Gewaltiger Lottogewinn lässt Gerüchteküche brodeln

Washington - Ein sensationeller Lottogewinn von rund 254 Millionen Dollar hat in den USA ein sonderbares Nachspiel gefunden. Ist der Glückspilz ein Prominenter?

Finanzmanager in den USA haben einen schlechten Ruf. Sie gelten in der Volksmeinung oft als gierige Ausbeuter oder arrogante Verschwender. Nun schüttet ein sensationeller Lottogewinn von rund 254 Millionen Dollar Wasser auf die Mühlen aller, denen die Schere zwischen Normalbürgern und Bankern in Amerika zu weit auseinanderklafft: Ausgerechnet drei offenbar wohlhabende Vermögensverwalter landeten den 190-Millionen-Euro-Jackpot - falls ihre Geschichte denn stimmt.

Ausgangspunkt war die Ziehung bei der US-Lotterie “Powerball“ Anfang November in Connecticut. Damals war der größte Jackpot in der Geschichte des Staates geknackt worden. Wochenlang suchte die Lottogesellschaft in Anzeigen und auf Werbeplakaten nach dem Besitzer des Gewinnerloses - gekauft für einen Dollar an einer Tankstelle.

Verbitterung in der Bevölkerung

Dann endlich traten am Montag die Glückspilze mit dem gewaltigen Scheck in der Hand vor die Kameras. Und lösten in der Öffentlichkeit heftige Diskussionen bis hin zu Verbitterung aus. Nicht die hart arbeitende, schlecht bezahlte Krankenschwester oder ein in Bescheidenheit alternder Rentner wurden hier zum Millionär. Sondern drei Hedgefonds-Manager - die es anscheinend ohnehin schon waren. Lotto sei eben für alle da, kommentierte die Lotteriechefin Anne Noble trocken.

Doch der Auftritt der Jackpot-Knacker bei der Gewinnerehrung löste Misstrauen aus. Sie ließen einen Anwalt für sich sprechen, der die Bildung eines Treuhandfonds mit der Gewinnsumme ankündigte - nach Steuern und Skonto immer noch 104 Millionen Dollar. Das klang vielen zu professionell und abgeklärt. Auch von großer Freude in den Gesichtern der Lottochampions war wenig zu sehen, schrieb die “New York Times“.

Mysteriöser Käufer

Der Fernsehsender NBC und andere Medien heizten die Spekulationen darüber an, dass die ganze Geschichte faul sein könnte. So gehöre der Fonds tatsächlich dem wahren Käufer des Lottoscheines, hieß es unter Berufung auf Freunde und Nachbarn der Manager. Der eigentliche Glückspilz sei ein Kunde ihrer Finanzfirma, und er wolle lieber im Verborgenen bleiben.

“Wer könnte der mysteriöse Käufer sein? Ein glücklicher Hedgefonds-König? Ein bekannter Banker, der zu scheu ist oder sich zu schuldig fühlt, um an die Öffentlichkeit zu gehen“, rätselte das “Wall Street Journal“ am Mittwoch. Offensichtlich jemand, der eine “gewaltige Dienstleistung“ von den Finanzmanagern erhält, meinte ein namentlich nicht genannter Informant des Fernsehsenders ABC.

Die drei angeblichen Lottogewinner reagierten prompt auf die Mutmaßungen und heuerten - wieder ganz professionell - eine PR-Firma an. “Um es eindeutig zu sagen, es gibt diese drei Treuhänder und keinen anonymen vierten Teilnehmer“, ließ sie umgehend wissen. Der Fonds sei nur ein praktischer Weg, ihren Gewinn gerecht aufzuteilen.

dpa

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