Weil sie unter niederländischer Flagge segelten

Niederlande will Greenpeace-Aktivisten befreien

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Hier demonstrieren Anhänger für die Freilassung der in Russland inhaftierten Greenpeace-Aktivisten

Moskau - Die in Russland inhaftierten Greenpeace-Aktivisten erhalten unverhofft Unterstützung, denn nun setzen sich die Niederlande für deren Freilassung ein.

Die Niederlande wollen mit juristischen Mitteln die Freilassung der 30 in Russland angeklagten Greenpeace-Aktivisten erzwingen. Es sei ein Schiedsverfahren auf Grundlage des UN-Seerechtsübereinkommens eingeleitet worden, schrieb Außenminister Frans Timmermans am Freitag in einem Brief an die Abgeordneten in Den Haag.

Das Aufbringen des Greenpeace-Eisbrechers "Arctic Sunrise" sei "illegal" gewesen und die Besatzung müsse freigelassen werden. Die Niederlande werden aktiv, weil die "Arctic Sunrise" unter niederländischer Flagge fuhr, als sie vor zwei Wochen in der Arktis von der russischen Küstenwache aufgebracht und nach Murmansk geschleppt wurde. Die russischen Behörden hätten die Niederlande erst um Erlaubnis fragen müssen, bevor sie sich Zugang zu dem Schiff verschafft hätten, sagte ein Außenamtssprecher in Den Haag.

Hilfe vom Internationalen Seegerichtshof

Die russische Justiz hatte die 30 Umweltschützer aus 18 Ländern in den vergangenen Tagen wegen "bandenmäßiger Piraterie" angeklagt. Bei einer Verurteilung drohen ihnen bis zu 15 Jahre Haft. Sie sitzen in Murmansk in Untersuchungshaft. Die Aktivisten hatten am 18. September versucht, eine russische Bohrinsel in der Arktis zu entern, um auf Umweltrisiken durch die Gas- und Ölförderung in dem Gebiet aufmerksam zu machen.

Timmermans schrieb, er bevorzuge eine "diplomatische Lösung". Wenn es in den kommenden zwei Wochen keine ausreichenden Fortschritte gebe, könnten vom Internationalen Seegerichtshof (ISGH) in Hamburg aber "vorläufige Maßnahmen" zur Freilassung der Umweltschützer verlangt werden.

Schwerste Bedrohung des Umweltprotests

Greenpeace begrüßte den Schritt der Niederlande. Das Land habe eine "entschlossene Haltung zur Verteidigung des Rechts auf friedliche Proteste eingenommen", erklärte ihr Anwalt Jasper Teulings. Die russische Justiz müsse sich nun vor einem internationalen Gericht erklären und es werde ihr nicht gelingen, "die absurden Piraterie-Vorwürfe zu begründen".

Greenpeace-Direktor Kumi Naidoo kritisierte die Handlungen der Behörden als „schwerste Bedrohung des friedlichen Umweltprotests“ seit der Versenkung des Aktionsschiffs „Rainbow Warrior“ in Auckland 1985 durch französische Geheimagenten. Damals starb ein Aktivist.

Bundesweite Demonstrationen angekündigt

Aktivisten der Umweltschutzorganisation Greenpeace wollen am Samstag in 30 deutschen Städten für die Freilassung ihrer in Russland inhaftierten Mitstreiter demonstrieren. Darüber hinaus sollen in mindestens 85 weiteren Städten weltweit Protestaktionen stattfinden, sagte Greenpeace-Sprecher Christoph von Lieven.

dpa/AFP

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