Debatte um Airbus-Absturz: Piloten fordern A330-Boykott

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Helfer beregen einen Teil des Leitwerks des abgestürzten Airbus A330-200.

München  - Der Vater eines Absturz-Opfers über dem Atlantik hat die vollständige Aufklärung des Airbus-Unglücks gefordert. Außerdem hat eine Pilotengewrkschaft zum Boykott des Airbus A330 aufgerufen.

Bernhard Gans, Vater einer Frau, die beim Absturz ums Leben gekommen war, forderte die lückenlose Aufklärung gegenüber der Illustrierten „Bunte“:  “Das bin ich meiner Tochter wie auch den anderen bedauernswerten Opfern schuldig.“

Gans ist Vorsitzender der German Business Aviation Association (GBAA), der Interessengemeinschaft des deutschen Werkflugverkehrs.

Es sei unerträglich, die Hinterbliebenen und die Öffentlichkeit “mit absolut unglaubwürdigen Argumenten wie Blitzschlag oder 'zwei Gewitter haben sich zu einem Tropengewitter bisher nie gekannter Stärke innerhalb kürzester Zeit zusammengeballt' von den eigentlichen Ursachen abzulenken“, wird Gans zitiert.

Bilder: Flug AF 447 wird vermisst

Bilder: Air-France-Flug 447 wird vermisst

Die brasilianische Flugaufsicht und deren Wetterdienst müssten erklären, weshalb es keine Warnungen gegeben habe oder Umleitungen angeordnet worden seien, forderte er. Von Air France verlangte er eine Erklärung hinsichtlich des Zustands der Maschine und außergewöhnlicher Flugmanöver der Besatzung sowie mangelnden Funkverkehrs mit der Bodenstation. Der Hersteller solle sich zum angeblichen Totalausfall aller elektrischen Systeme äußern.

Gans bedauerte, dass Air France die Familie nicht zur Trauerfeier nach Paris eingeladen habe. “Es hat uns aber getröstet, dass Studienfreunde, die Ines in Paris hat, an der Feier teilgenommen haben und uns die Gedenkkerze zugesandt haben“, sagte er. Die Angehörigen werden am 28. Juni in einem Requiem von der 31-Jährigen Abschied nehmen.

Gewerkschaft fordert A330-Boykott:

Die anhaltende Diskussion um die Ursache des Airbus-Absturzes verunsichert auch zunehmend die Piloten des betroffenen Flugzeugtyps A330. Wie der Österreichische Rundfunk (ORF) auf seiner Homepage berichtet rief eine Pilotengewerkschaft bereits zum Boykott auf, nachdem bekannt wurde, dass Air France schon Monate vor dem Absturz des Airbus A330 vor Problemen mit den Geschwindigkeitsmessern bei diesem Flugzeugtyp gewarnt hatte. Das geht aus einem auf den 6. November 2008 datierten Memo hervor.

Darin ist laut ORF von einer "beträchtlichen Zahl von Zwischenfällen" in Verbindung mit Tempomessern an Airbus A330 und A340 die Rede. Diese seien auf "Anomalien" an diesen Messgeräten zurückzuführen. Wie der ORF weiter berichtet, seien darin falsche Geschwindigkeitsmessungen, unterschiedliche Tempoangaben auf den Kontrollschirmen von Pilot und Kopilot und das Abschalten des Autopiloten aufgelistet.

Zwei Air-France-Piloten, die anonym bleiben wollten, bestätigten laut der ORF-Homepage die Echtheit dieses brisanten Dokuments. Einer der Piloten sagte, das Memo belege, dass die Fluggesellschaft schon seit November vergangenen Jahres von den Problemen gewusst habe, "die die Katastrophe von Flug AF 447 zu erklären scheinen".

In den Mittelpunkt der Ermittlungen zur Absturzursache rückt mehr und mehr die Vermutung, dass außen liegende Instrumente der Unglücksmaschine vereist waren und Sensoren daher falsche Informationen lieferten.

„Verweigern sie alle Flüge A330/A340“

Laut der Tageszeitung französischen Tageszeitung „Le Monde“ drängt eine Air-France-Gewerkschaft die Piloten dazu, sich zu weigern, mit einem Airbus A330 oder A340 zu starten, wenn nicht die externen Geschwindigkeits- und Höhenmesser zuvor ersetzt worden sind. "Verweigern Sie alle Flüge mit A330/A340, solange nicht mindestens zwei der fraglichen Sensoren ausgetauscht werden", forderte die Gewerkschaft ALTER. In dieser Gewerkschaft sind rund zwölf Prozent aller Air-France-Piloten zusammengeschlossen.

Bilder: Trauerfeier für die Absturzopfer

Bilder von der Trauerfeier für die Opfer des Flugzeugabsturzes

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