich das Genom des Virus verändert hat, kann Auskunft über den Ursprung der Pandemie geben. Forscher untersuchen diese Veränderungen deswegen, um festzustellen wo und wann das Coronavirus entstanden ist. Dabei geht man von einer Zoonose aus, einer Übertragung vom Tier zum Menschen. Verschiedene Studien haben bereits festgestellt, dass eine Übertragung von Fledertieren und Pangolinen wahrscheinlich ist.

WHO schickt Forscherteam nach China: Detektivarbeit

Weltweit wird zum Coronavirus geforscht. Ein neues Forscher-Team der Weltgesundheitsorganisation WHO soll jetzt im Süden Chinas Genaueres herausfinden, um den zoonotischen Ursprung des Coronavirus endgültig zu bestimmen. Peter Forster und seine Kollegen untersuchen unterdessen die genauen Wanderwege des Virus, also wann und wie schnell sich der Erreger wo ausgebreitet hat. Bisher konnte das Virus noch nicht in freier Natur an einem Wildtier ohne menschlichen Kontakt festgestellt werden.

Lange wurde der Markt in Wuhan als Ursprungsort angenommen aber auch ein chinesisches Labor, das Zoonose an Fledermäusen untersucht, ist so zum Zentrum öffentlicher Verschwörungstheorien und Kritik geworden. Viel wahrscheinlicher ist aber ein Fledermaus-Reservoir im Süden des Landes als Ursprungsort der Pandemie. Genauere Beweise gibt es bisher allerdings noch nicht. Das sollen das Team der WHO jetzt ändern. Es handele sich um „Detektivarbeit“, sagte WHO-Direktor Michael Ryan in Genf nach der Bekannt-Gabe des neuen Forschungsteams im Juli.

Ein Mann (33) aus Hongkong hat sich nachweislich zum zweiten Mal mit dem Coronavirus infiziert: Hongkonger Wissenschaftler berichten am Montag (24. August) über diesen Fall. Eine Gen-Analyse habe eine zweite Infektion bestätigt. Auch aus Europa sind zwei Fälle bekannt geworden. Forscher sind sich jedoch uneins, ob es sich tatsächlich um eine zweite Infektion handelt, oder ob die Infektion über Monate im Körper schlummerte und dann wieder aufflammte. Während die Coronavirus-Zahlen in Europa gerade wieder steigen, erhöht sich auch in Bayern die Besorgnis auf eine zweite Welle zuzusteuern. In China grassiert währenddessen der nächste Virus. (vs) *Merkur.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks.

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