Giftschlamm erreicht Donau

Kolontár - Der rote Giftschlamm aus einer ungarischen Aluminiumfabrik hat am Donnerstag die Donau erreicht.

Der ungarische Katastrophenschutz teilte mit, am zweitgrößten europäischen Fluss sei zunächst kein Schaden erkennbar gewesen. Die Europäische Union und Umweltschützer befürchten von der Kontaminierung der Donau mit dem Rotschlamm eine Umweltkatastrophe für ein halbes Dutzend Anrainerstaaten. Der Schlamm sei inzwischen aber so stark verdünnt, dass keine Katastrophe zu erwarten sei, erklärte ein Sprecher der Katastrophenschutzbehörde, Tibor Dobson, der ungarischen Nachrichtenagentur MTI.

Der pH-Wert, der ursprünglich bei mehr als zwölf gelegen habe, sei inzwischen auf unter zehn gesunken. Der Schlamm war am Montag aus einem geborstenen Auffangbecken ausgetreten und hatte die umliegenden Dörfer überschwemmt. Vier Menschen kamen ums Leben. Aus dem Auffangbecken der Aluminiumhütte der Ajka Aluminia Company ergoss sich am Montag eine giftige Welle in Bäche und Flüsse, drei Dörfer wurden von dem roten Schlamm überschwemmt. Einwohner in Kolontár, dem der Bruchstelle nächstgelegenen Ort, berichteten, in den Gewässern gebe es keine lebenden Fische mehr. Kolontár liegt 70 Kilometer südlich der Donau.

Ministerpräsident Viktor Orban besuchte am Donnerstag das Katastrophengebiet und schloss einen Wiederaufbau in den am schwersten getroffenen Gebieten als sinnlos aus. In Kolontár wurden nach amtlichen Angaben 34 Häuser unbewohnbar. Einwohner klagten, der Giftschlamm habe Grund und Boden des gesamten 800-Einwohner-Dorfs wertlos gemacht. Dobson wurde von der ungarischen Nachrichtenagentur MTI nur mit den Angaben zum pH-Wert zitiert, der keine Umweltgefährdung mehr darstelle. Normalerweise hat Oberflächenwasser einen pH-Wert zwischen 6,5 bis 8,5. Zu Befürchtungen, in der ätzenden Welle könnten auch giftige Metalle sein, sagte er nichts.

Nach Ungarn fließt die Donau noch durch Kroatien, Serbien, Rumänien, Bulgarien, die Ukraine und Moldau, bevor sie ins Schwarze Meer mündet. Im kroatischen Dorf Batina, dem ersten Ort, den die Donau nach Ungarn erreicht, wurden am Donnerstag Wasserproben genommen, meldete die kroatische Nachrichtenagentur HINAS. Auch in Rumänien wurden alle drei Stunden Proben genommen, zunächst aber keine gefährlichen Werte gemessen, sagte eine Sprecherin der rumänischen Wasserbehörde, Ana Maria Tanase. Der pH-Wert sei im normalem Bereich. Die Analyse nach giftigen Schwermetallen laufe.

Greenpeace fordert Eigentümer zur vollen Kostenübernahme

Die Umweltschutzorganisation Greenpeace forderte unterdessen von den Eigentümern des Werks MAL AG die volle Übernahme aller Kosten. Die Gesellschafter müssten nicht nur alle Schäden gründlich beseitigen lassen, sondern der betroffenen Bevölkerung auch Schadenersatz zahlen, verlangte die österreichische Greenpeace-Sektion in Wien am Donnerstag. Greenpeace wies darauf hin, dass die beiden Hauptaktionäre der Firma zu den dreißig reichsten Ungarn zählen. “Dagegen ist die Ankündigung der Firma MAL, den Menschen eine Entschädigung von lediglich 110.000 Euro zu zahlen, nicht nur inakzeptabel, sondern angesichts der Todesfälle, der Verletzten und der Schäden vor Ort hochgradig zynisch“, erklärte die Organisation.

Bereits Dienstag hatte Greenpeace selbst Proben vom Rotschlamm entnommen. Die ersten Laborergebnisse sollen am (morgigen) Freitag vorliegen. Die Umweltorganisation WWF forderte striktere Kontrollen gefährlicher Industrieanlagen in Europa. Es sei “ein Hohn“, dass nach EU-Vorgaben der Rotschlamm als nicht hochgradig gefährlich eingestuft werde, erklärte der WWF-Süßwasserexperte Martin Geiger in Frankfurt am Main. Es stelle sich die Frage, welche Katastrophen noch zu erwarten seien bei den zahlreichen Haltebecken der Industrie, “in denen mitunter noch gefährlichere Giftcocktails schlummern“. Laut WWF gibt es allein in Ungarn noch weitere 60 ähnliche Rückhaltebecken für Industrieschlamm. Geiger sagte, auch wenn es flussabwärts einen Verdünnungseffekt wegen der großen Wassermassen gebe, ändere das nichts daran, “dass das Ökosystem der Donau damit noch mehr belastet wird“.

dapd

Giftschlamm überspült Ort in Ungarn

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