Überlebende Erdbebenopfer wütend über schleppende Hilfe

Haiti: Kinder im Visier von Menschenhändlern

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Helfer befürchten wachsende Spannungen und Ausschreitungen, sollten Trinkwasser, Lebensmittel und Medikamente nicht unverzüglich die verzweifelten Überlebenden erreichen.

Haiti - Verzweiflung und Trauer drohen in Haiti in Wut und Zorn umzuschlagen: Die Überlebenden des Erdbebens klagen über die schleppende Hilfe. Unruhen und Gewalt könnten die Folge sein.

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Nach dem Jahrhundertbeben in Haiti kamen die Hilfsgüter und Rettungsteams aus aller Welt auch am Freitag nur quälend langsam bei den Opfern an. Aufgebrachte Überlebende türmten unterdessen in der Hauptstadt Port-au-Prince Leichen zu Barrikaden auf und plünderten vereinzelt Lagerhäuser. Im Fernsehen beklagten sich verzweifelte Erdbebenopfer bitterlich über die ausbleibende Hilfe. Schätzungsweise 50 000 Menschen waren bei dem verheerenden Erdbeben am Dienstag ums Leben gekommen.
Laut Unicef wird vor allem für Kinder die Situation in Haiti zunehmend gefährlicher: Skrupellose Kinderhändler versuchen, Mädchen und Jungen in ihre Fänge zu bekommen. Besonders Waisenkinder sind diesen Verbrechern hilflos ausgeliefert.
Die UN will deshalb besondere Schutzzonen für Kinder einrichten. Allerdings gab es inmitten der Apokalypse auch einzelne Lichtblicke: Internationale Suchtrupps hätten 23 Menschen lebend aus den Trümmern des Hotels Montana geborgen, sagte der chilenische Entsandte Juan Gabriel Valdés. In dem Hotel hatten viele Ausländer gewohnt.

Schicksal der Deutschen in Haiti ungewiss

Helfer befürchten wachsende Spannungen und Ausschreitungen, sollten Trinkwasser, Lebensmittel und Medikamente nicht unverzüglich die verzweifelten Überlebenden erreichen. Nach Berichten des US- Senders CNN wurden massenweise Tote von den Straßen gesammelt und mit Radladern in große Lastwagen gekippt. Auch der Leiter der Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen in Haiti, Stefano Zannini, sprach von dramatischen Szenen. Derzeit bestehe zwar noch keine akute Seuchengefahr. Den Verletzten müsse aber dringend geholfen werden. Sie suchten zu Tausenden medizinische Hilfe, sagte Zannini. Da es an Lebensmitteln mangele und auch Benzin für den Transport fehle, verschlimmere sich die Lage.

Über das Schicksal der etwa 100 Deutschen in Haiti war nur wenig bekannt. Ein Sprecher des Auswärtigen Amtes in Berlin sagte, eine Gruppe von sechs Deutschen sei zurück nach Deutschland geflogen. Andere seien in die benachbarte Dominikanische Republik ausgereist. Auch drei 16, 22 und 27 Jahre alte Flensburger, die bei einem kirchlichen Austauschprojekt am Aufbau eines Waisenhauses beteiligt waren, blieben unverletzt.

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Unterdessen kam die von US-Präsident Barack Obama angekündigte massive Hilfsaktion langsam in Fahrt. Am Freitag trafen weitere US- Soldaten in Port-au-Prince ein, wo sie seit dem Vortag den Flughafen kontrollieren. Diese Truppen könnten im Notfall auch für die Aufrechterhaltung der Sicherheit eingesetzt werden, hieß es.

Zugleich erreichte der riesige US-Flugzeugträger “Carl Vinson“ Haiti. Das Kriegsschiff hat 5700 Mann Besatzung, 19 Hubschrauber, eine Trinkwasseraufbereitungsanlage und tonnenweise Versorgungsgüter an Bord. Die USA wollten außerdem sechs weitere Schiffe auf den Weg schicken, darunter drei Amphibienboote mit Helikoptern sowie ein Lazarettschiff. Am Wochenende sollen schon mehr als 6000 Angehörige der US-Streitkräfte in Haiti oder zumindest in Küstennähe sein.

Erdbeben in Haiti: Das Leiden

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Insbesondere Kinder sind nach Angaben von UNICEF von Krankheiten wie Typhus und Cholera, Malaria und Dengue-Fieber bedroht. “Drei Tage und noch immer keine Hilfe. Ich verstehe einfach nicht, was da los ist“, sagte ein aufgebrachter Mann im Fernsehen.

Die gigantische Welle der Hilfsbereitschaft hielt weiter an. Allein Weltbank, Internationaler Währungsfonds und die USA sagten jeweils 100 Millionen Dollar zu, die UN 550 Millionen Dollar. Schauspieler und Prominente riefen zu Spenden auf oder starteten Aktionen. Die USA, Frankreich und andere Staaten wollen so schnell wie möglich eine internationale Wiederaufbau-Konferenz für Haiti organisieren.

dpa

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