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„Vielleicht müssten mehr Atomkraftwerke gebaut werden“

Wie wirken sich Corona-Lockdowns auf den Klimawandel aus? Forscher mit ungeahnten Ergebnissen

Sonnenstrahlen beleuchten einen Waldboden.
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Sonnenstrahlen beleuchten den Wald auf dem bayerischen „Nußhardt“. Auf den Klimawandel haben die Maßnahmen der Corona-Pandemie überraschenderweise kaum einen Einfluss. (Archivbild)

Die Hoffnungen, dass die Corona-Pandemie und die getroffenen Maßnahmen zumindest auf den Klimawandel einen positiven Effekt haben werden, waren enorm. Nun gibt es Erkenntnisse der Forscher über die tatsächlichen Auswirkungen - und die sind völlig überraschend.

  • Durch die Corona-Maßnahmen hat es weniger Treibhausgas-Emissionen gegeben.
  • Die erhofften Effekte auf den Klimawandel sind allerdings mehr als ernüchternd.
  • Forscher haben nun die tatsächlichen Auswirkungen berechnet.

Genf - Lahmgelegte Wirtschaftszweige, Einbrüche im Flugverkehr und gedrosselte Produktionen: Weltweit hatte die Corona-Pandemie* starke Einschränkungen zur Folge. Zumindest was den Klimawandel angeht, gab es große Hoffnungen auf positive Effekte durch das Coronavirus Sars-CoV-2. Ob und inwiefern sich diese bestätigen, haben nun Experten ermittelt - mit ungeahntem Ergebnis.

Klimawandel: Experten machen Hoffnungen auf Corona-Effekte zunichte

Die Weltwetterorganisation (WMO) hat Hoffnungen auf eine Verschnaufpause für das Klima im Zuge der Corona-Pandemie zunichtegemacht. Das Ausmaß klimaschädlicher Emissionen wie etwa von Kohlendioxid (CO2) sei in diesem Jahr zwar zurückgegangen. Die Treibhausgaskonzentration in der Atmosphäre verändere das aber weniger als jedes Jahr übliche natürliche Fluktuationen dies täten, schrieb die WMO am Montag im jährlichen Treibhausgas-Bulletin. CO2 bleibt Jahrhunderte in der Atmosphäre.

2019 und 2020 ist die CO2-Konzentration weiter gestiegen, wie aus dem Bericht hervorgeht. Der Wert hat 2019 im globalen Durchschnitt erstmals seit Beginn der Industrialisierung 1750 die Marke von 410 ppm (Teilchen pro Million Teilchen) gebrochen. Die Marke von 400 ppm war erst 2015 durchbrochen worden.

CO2-Konzentration: So hoch lag sie in den vergangenen Jahren

Konkret lag die CO2-Konzentration im vergangenen Jahr bei 410,5 ppm, nach 407,9 beziehungsweise 405,5 ppm in den beiden Jahren davor. CO2 entsteht etwa durch die Verbrennung von Kohle, Öl und Gas, die Zementproduktion und andere Industrieprozesse sowie im Zuge von Abholzung.

„Die Erde hat zuletzt vor drei bis fünf Millionen Jahren eine ähnliche CO2-Konzentration erlebt“, sagte WMO-Generalsekretär Petteri Taalas. Auf den Zustand vor so langer Zeit können Forscher durch Eisbohrungen in uralte Luftblasen und Analysen von Fossilien schließen. „Damals lag die Temperatur zwei bis drei Grad und der Meeresspiegel 10 bis 20 Meter höher. Aber es lebten nicht 7,7 Milliarden Menschen auf der Erde.“

Erderwärmung begrenzen: „Vielleicht müssten auch mehr Atomkraftwerke gebaut werden“

Um die Erwärmung wie vom Weltklimarat empfohlen bis Ende des Jahrhunderts auf 1,5 Grad zu begrenzen, müsse die Welt bis 2050 klimaneutral werden, sagte Taalas. Die Trendwende bei den CO2-Emissionen müsse in fünf Jahren einsetzen. Öl, Gas und Kohle müssten als Energiequelle durch Wind, Wasser und Solarenergie ersetzt werden. Vielleicht müssten auch mehr Atomkraftwerke gebaut werden, sagte Taalas.

Der Emissionsrückgang 2020 sei nur „eine winzige Delle“ in der nach oben steigenden Kurve. „Wir müssen die Kurve nachhaltig abflachen“, sagte Taalas - in Anlehnung an den Ausdruck, den Epidemiologen im Zusammenhang mit den Coronavirus-Infektionen oft nutzen.

Wetter: Temperaturen, Niederschlag und mehr - der deutsche Durchschnitt*

Corona-Lockdowns: Rückgang an Emissionen - aber kaum Effekte auf Klimawandel

Wie stark die Emissionen 2020 zurückgingen, sei noch unklar, so die WMO. In Zeiten, in denen mehrere entscheidende Länder gleichzeitig im Corona-Lockdown waren, dürfte der tägliche Ausstoß etwa 17 Prozent unter dem Niveau vor der Pandemie gelegen haben. Vorläufige Schätzungen gingen von einem Rückgang von 4,2 bis 7,5 Prozent aus. Das verringere die Konzentration in der Atmosphäre allenfalls um Werte zwischen 0,08 und 0,23 ppm. Natürliche Variationen, etwa wie gut CO2 in einem Jahr von der Vegetation absorbiert wird, lägen bei rund 1 ppm.

So dürfte auch die Verlängerung des Corona-Lockdowns in Deutschland und zahlreichen anderen Ländern wie Österreich und Italien, keinen nennenswerten Einfluss auf den Klimawandel haben.

Das Treibhausgas-Bulletin nennt für die Konzentration in der Atmosphäre einen Durchschnittswert aus mehr als 100 Messstationen. Einzelne Stationen hätten für 2020 schon höhere Werte registriert als im Jahr davor. Die Station in Mauna Loa auf Hawaii etwa habe im September 411,29 ppm gemessen, verglichen mit 408,54 im vergangenen Jahr. Die Station Cape Grim auf Tasmanien in Australien habe 410,8 ppm gemessen, nach 408,58 im vergangenen Jahr. (va/dpa) *Merkur.de ist Teil des deutschlandweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks

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